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Ein Börsenhändler beobachtet in Hongkong die Entwicklung der Aktienkurse. Foto: Alex Hofford / Symbolbild

Chinas Börsen fahren Achterbahn

Seit der weltweiten Finanzkrise 2008 hat Chinas Regierung nicht mehr so energisch in den Aktienmarkt eingegriffen, um einen Börsenkrach zu verhindern. Können die Börsen auch langfristig stabilisiert werden?

Shanghai (dpa) - Die Achterbahnfahrt auf den chinesischen Aktienmärkten geht weiter. Trotz staatlicher Intervention und massiver Stützungskäufe schlossen die Börsen nur gemischt.

Allein der Shanghai Composite Index konnte mit 3775,91 Punkten um 2,41 Prozent im Plus schließen. Doch der Shenzhen Component Index verlor 1,39 Prozent auf 12 075,77 Punkte und der dem Nasdaq ähnliche ChiNext Index fiel sogar um 4,28 Prozent auf 2493,83 Punkte.

Der schwache Abschluss erfolgte nach einem steilen Anstieg zum Handelsauftakt um sogar mehr als 7 Prozent, der aber nur sehr kurzlebig war. Während die Krise in Griechenland auf den weitgehend abgeschotteten chinesischen Aktienmärkten keine Rolle spielt, beendete in Hongkong der Hang Seng Index vor dem Hintergrund des griechischen Referendums und der Aktienkrise in Festlandchina die Morgensitzung deutlich niedriger um 3,18 Prozent im Minus.

Mit einem energischen Eingreifen hatte die Regierung in Peking über das Wochenende versucht, Vertrauen wiederherzustellen und einen weiteren Kursrutsch zu verhindern. Die Börsen waren in den drei Wochen zuvor um rund 30 Prozent in den Keller gesackt. Umgerechnet 350 bis 400 Milliarden Euro an Wert gingen dadurch verloren.

Seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise 2008 habe die Regierung nicht mehr so weit eingegriffen, um einen freien Fall zu verhindern, schrieben Staatsmedien auch mit Blick auf die Zinssenkung vor einer Woche, die allerdings auch schon wenig gebracht hatte. Die kommunistische Führung fürchtet die politischen und sozialen Auswirkungen eines Börsenkrachs.

"Zu wilde Fluktuationen sind sowohl unberechtigt als auch ungewollt, weil sie kleinere Investoren schädigen und Panik oder andere Komplikationen auslösen können, die die Lage der Realwirtschaft beeinträchtigen", hieß es in einem Kommentar der Zeitung "China Daily". Die Intervention sei "notwendig", müsse aber vorübergehend bleiben. Die "Mini-Krise" am Aktienmarkt bedeute kein Versagen des gesamten Systems oder der chinesischen Wirtschaft, beteuerte das Blatt.

Das Kabinett war am Wochenende unter Leitung von Premier Li Keqiang zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Neue Börsengänge wurden vorerst ausgesetzt und die Liquidität stark ausgeweitet. Die großen Wertpapierhäuser versprachen, mindestens 120 Milliarden Yuan, umgerechnet 17,5 Milliarden Euro, für langfristige Aktienkäufe auszugeben, um den Markt zu stabilisieren. Auch kündigte die Zentralbank an, den Wertpapierhändlern beim Aktienkauf auf Pump massiv unter die Arme greifen zu wollen.

"Wir müssen sehen, ob die Intervention die Zahlen stabil halten, das Vertrauen in den Markt wahren und einen Börsenkrach verhindern kann", sagte die unabhängige Wirtschaftskommentatorin Ye Tan der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wissen es noch nicht, auch weil einige der Maßnahmen noch nicht bekanntgemacht wurden."

Hintergrund des Kursrutsches ist der spekulative Boom an den chinesischen Börsen, der auch durch sogenanntes Margin-Trading - auf Kredit finanzierte Aktienkäufe - angeheizt wurden. Da sich gleichzeitig das Wirtschaftswachstum verlangsamt, hatten Experten schon lange vor dem Platzen der Blase gewarnt.

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