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Containerumschlag im Hafen von Shanghai: Die jüngsten Wachstumszahlen deuten auf eine Stabilisierung der zuletzt ins Stocken geratenen chinesischen Wirtschaft hin. Foto: Ole Spata/Archiv

Zweitgrößte Volkswirtschaft

Chinas Wirtschaft wächst im dritten Quartal um 6,7 Prozent

Das robuste Wachstum deutet auf eine Stabilisierung der zweitgrößten Volkswirtschaft hin. Experten warnen jedoch: Das Wachstumsniveau wird künstlich hoch gehalten. Peking betreibe "ein Spiel mit dem Feuer".

Peking (dpa) - Ein boomender Häusermarkt und viele vergebene Kredite haben China im abgelaufenen Quartal ein stabiles Wachstum beschert. Chinas Wirtschaft wuchs zwischen Juli und September um 6,7 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres. 

Das berichtete das Pekinger Statistikamt. Das Wachstum fiel damit genauso hoch aus wie in den ersten beiden Quartalen des Jahres und traf genau die Erwartungen von Analysten.

Die robust ausgefallenen Zahlen deuten zwar auf eine Stabilisierung der zuletzt ins Stocken geratenen zweitgrößten Volkswirtschaft hin. Ökonomen warnten jedoch, das derzeitige Wachstum sei wenig nachhaltig. "Die Entwicklung ist nach wie vor nicht gesund", sagte der Pekinger Ökonom Hu Xingdou. "Die Regierung will ihr Wachstumsziel erreichen und nimmt deshalb qualitativ schlechtes Wachstum in Kauf."  

Chinas Kreditwachstum sei zuletzt "sehr schnell" gewachsen, warnte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vergangene Woche in einem Arbeitspapier. Ohne eine Strategie zum Schuldenabbau drohe eine Bankenkrise, langsameres Wachstum oder beides. 

Nach Zahlen der chinesischen Zentralbank weitete sich die Summe neu vergebener Kredite allein im September um 1,2 Billionen Yuan (rund 160 Milliarden Euro) aus. Vor allem Immobiliendarlehen machten einen kräftigen Sprung um umgerechnet 64 Milliarden Euro im September. Es wurden auch mehr Kredite an Unternehmen vergeben.

"Die Menschen fürchten weitere wirtschaftliche Probleme und eine Abwertung der Währung. Deshalb läuft der Häusermarkt heiß", sagt der Ökonom Chen Donglin. Für die Regierung sei das ein "Dilemma".

Einerseits trägt der Immobiliensektor rund 15 Prozent zum Wirtschaftswachstum bei und hilft so, das Wachstumsziel von 6,5 bis 7 Prozent für dieses Jahr zu erreichen. Andererseits hätte eine platzende Immobilienblase gravierende Folgen für China. Peking hat deshalb mit neuen Kaufrestriktionen begonnen, den Markt in den Großstädten des Landes abzukühlen. 

Sollten die Häuserpreise nun zurückgehen, dürfte das laut Chen Donglin aber auch dazu führen, dass die Wirtschaft im vierten Quartal und im kommenden Jahr langsamer wachsen wird. 

"Kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen schaffen kein nachhaltiges Wachstum und verhindern, dass der schmerzhafte Reformprozess ernsthaft in Gang kommt", sagt auch Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. Neue Wachstumstreiber wie etwa im Dienstleistungssektor seien weiter zu schwach. "Es wird zunehmend ein Spiel mit dem Feuer, das Wachstumsniveau künstlich hoch zu halten."

Nach einer Stabilisierung im Frühjahr sorgte zuletzt eine Reihe schwächerer Daten erneut für Ernüchterung in Chinas Wirtschaft. Besonders der Außenhandel der zweitgrößten Volkswirtschaft hat sich zuletzt schwach entwickelt. In US-Dollar gerechnet waren die Exporte im September um 10 Prozent eingebrochen.

Chinas Wirtschaft, die lange von einem gewaltigen Heer an günstigen Arbeitern profitierte und so zur verlängerten Werkbank der Welt wurde, war im vergangenen Jahr mit 6,9 Prozent so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr gewachsen. Obwohl es auch Zweifel gibt, wie realistisch die offiziellen Zahlen sind, erhoffen sich Experten von den Angaben stets neue Erkenntnisse über den Zustand der chinesischen Wirtschaft.

Die Regierung strebt ein Wachstumsmodell an, das weniger abhängig von billigen Exporten ist und auf mehr Innovation und einem stärkeren Binnenkonsum basiert. 

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