Chinesen wollen extra-lange Audis

München - Audi sucht sein Heil im Osten. China wird für den Autobauer in nicht allzu ferner Zukunft ein wichtigerer Markt sein als Deutschland. Die Ingolstädter wollen mit extra-langen Luxusmodellen punkten.

Die East Chang An Avenue zählt zu den exklusivsten Einkaufsstraßen Pekings. Edle Boutiquen reihen sich an noble Juweliergeschäfte – Läden, die nicht viel Platz brauchen. Die Mieten sind horrend, da zählt jeder Quadratmeter. Doch Audi klotzt hier mit einem schmucken Ausstellungsraum, der etlichen Nobelkarossen Platz bietet. Viel Platz, denn mit Audis, wie man sie von deutschen Straßen kennt, geben sich die Chinesen nicht zufrieden. Sie wollen extra-lange Fahrzeuge, sagt Dietmar Voggenreiter, Präsident von Audi China.

Der Statthalter Ingolstadts in Peking erklärt der Delegation der bayerischen Staatsregierung, die schon zwei Tage vor Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angereist ist, bei Melonenspießchen und Minibaguettes seine China-Strategie. Die Giganten bauen sie direkt im Land. Der Geländewagen Q5 sowie die Limousinen A4 und A6 – jeweils in der Langversion – werden hier gefertigt. „Alle anderen“, meint Voggenreiter in gemütlichem Schwäbisch, „importieren wir“. Noch eine Nummer größer soll der verlängerte A8 werden, der vor wenigen Tagen auf der Automesse China 2010 als Weltpremiere vorgestellt wurde. Die Strategie scheint aufzugehen.

Von 2008 bis 2009 konnte Audi seinen Absatz in der Volksrepublik von 118 000 auf 160 000 Fahrzeuge steigern. Dass die VW-Tochter nach Bekunden von Voggenreiter dort die Marktführerschaft im Luxussegment innehat, liegt nicht nur an den verlängerten Limousinen, sondern am frühen Markteintritt. Getrieben von der Konzernmutter, die sich lange vor den meisten anderen in den damals noch streng durchreglementierten Markt der Kommunisten traute, waren die Ingolstädter schon sehr früh in China mit eigenen Werken präsent. „1988 lief hier der erste Audi 100 vom Band“, erzählt Voggenreiter. Die Zukunft auf dem chinesischen Markt sieht Studien zufolge rosig aus – nicht nur für Audi, sondern auch für die Konkurrenten BMW und Mercedes. Bis zum Jahr 2015 werde der chinesische Markt der weltweit größte für Luxusautos sein, prophezeite unlängst Willi Diez, Professor am Institut für Automobilwirtschaft.

Die aktuelle Entwicklung bei Audi bestätigt seine Prognose. „In den vergangenen Monaten war China der wichtigste Auslandsmarkt für uns“, sagt Finanzvorstand Axel Strotbek, der die bayerische Delegation nach Peking begleitet hat. Noch in diesem Jahr soll das Händlernetz von 150 auf 170 ausgebaut werden. Wie Diez ist auch Strotbek sicher, dass Chinas Bedeutung als Markt für seine Autos rasant zunehmen wird. „Es wird sich den deutschen Volumina annähern – oder sogar daran vorbeiziehen.“

Von Andreas Zimniok

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