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Webasto eröffnet neues Werk

„Chinesen lieben Schiebedächer“

Shanghai/Chongqing – In Europa und den USA kämpft die Automobilindustrie mit Absatzproblemen. Das Wachstum liegt in Asien – vor allem in China. Hier macht auch der Automobilzulieferer Webasto aus Stockdorf gute Geschäfte und will weiter wachsen.

„Nüsche men, djenscheng men, zuaschang how.“ Übersetzt: „Sehr geehrte Damen und Herren, Guten Morgen.“ Die Begrüßung auf Chinesisch hat Holger Engelmann lange geübt. In der Millionenstadt Chongqing im Westen Chinas eröffnet der Vorstandsvorsitzende von Webasto das achte Werk in China. Lange wurde ein passender Termin für die Eröffnungszeremonie gesucht. Schließlich fiel die Entscheidung auf den 8. November. Denn die Acht steht in China für Wohlstand. Zusätzlich soll Trommelwirbel die bösen Geister vertreiben, ein traditioneller Drachentanz für Glück, Harmonie und Frieden sorgen. In Chongqing werden bald 700 000 Schiebe- und Panoramadächer pro Jahr produziert. Es ist dann eines der größten Webasto-Werke weltweit.

Webasto beliefert die Automobilindustrie in China mit Schiebe- und Panoramadächern. Webastos Marktanteil liegt im Reich der Mitte wie auch weltweit bei über 50 Prozent. Kunden sind alle namhaften Automobilhersteller aus Europa, den USA, Japan und Südkorea sowie deren chinesische Joint-Venture-Partner. Ausländische Automobilhersteller sind gezwungen, Partnerschaften mit chinesischen Firmen einzugehen – eine Vorgabe der Regierung. Für Zulieferer wie Webasto gilt das nicht. Webasto China ist eine 100-prozentige Tochter der Webasto SE mit Sitz in Stockdorf bei München.

Zwölf Jahre sind vergangen, seit Webasto den Schritt nach China wagte. Die Stockdorfer waren bereits seit den 1970er-Jahren in den USA und Japan aktiv. „Wir folgen unseren Kunden“, sagt Engelmann, der seit Januar 2013 Vorstandsvorsitzender bei Webasto ist. Anfang des neuen Jahrtausends gründeten die Automobilhersteller Standorte in China. Webasto zog mit. Im Jahr 2001 startete in Shanghai die erste Serienproduktion für Schiebedächer. 2004 kam zur Produktion in Shanghai ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum. Noch heute befindet sich hier der Hauptsitz von Webasto China – mit über 700 Mitarbeitern.

Drei Uhren hängen im Foyer der China-Zentrale: Shanghai, Stockdorf, Detroit (Hauptsitz in den USA). An allen Standorten gelten die gleichen Standards, die Mitarbeiter tragen sogar rund um den Globus die gleichen grauen T-Shirts. Im Showroom sind klassische Schiebedächer, gläserne Panoramadächer und Dächer mit Solarmodulen ausgestellt. Cabriodächer und Standheizungen, zwei weitere Produktbereiche von Webasto, spielen in China kaum eine Rolle. Das Geschäft mit Schiebedächern läuft dafür umso besser.

In den vergangenen Jahren gründete Webasto China nach Shanghai sieben weitere Standorte von Changchun im Norden bis Guangzhou im Süden – immer möglichst nah beim Kunden. So werden von Shanghai aus etwa die dort ansässigen Automobilhersteller General Motors, VW und die PSA-Gruppe beliefert. Im neuen Werk in Chongqing fertigt Webasto unter anderem für Ford und Volvo. Die Zahl der Beschäftigten stieg mit den Jahren auf 2000 – ein Fünftel der weltweiten Belegschaft. 2012 produzierte Webasto in China 3,5 Millionen Schiebe- und Panoramadächer. „China ist unser wichtigster Einzelmarkt“, sagt Engelmann.

Das zeigen auch die Umsatzzahlen. Weltweit erwirtschaftete Webasto im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Euro Umsatz – 500 Millionen davon in China. Und China wird weiter wachsen. Da ist sich Engelmann sicher. Wurden 2012 in China 13,3 Millionen Autos produziert, prognostizieren die Analysten von IHS in diesem Jahr 16,8 Millionen, 2016 sogar über 20 Millionen. Die Kurve zeigt steil nach oben – und mit dem Pkw-Absatz wächst der Absatzmarkt für Webasto.

China bietet den Bayern beste Bedingungen. „Die Chinesen lieben Schiebedächer“, sagt Engelmann. „Beinahe jedes zweite Auto hat ein Schiebedach. Das ist die höchste Ausstattungsquote weltweit.“ Das Auto gilt im Reich der Mitte als Prestigeobjekt – gerne mit Sonderausstattung. Entsprechend ambitioniert sind die Zukunftspläne von Webasto in China. 2014 sollen zwei weitere Standorte eröffnet werden. Bis 2018 soll der Umsatz auf eine Milliarde Euro steigen. Pro Jahr sollen fünf Millionen Schiebe- und Panoramadächer in China produziert werden. Die Zahl der Beschäftigten dürfte in den nächsten fünf Jahren auf 2500 steigen.

Begünstigt wird das Wachstum auch durch vergleichsweise niedrige Löhne. Auch wenn sich die Gehälter von Managern in China dem Niveau in Europa mittlerweile angeglichen haben, sind die Kosten in der Produktion weitaus niedriger. „Die Löhne liegen hier etwa bei einem Fünftel“, sagt Freddy Geeraerds, Chef von Webasto China. Allerdings müsse man in China jährlich mit einer Lohnsteigerung von acht bis zehn Prozent rechnen. „Irgendwann wird sich China wie die USA und Europa entwickeln“, glaubt auch Engelmann. Bis dahin kennt das Wachstum in China allerdings kein Ende.

Manuela Dollinger

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