Chiphändler CE: Erster Quartalsgewinn nach zehnmal roten Zahlen

- München - Frühindikatoren für die Konjunktur gibt es viele. Sie messen Stimmungen. Doch es gibt auch Unternehmen, deren Erfolg ein Indikator für die Konjunktur-Entwicklung ist. Die Münchner CE Consumer Electronics gehört dazu. Der im S-Dax notierte Chip-Händler startete nach zehn roten Quartalen mit Gewinn ins Jahr 2004.

<P>CE gehört nicht nur zur konjunktursensiblen Halbleiterbranche, das Geschäftsmodell kommt darüber hinaus erst zum Tragen, wenn Chips Mangelware sind (im Konjunkturtal herrscht daran Überfluss). Denn CE spürt rare Chips auf, die ein Kunde gerade dringend braucht, und verkauft sie diesem mit gutem Gewinn.<BR>Zwar will Vorstandsmitglied Michael Negel, den Anteil langfristiger Handelsbeziehungen stärken, um auch in der "abschwingenden Konjunktur zu verdienen". Doch nach wie vor bestimmt das "Feuerwehrgeschäft" über Gewinn und Verlust. So zeigt sich Vorstandssprecher Friedrich Rettenberger "stolz, dass wir das erste Quartal so glänzend abschließen konnten". Bei einem Umsatz von 77,9 Millionen Euro (I/2003: 69 680 Millionen Euro) blieben vor Steuern 766 000 (I/2003: -917 Mio. Euro) in den CE-Kassen und netto immerhin noch 405 000b (I/2003: -1,16 Mio) Euro. Von einem "Befreiungsschlag" spricht Rettenberger, zumal sich im zweiten Quartal eine ähnliche Entwicklung andeutet. Gleichwohl bleibt der Vorstandssprecher fürs Gesamtjahr vorsichtig. Das operative Ergebnis werde voraussichtlich positiv sein. Der Markt sei "sehr fragil". Außerdem hätten Aufschwung-Hoffnungen in den vergangenen Jahren immer getrogen. Dennoch glaubt Rettenberger, "dass die Güte des Aufschwungs besser ist als 2002/2003. Außerdem trägt CE noch schwer an den in der Krise aufgelaufenen Verlusten: 11,8 Millionen Euro an liquiden Mitteln stehen 22,1 Millionen Bankverbindlichkeiten gegenüber. "Es bleibt noch einiges zu tun", sagt Rettenberger. Sparen vor allem - auch wenn es mit dem Unternehmen wieder aufwärts geht.<BR><BR>Ein Spar-Trick funktioniert nur, weil die meisten Beschäftigten von CE in den USA angestellt sind: Hohe variable Gehaltsbestandteile. Geht der Erfolg des Unternehmens zurück, sinken auch die zu zahlenden Gehälter. "Wir haben Gehaltsreduzierungen durchgezogen", so Negel. Auch die Vorstandsbezüge waren kein Tabu: Sie sanken 2003 von 1,477 auf 1,445 Millionen Euro. Da der nur bis August 2003 amtierende Vorstandschef Peter Bohn 547 000 Euro bekam, ist mit einer weiteren Senkung 2004 zu rechnen. Auch bei Mieten und Fahrzeugkosten wurde gespart. Die Vergütung des Aufsichtsrats unter Vorsitz des Präsidenten des Bundes der Steuerzahler in Bayern, Rolf von Hohenhau stieg 2003 dagegen von 70 000 auf 131 000 Euro. Firmengründer Erich Lejeune ist dem Unternehmen seit 2. Januar 2003 nur noch als Berater verbunden. Dafür bekam er immerhin 449 000 Euro.<BR><BR></P>

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