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Münchner eröffnen eine Art chinesische BMW-Welt – und Shanghai sperrt Luftraum.

Autoindustrie

Chinas neue Reiche lieben deutschen Luxus

Peking - Immer mehr Chinesen lieben Luxus und können ihn sich leisten. Deshalb zählen deutsche Nobelautos zu den begehrten Statussymbolen im Land. Für den bayerischen Autobauer BMW ist China der wichtigste Markt für Luxusprodukte.

Noch vor zehn Jahren stand jeder zehnte Kran, den es auf der Welt gab, auf einer gigantischen Baustelle im Osten von Shanghai. Hier wuchs das Hochhausviertel Pudong heran. Es ist mit seinen Hightech-Bauten inzwischen das bekannteste Postkartenmotiv des modernen China. Als Karsten Engel zehn Jahre vorher zum ersten Mal in Shanghai war, hatte es dort nur Bauernhöfe und Reisfelder gegeben. Engel leitete damals die ostasiatischen BMW-Geschäfte. Von 1994 bis 2002 erst in Singapur, dann in Korea, schließlich in Thailand. Er hat die stürmische Entwicklung in Ostasien hautnah miterlebt. Seit Januar ist Karsten Engel, in den letzten vier Jahren Vertriebschef des Konzerns in Deutschland, Präsident von BMW China.

Anfang dieser Woche war Engel wieder in Pudong. Da wurde für BMW sogar der Luftraum über Shanghai für einige Stunden gesperrt, als dort, wo einst nur Reis blühte, gigantische Scheinwerfer ein Lichtfeuerwerk entzündeten, das einen Kilometer hoch in den Himmel reichte. Auf einem zentralen Platz der Wolkenkratzerstadt eröffnete der Konzern eine Art chinesische BMW-Welt.

China hat im ersten Quartal 2013 als wichtigster Markt für die weiß-blaue Marke Deutschland und die USA hinter sich gelassen. Doch die Potenziale sind längst nicht ausgeschöpft. Denn nur einen kleinen Teil des riesigen Landes hat BMW bereits erschlossen. Zunächst konzentrierte sich der Konzern auf die Boom-Regionen im Osten. Ganz andere Wachstums-chancen sieht Engel in den bisher vernachlässigten Gegenden vor allem im Westen. Er besucht jetzt Städte, deren Namen er sich erst einmal einprägen muss, weil sie außerhalb Chinas kaum jemand kennt. Sie haben zwei oder sogar fünf Millionen Einwohner, doch keinen Händler, bei dem man einen Mercedes, Audi oder BMW ordern kann. Über 100 dieser Städte gibt es in China. Viel zu tun.

Dagegen ist im Großraum Shanghai ein BMW im Straßenbild keine Besonderheit. Diese Region steht allein für die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts Chinas. Sie ist so groß wie ganz Deutschland, beherbergt 217 Millionen Menschen (allein in der Stadt Shanghai über 20 Millionen) und davon mindestens 180 000 Reiche. Als reich gelten in China Familien mit einem Vermögen von umgerechnet wenigstens mehreren Millionen Euro. Internet-Unternehmer gehören dazu, hochbezahlte Manager, erfolgreiche Kaufleute und inzwischen auch die Nachkommen der ersten chinesischen Unternehmer-Generation aus den 1980er-Jahren. Wer hier auffallen will, muss schon etwas tun. Das schafft neue Märkte.

Das Rolls-Royce-Coupé Wraith wird zuerst hier auf den Markt gebracht. Das gilt als Wagnis. Ausgerechnet in einem Land, für das alle Autobauer ihre Mittelklassefahrzeuge extra verlängern, damit sie sich für den Betrieb mit Chauffeur eignen, bringt der Münchner Konzern nun ein Auto auf den Markt, in dem der Besitzer selbst ans Steuer muss. Vor wenigen Jahren hätte sich kein Autobauer das in China getraut. Henrik Wilhelmsmeyer, Rolls-Royce-Chef in China, glaubt, dass das Wagnis glückt. „Die Erfolgreichen hier zeigen gern, was sie haben“, sagt er. „Und sie entdecken das Autofahren als Vergnügen“. Dafür müssen sie noch mehr Geld ausgeben als andere. In China kostet der Wraith, der in Europa mit 280 000 Euro schon ein sehr exklusives Vergnügen ist, wegen der Luxussteuer fünf Millionen Yuan. Das sind über 600 000 Euro. Doch in Shanghai gibt es nicht nur Käufer für BMW, sondern auch junge, gut ausgebildete, ehrgeizige Fachkräfte.

Jenny – so nennt sich die junge Chinesin – gehört dazu: Sie ist eine der jungen Software-Experten, die im Innovation-Center des Münchner Konzerns in Shanghai an Apps fürs Auto arbeiten. Da gibt es Funktionen, die in Deutschland keiner kennt, die viele Chinesen aber einfach haben wollen. Etwa eine Musik-App, die den Stil der gespielten Stücke mit der Fahrweise ändert.

Oder ein Programm, mit dem man sich vom Auto aus mit anderen fürs Kino verabredet, sich die Kritiken hochlädt und auch gleich die Karten kauft. Gerade bei Anwendungen für Smartphones kommt man an China gar nicht mehr vorbei. In diesem Bereich hat das Land inzwischen auch die USA überholt, sagt Alexis Trolin, Leiter eines der BMW-Labors in Shanghai.

Noch landet, was in Shanghai entwickelt wird, nur in chinesischen BMWs und Minis. Doch inzwischen entwickeln die BMW-Mitarbeiter in Shanghai auch Anwendungen, die weltweit und damit auch in Deutschland zum Einsatz kommen. Zum Beispiel die Netzwerk-Anbindungen, die ab der nächsten Generation des 7er eingeführt werden. Mit ihnen können Autos untereinander Informationen etwa über die Verkehrslage austauschen.

Von Martin Prem

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