Wirtschaftswachstum in China
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Wirtschaftswachstum in China

Sozialistische Marktwirtschaft

Wirtschaftsentwicklung und BIP in der Volksrepublik China

Chinas Wirtschaft wächst seit Jahren gewaltig. Zwar sind die Jahre zweistelliger Wachstumsraten vorbei. Dennoch ging es selbst im Corona-Jahr 2020 aufwärts.

Peking – Ein stetiges Wachstum prägt die Wirtschaft der Volksrepublik China. China ist nach den USA die zweitgrößte, gemessen an der Kaufkraftparität sogar die größte Volkswirtschaft der Welt.

2020 wuchs die Wirtschaft trotz Corona nach Angaben des Nationalen Statistikamtes um 2,3 Prozent auf 101,6 Billionen Yuan (etwa 13 Billionen Euro). Damit knackte China erstmals die Marke von 100 Billionen Yuan - und war zudem die einzige große Volkswirtschaft der Welt, die 2020 ein positives Wirtschaftswachstum verzeichnete.

Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft um 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 24,9 Billionen Yuan (3,82 Billionen US-Dollar). Dieses Fabelwachstum verdankt China allerdings auch der niedrigen Ausgangsbasis im Vergleichszeitraum: Ein Jahr zuvor hatte die Coronavirus-Pandemie China fest im Griff, weshalb die Wirtschaft im ersten Quartal 2020 um knapp sieben Prozent geschrumpft war. Analysten gehen davon aus, dass Chinas Wachstum 2021 über dem von der Regierung auf dem Nationalen Volkskongress ausgegebenen Wachstumsziel von sechs Prozent liegen wird.

China: Die Volksrepublik im Überblick

China ist mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. Flächenmäßig steht es an vierter Stelle. Die Volksrepublik wurde nach der im chinesischen Bürgerkrieg gestürzten Republik von Mao Zedong am 1. Oktober 1949 gegründet. Die Sowjetunion war viele Jahre politisches Vorbild von Mao. Ende der 1950er-Jahre wandte er sich von dieser jedoch ab und kündigte den „Großen Sprung nach vorne“ an. Im Zuge dessen führte er die Landwirtschaft und die Schwerindustrie zusammen und rief eine „Produktionsschlacht“ aus. Das Vorhaben scheiterte und führte zu einer dreijährigen Hungerperiode, der 30 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Im Zuge der 1966 begonnenen sogenannten Kulturrevolution wurden Schulen und Universitäten geschlossen, Stadtbewohner zur Arbeit in der Landwirtschaft befohlen.

Während Maos Regierungszeit bis 1976 schottete China sich weitgehend vom Rest der Welt ab. Doch unter Deng Xiaoping begann ab 1978 eine vorsichtige Öffnungspolitik. Zu den ersten Reformen gehörten die Modernisierung der Landwirtschaft sowie die der Industrie. In den Sonderwirtschaftszonen probte Deng die Öffnung ins Ausland. Dort erlaubte er auch als erstes ausländische Investitionen. Die in Sonderzonen wie Shenzhen begonnenen Reformen wurden schrittweise auf das ganze Land ausgedehnt. In der Folge erlebte China ein rasantes Wirtschaftswachstum, das bis heute anhält.

China: Wirtschaftsstruktur im Überblick

Mit einem Anteil von mehr als 52 Prozent macht der Dienstleistungssektor den größten Anteil der Wirtschaftssektoren aus. Ihm folgt die Industrie mit mehr als 40 Prozent. Rund sieben Prozent fallen auf die Landwirtschaft.

China verfügt über reiche Bodenschätze, insbesondere Kohle sowie verschiedene metallische Erze. So ist die Volksrepublik im Besitz von 70 Prozent der weltweiten Vorkommen Seltener Erden, die unter anderem für die Smartphone- und Computer-Produktion und die Herstellung von Akkus für Elektroautos verwendet werden. Nahezu die gesamte Verarbeitung Seltener Erden, nämlich 95 Prozent, erfolgt in China.

Die weiteren Rohstoffe machen das Land zum viertgrößten Erdölproduzenten und größten Lieferanten für Kohle weltweit. Erdöl muss China allerdings trotz seiner eigenen Vorkommen importieren. Dies ist einer der Gründe für die starke Förderung der Elektromobilität durch die Regierung.

China: Entwicklung der Wirtschaft

China hat sich seit den 1970er-Jahren von einem planwirtschaftlichen in ein nach marktwirtschaftlichen Mechanismen ausgelegtes Wirtschaftssystem entwickelt. Die Regierung nennt das Prinzip „Sozialismus chinesischer Prägung“. Kern dieser Ausrichtung ist zum einen die „Befreiung der Produktivkräfte“. Zum anderen ist die Reform- und Öffnungspolitik ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren der chinesischen Wirtschaft.

So wurden unter Reformpatriarch Deng Xiaoping ab 1984 Produkte, die über die Planvorgabe hinaus produziert wurden, für den freien Handel zugelassen. Zugleich mischten sich die Behörden immer weniger in die Geschäfte der Betriebe ein. Auch gab Peking schrittweise die jahrzehntelang fixierten Preise frei. Als Konsequenz verteuerten sich sämtlich Waren. Die rasante Inflation war einer der Gründe für die Unzufriedenheit, die sich 1989 in den Protesten auf dem Tian‘anmen-Platz in Peking sowie in anderen Großstädten entlud. Die Proteste in Peking wurden am 4.Juni 1989 gewaltsam niedergeschlagen.

Es folgten Jahre des Reformstaus. Im Herbst 1992 beschloss die Regierung, eine so genannte Sozialistische Marktwirtschaft aufzubauen, die auch private Unternehmen wachsen ließ. In den Städten entstanden immer mehr Privatunternehmen – ein Novum im Land. Ende der 1990er-Jahre ging Peking erstmals auch an die Reform der Staatsbetriebe, von denen viele marode waren und ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Manche dieser Firmen wurden geschlossen. Besser laufende Firmen wurden in Teilen an die Börse gebracht. Eine weitere Maßnahme waren Fusionen: Funktionierende Staatsunternehmen mussten marode Betriebe übernehmen und diese mitziehen. Faule Kredite bei den Staatsbanken wurden umgeschuldet. Durch die Schließung vieler Staatsfirmen verloren zahllose Menschen ihre Arbeit. Manche fanden in der boomenden Privatwirtschaft neue Arbeit; andere mussten etwa in die Frührente gehen.

China: Wirtschaftsentwicklung seit 2000

Im Jahr 2001 trat China in die Welthandelsorganisation (WTO) ein. Vertraglich geregelt wurden unter anderem die Zeitrahmen, in denen die Volksrepublik ihre Märkte für ausländische Unternehmen zu öffnen hatte. Andere Länder verpflichteten sich im Gegenzug, die eigenen Märkte für chinesische Betriebe zu öffnen.

Der damalige Parteichef Hu Jintao unterstützte ab 2003, dem Jahr seines Amtsantritts, vor allem die Landwirtschaft - unter anderem, indem er die Agrarsteuer abschaffte. Die Löhne in diesem Sektor liegen trotz aller Bemühungen dennoch bis heute unter denen anderer Branchen wie der Industrie.

China: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Das BIP in China wächst seit vielen Jahren kontinuierlich. Den jährlichen prozentualen Wachstumsrekord erreichte das Land 2007 mit einem Zuwachs von 13 Prozent. Von 1978, dem Jahr der ersten Reformen, bis 2014 stieg das BIP insgesamt um das 48-Fache. Die Produktivität pro Mitarbeiter erhöhte sich von 1980 bis 2012 um das Neunfache.

Das BIP seit 1960 im Überblick:

  • 1960: 59 Milliarden US-Dollar
  • 1968: 70 Milliarden US-Dollar
  • 1976: 153 Milliarden US-Dollar
  • 1980: 305 Milliarden US-Dollar
  • 1984: 316 Milliarden US-Dollar
  • 1988: 411 Milliarden US-Dollar
  • 1996: 867 Milliarden US-Dollar
  • 2000: 1,215 Billionen US-Dollar
  • 2010: 6,066 Billionen US-Dollar
  • 2016: 11,218 Billionen US-Dollar
  • 2020: 15,42 Billionen US-Dollar

China: Entwicklung des Außenhandels

Der wichtigste Artikel für den Export durch China sind Mobiltelefone, gefolgt von Datenverarbeitungsmaschinen und Einzelteilen von Telefonen sowie kabellosen Empfangsgeräten. Chinas Im- und Exporte machten im Jahr 2020 einen Wert von 586 Milliarden Euro aus. Dabei hat China mit den meisten Industriestaaten einen Handelsüberschuss.

Die USA sind der größte Handelspartner Chinas, gefolgt von der Europäischen Union und Japan. Innerhalb der EU ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Chinas. Deutschland importiert nicht nur aus China, sondern führt auch viele Produkte seiner mittelständischen Industrie nach China aus, darunter viele Maschinenteile und Maschinen.

Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern zählen folgende:

  • Elektronik
  • Maschinen
  • Textilien
  • Einrichtungsgegenstände
  • Kunststoffprodukte

Diese Ausfuhrgüter nehmen die höchsten Anteile ein:

  • Elektronik
  • Rohstoffe
  • Erdöl
  • Maschinen
  • Elektrotechnik

China: Auswirkungen der Corona-Krise 2020 auf die Wirtschaft

Chinas Wirtschaft erholte sich nach Ausbruch und Eindämmung der Corona-Pandemie überraschend schnell. Zunächst brach die Wirtschaft zwar ein. Sie konnte sich aufgrund aufgrund strikter Bekämpfungsmaßnahmen gegen das Virus jedoch schnell erholen. Während der Euro-Raum das Jahr 2020 mit einem Rekordminus abschloss – das BIP schrumpfte im Jahresvergleich um 6,8 Prozent –, verbuchte China ein Wirtschaftswachstum von immerhin 2,3 Prozent. Die Konjunktur belebte sich 2020 vor allem im letzten Quartal. So konnte das Land die Einbrüche vom Jahresanfang auffangen. Im vierten Quartal verbuchte China ein Wachstum von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

China: Ausblick auf die weitere Wirtschaftsentwicklung

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert China für das Jahr 2021 weiteres Wirtschaftswachstum. Dieses könne bei bis zu acht Prozent liegen. Ein Grund dafür könnte abermals Corona sein: Der Exportweltmeister produziert zahlreiche Waren, die in der Pandemie gefragt sind. Dazu zählen einerseits Medizinprodukte, insbesondere Schutzmasken, andererseits stieg durch vermehrtes Homeoffice die Nachfrage in der Welt nach Notebooks und Bildschirmen.

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