Chinas Wirtschaft wächst ungebremst

- Peking - Chinas Wirtschaft ist im Frühjahr dank gestiegener Exporte und Investitionen so schnell gewachsen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich zwischen April und Juni mit einer Jahresrate von 11,3 Prozent.

Das teilte das nationale Statistikbüro (NBS) in Peking mit. Im ersten Quartal war die Wirtschaft um 10,3 Prozent gewachsen. Das Wachstum sei viel stärker als erwartet, sagten Analysten von Lehman Brothers. Im Schnitt sei am Markt mit 10,4 Prozent gerechnet worden.

Der Handelsüberschuss erreichte im zweiten Quartal einen neuen Rekord von 38 Milliarden US-Dollar (rund 30,2 Mrd Euro). Im Vorjahr lag er bei 23 Milliarden US-Dollar. Die Sachinvestitionen erhöhten sich in den Monaten Januar bis Juni um 29,8 Prozent, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte der Zuwachs bei 25,4 Prozent gelegen. Der Konsum legte im zweiten Quartal gemessen an den Einzelhandelsumsätzen im Vergleich zum Vorjahr um 13,9 Prozent zu. In den Monaten Januar bis März lag er bei 12,8 Prozent.

Das Wirtschaftswachstum hat in Chinas Städten Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen. "Im ersten Halbjahr seien sechs Millionen neue Jobs entstanden", sagte ein NBS-Sprecher. Bis zur Jahresmitte seien bereits 60 Prozent der neuen Arbeitsplätze entstanden, die die Regierung für das gesamte Jahr anstrebe.

Ökonomen rechnen für das kommende Quartal mit einer Verlangsamung des Wachstums. "Wir glauben fest, dass das zweite Quartal der Höhepunkt für Chinas Wachstum in diesem Jahr war", sagten Analysten von Lehman Brothers.

China sieht sich im internationalen Vergleich auf Platz vier der größten Volkswirtschaften. Umgerechnet auf die 1,3 Milliarden Chinesen liegt die Volksrepublik aber beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im weltweiten Vergleich auf hinteren Plätzen. Erst seit 2003 liegt die Wirtschaftsleistung in China pro Kopf über der 1000-US- Dollar-Marke.

China trägt zwar derzeit lediglich vier Prozent zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei (Stand 2004), benötigt aber bereits 12 Prozent des globalen Energieverbrauchs - bei Stahl liegt der Anteil bei 28 und bei Zement sogar bei 50 Prozent.

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