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Container werden im Hafen in Shanghai verladen. Foto: Ole Spata/Illustration

Chinas Wachstum rutscht unter Sieben-Prozent-Schwelle

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im vergangenen Quartal nur noch um 6,9 Prozent gewachsen. Für Peking wird es nun schwerer, das selbst gesteckte Ziel bis zum Ende des Jahres zu erreichen.

Peking (dpa) - Die chinesische Wirtschaft ist im dritten Quartal so langsam gewachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes legte in den vergangenen drei Monaten nur noch um 6,9 Prozent zu, wie das Statistikamt in Peking am Montag mitteilte.

Dass die Wachstumsrate erstmals seit 2009 unter die Schwelle von sieben Prozent fallen würde, hatte sich bereits in den vorigen Wochen angekündigt. Peking hatte zuletzt mehrfach düstere Konjunkturdaten vorgelegt.

Allein im September war der gesamte Außenhandel um 8,8 Prozent eingebrochen. Die Importe sanken sogar um 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - ein Zeichen, dass die Geschäfte auch für deutsche Unternehmen in China nicht mehr so gut laufen.

Das Wachstum dürfte im dritten Quartal auch einen zusätzlichen Dämpfer erlitten haben, weil viele Fabriken wegen einer großen Militärparade in Peking und der Leichtathletik-Weltmeisterschaft für mehrere Wochen schließen oder den Betrieb herunterfahren mussten, um die Luftqualität zu verbessern.

Zunehmend schwierig wird es für Peking nun, bis zum Jahresende das angestrebte Wachstumsziel von "rund sieben Prozent" zu halten. Im Vorquartal hatte das gesamtwirtschaftliche Wachstum noch genau bei dieser Marke gelegen. Allerdings rechnen Analysten damit, dass Chinas BIP im letzten Quartal des Jahres wieder leicht anziehen könnte, weil die Regierung Konjunkturhilfen beschlossen hat, die erst dann ihre Wirkung entfalten dürften.

"Ob nun das Wachstum bei 7 Prozent oder 6,9 Prozent liegt, ist nicht von Bedeutung", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. "Von Relevanz ist, dass die chinesische Wirtschaft im laufenden Jahr die bereits vielerorts ausgerufene harte Landung umgehen kann." Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft um 7,4 Prozent gewachsen - so gering wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Auch Deutsche-Post-Chef Frank Appel hält Sorgen um die chinesische Wirtschaft für übertrieben. "Auch wenn Wachstumsraten deutlich über sieben Prozent vermutlich der Vergangenheit angehören dürften, so sind auch in Zukunft Steigerungen um sechs Prozent absolut realistisch", schrieb er in einem Beitrag für das Online-Portal "Klartext" des Karrierenetzwerks Xing. China befinde sich damit nach wie vor auf einem gesunden Wachstumspfad.

Die Wirtschaft der Volksrepublik ist derzeit im größten Umbau seit Jahrzehnten. Wegen steigender Lohnkosten, einer alternden Gesellschaft und günstigerer Konkurrenz aus Staaten in Südostasien und Afrika funktioniert das alte Geschäftsmodell "als Werkbank der Welt" nicht mehr so gut wie früher.

Chinas Regierung will deshalb erreichen, dass die Unternehmen des Landes innovativer werden. Mit hochwertiger Technologie sollen sie großen Konzernen in westlichen Industrieländern auf den Weltmärkten Konkurrenz machen. Zudem sollen der Dienstleistungssektor und der Binnenkonsum gestärkt werden.

Welche Ziele sich Peking genau für die Zukunft seiner Wirtschaft setzt, dürfte bald klarer werden. Im Laufe des Monats werden führende Vertreter der Kommunistischen Partei in Peking zusammenkommen, um über den neuen Fünfjahresplan zu entscheiden. Das neue Wachstumsmodell dürfte dabei ein Kernelement sein. Auch strengere Ziele für den Umweltschutz dürften nach Ansicht von Beobachtern beschlossen werden.

Beitrag von Post-Chef Frank Appel

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