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Erfolge, die manchen Beobachtern Sorgen bereiten: An Chinas Börsen droht das Platzen einer Kursblase.

Chinas Börsen droht der Kurskollaps

Peking - Konzerne aus China zählen an der Börse zu den teuersten Unternehmen der Welt. Doch das könnte sich bald ändern. Es droht das Platzen einer Kursblase.

Das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt kommt aus China. Mit einem Börsenwert von 256,2 Milliarden Euro nimmt Petrochina den Topplatz ein, wie aus einer Rangliste des „Handelsblatts“ hervorgeht. Und der Mineralölkonzern ist nicht der einzige Vertreter seines Landes unter den zehn wertvollsten Firmen. Auch China Mobile ist dabei. Doch dieser vermeintliche Erfolg bereitet manchem Beobachter Sorgen. „Die Konzerne kosten an der Börse inzwischen mehr, als sie an Jahresumsatz erwirtschaften. Solch eine Schieflage gab es zuletzt auf dem Höhepunkt der Technologieblase vor zehn Jahren“, schreibt das „Handelsblatt“. So ist Petrochina gemessen am Umsatz nur die Nummer 12. China Mobile, das an der Börse aktuell 143,1 Milliarden Euro kostet und damit auf Rang 4 der wertvollsten Unternehmen liegt, schaffte es nicht einmal in die Top 50 der umsatzstärksten Firmen.

Bis Anfang August hatten Chinas Börsen in diesem Jahr um mehr als 80 Prozent zugelegt – ein Lichtblick in der düsteren globalen Wirtschaftskrise. Allerdings war nicht etwa Vertrauen in die chinesische Wirtschaft der Hauptmotor, sondern die massive Ausweitung der Kreditvergabe, also Liquidität und Spekulation. Zusätzlich zu dem vier Billionen Yuan (400 Milliarden Euro) umfassenden staatlichen Konjunkturprogramm haben Chinas Banken unter politischem Druck in den ersten sieben Monaten weitere 7,73 Billionen Yuan, umgerechnet 792 Milliarden Euro, an Krediten vergeben. Das Geld sprudelte nur so, um die durch drastische Exportrückgänge angeschlagene Wirtschaft zu stützen. Ein Teil floss gleichwohl in die Aktien- und Immobilienmärkte und bescherte ihnen einen unerwarteten Boom, der in der Krise seinesgleichen sucht.

Jetzt droht die Blase zu platzen. Viele Anleger realisieren, dass langfristig nicht mehr so viel Geld in die Wirtschaft gepumpt wird. Die Vergabe neuer Kredite fiel im Juli von 1,53 Billionen Yuan im Vormonat auf nur noch 355 Milliarden. Amtliche Medien berichteten gestern, dass im August statt der erwarteten 400 Milliarden nur noch weniger als 300 Milliarden Yuan an neuen Krediten vergeben werden. Eine weitere schlechte Nachricht: Die Gewinne der in Schanghai gelisteten Unternehmen sind in der ersten Jahreshälfte um 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen. Überschüssige Kapazitäten fressen den Profit auf – ein weiteres Indiz dafür, dass der Hahn zugedreht werden dürfte, nachdem das Konjunkturprogramm die Anlageinvestitionen drastisch ausgeweitet hatte.

Spekulanten und Analysten schienen sich lange einig, dass die Regierung die Märkte in Schanghai und Shenzhen nicht einfach abstürzen lassen würde. Denn neben Liquidität gibt es noch einen zweiten wichtigen Faktor in Chinas Wertpapierhandel: Staatliche Intervention, also wie die obersten wirtschaftlichen Lenkungsbehörden den Markt beeinflussen oder zumindest wie ihre Intention interpretiert wird. So wird seit Wochen davon ausgegangen, dass die Party nicht vorbei ist, weil die Volksrepublik in einem Monat mit viel Pomp ihren 60. Gründungstag feiern will. Ein Platzen der Aktienblase würde die großartige Geburtstagsfeier am 1. Oktober verderben. So glaubten viele Analysten bisher, dass Peking erst danach langsam die Luft aus den Märkten nehmen würde.

Doch wächst die Nervosität, ob diese Rechnung auch aufgeht. Nachdem die Kurse seit dem 4. August 23 Prozent verloren haben, warten Investoren auf deutlichere Signale als bisher aus Peking, dass der Markt gestützt werden soll. Viele Anleger wollen jetzt auch lieber ihre Gewinne mitnehmen. Die allgemeine Unsicherheit wird noch verstärkt, indem immer neue Aktienemissionen angekündigt werden. Angelockt vom Aktienboom haben seit Ende Juni mehr als 100 Unternehmen angekündigt, neue Anteile für insgesamt 277 Milliarden Yuan (28 Milliarden Euro) ausgeben zu wollen, errechneten Analysten. Wo so viele Akteure mitverdienen wollen, fürchten Anleger aber zwangsläufig um den Wert ihrer Papiere.

ap/dpa

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