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Neubauten in Hongkong: Der chinesische Bausektor boomt dank sprudelnder Kredite. Foto: Alex Hofford

Alte Rezepte für mehr Wachstum

Chinas Wirtschaft zieht an - aber Sorgen wegen Trump

Die zweitgrößte Volkswirtschaft hat im abgelaufenen Jahr wieder Fahrt aufgenommen. Doch hohe Schulden und ein drohender Handelsstreit mit den USA drücken auf die Stimmung.

Peking (dpa) - Chinas Wirtschaft hat im abgelaufenen Jahr Stärke gezeigt: Wie das Pekinger Statistikamt heute mitteilte, wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft 2017 im Jahresvergleich um 6,9 Prozent, womit das Wachstum erstmals seit 2010 wieder anzog.

Mit einem Wachstum von 6,8 Prozent im vierten Quartal verlor die Wirtschaft zwar zum Ende des Jahres etwas Schwung. Das Jahresergebnis liegt dennoch sowohl über den Erwartungen von Analysten als auch über der offiziellen Regierungsvorgabe, die für 2017 mit 6,5 Prozent angegeben wurde. 

Beobachter bewerteten den Aufschwung jedoch mit gemischten Gefühlen. Es seien vor allem alte Rezepte, die Peking das kräftigte Wachstum bescheren: Der zuvor schwächelnde Außenhandel zog im vergangenen Jahr wieder an und auch der Bausektor boomt dank sprudelnder Kredite. Wichtige Reformen würden aber nach wie vor zugunsten stabiler Wachstumszahlen auf die lange Bank geschoben.

"Das größte Problem bleiben die Schulden", sagte der Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou der Deutschen Presse-Agentur. Auch der Internationale Währungsfonds hatte zuletzt gewarnt, dass Chinas anhaltend starkes Wachstum durch neue Schulden erkauft sei. So lasse der Staat zum Wohle der "sozialen Stabilität" noch immer zu, dass unrentable Firmen künstlich mit Krediten am Leben gehalten werden,"statt sie pleite gehen zu lassen". 

Für Peking gebe es weiterhin viel zu tun, schrieb Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. "Der private Konsum muss zukünftig eine bedeutendere Rolle in der Wachstumskomposition einnehmen." Die Wachstumsraten würden in den kommenden Jahren sukzessive zurückgehen. "Dies ist allerdings kein Beinbruch sondern vielmehr Anzeichen einer Gesundung", so Gitzel​. 

Ein pessimistischeres Bild zeichneten Max Zenglein und Maximilian Kärnfelt vom China-Institut Merics in Berlin, die bestenfalls an einen "​schrittweisen" Kurswechsel glaubten. 

"Zur Enttäuschung derer, die eine radikale Politikänderung fordern, wird China 2018 einen stetigen wirtschaftspolitischen Kurs einschlagen", so die China-Experten. Nur drei Jahre vor dem 100. Geburtstag der Kommunistische Partei sei die Führung nicht bereit, mit schwachen Wachstumsraten die Stimmung zu trüben. Folgen könnte dann ein "großer Kater" danach. 

Für neue Unsicherheit dürfte laut Beobachtern der schwelende Handelsstreit mit den USA sorgen. US-Präsident Donald Trump ist das große Handelsdefizit mit China ein Dorn im Auge, das sich trotz Warnungen aus Washington im abgelaufenen Jahr um weitere neun Prozent auf knapp 278 Milliarden US-Dollar vergrößert hat. 

In einem Telefonat mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping sprach Trump laut Angaben des Weißen Hauses in dieser Woche von einer "unhaltbaren" Situation. Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass die US-Regierung womöglich noch im Januar die Gangart verschärfen und massive Zollschranken für China hochfahren werde. Dies wiederum dürfte Gegenmaßnahmen aus Peking zur Folge haben.

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