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Volkswagen kämpft in China mit dem Mangel an Elektronik-Bauteilen.

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Chip-Probleme für VW in China - Besserung in Sicht

Ihre Verwundbarkeit bei Elektronik-Bauteilen können die Autobauer so leicht nicht abstellen, Volkswagen hat auch auf dem größten Markt damit zu kämpfen. Ab wann rechnet China-Chef Wöllenstein mit einer Erholung?

Wolfsburg/Peking - Die schmerzhaften Einbußen wegen fehlender Elektronik-Chips dürften den Volkswagen-Konzern auch im wichtigsten Markt China noch eine Weile beschäftigten - es soll aber bald Besserung in Sicht sein. „Das wird in den kommenden Monaten sicher ein Thema bleiben“, sagte China-Chef Stephan Wöllenstein am Freitag.

Die Engpässe seien vorerst nicht ausgestanden, durch Zwischenlagern lasse sich kaum Zeit gewinnen. „Wir haben jetzt nicht mehr in dem Umfang wie im ersten Quartal die Chance, die benötigten Fahrzeuge noch aus unseren Festlagerbeständen abzupuffern“, erklärte er. „Die Fahrzeuge gehen von den Fabriken im Prinzip direkt an den Handel.“

In der Volksrepublik dürfte sich die Lage nach Einschätzung des Managers im Laufe der zweiten Jahreshälfte etwas entspannen: „Wir gehen davon aus, dass sich die Chip-Versorgung ab dem dritten Quartal schrittweise verbessern sollte und wir die Kundennachfrage wieder besser bedienen können“, so Wöllenstein in einer Gesprächsrunde. Auch Konzernchef Herbert Diess hatte angedeutet, man werde wohl noch ein wenig brauchen, um die Probleme weltweit in den Griff zu bekommen.

Ausbleibende Lieferungen von Chip-Produzenten sind derzeit mit das größte Problem der deutschen Kernbranche. Sie kosten die Autobauer ausgerechnet jetzt Produktion, die dank der Stabilisierung nach dem Corona-Tief 2020 möglich wäre. Im Angesicht der Nachfrageflaute Mitte vorigen Jahres hatten sie große Elektronik-Bestellungen storniert.

Bei der Hauptmarke VW Pkw sanken die Auslieferungen in China nach dem starken Start ins Jahr 2021 im zweiten Quartal um 16 Prozent. „Das lag zum einen daran, dass die Vorjahresperiode schon wieder relativ stark war“, so Wöllenstein. „Aber auch die Halbleiter-Versorgung war ein Grund. Zudem kamen wir in China speziell beim Baukasten MQB unter Druck. Das machte uns im zweiten Quartal also durchaus zu schaffen.“ Die Technikplattformen bieten Vorteile bei der Standardisierung und Kostensenkung - sind aber anfällig, wenn viele Gleichteile fehlen.

VW will auf dem chinesischen Markt auch mit den vollelektrischen Modellen der ID-Reihe stärker Fuß fassen. „Der ID.6 ist jetzt gestartet“, sagte Wöllenstein zu dem SUV. „Bei den ID.4-Modellen sind wir nun im vierten Verkaufsmonat. Wir wollen im Gesamtjahr 80 000 bis 100 000 dieser Autos im Land an die Kunden bringen.“ Dabei werde die Entwicklung „sicher auch hier und da vom Thema Chips beeinflusst“.

Die Oberklasse-Töchter seien nicht so stark von Engpässen betroffen - viele Hersteller bauen die vorhandenen Chipbestände zuerst dort ein. Bei VW gebe es „insgesamt ein sehr erfreuliches, überproportionales Wachstum in Richtung der Premiummarken“, berichtete der China-Chef. „Audi und Porsche haben zuletzt jeweils historische Höchststände erreicht. Das hilft uns in der Summe im Konzern in China.“

Neue Vernetzungstechnologien sollen im weltgrößten Automarkt mehr zum Tragen kommen. Dabei müsse man einige Besonderheiten berücksichtigen, sagte Wöllenstein. „Zum Beispiel haben Autohersteller in China bei E-Fahrzeugen die Auflage, dass Daten an offizielle Server gemeldet werden können – so etwas muss dann in der Software anders nachgehalten werden.

Die Pläne für das autonome Fahren würden auf einfacheren Niveaus bald umgesetzt. „Bei Level 2 spielt sich schon heute viel in China ab“, erklärte Wöllenstein. „Beim vollautonomen Fahren auf Level 4 bis 5 wird es ein ganz anderes Spiel sein.“ Dabei sei Volkswagen auch auf Partnerschaften angewiesen: „Wir sind in Gesprächen über enge Kooperationen mit chinesischen Hightech-Firmen.“ dpa

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