Chipkonzern Infineon kommt nicht zur Ruhe

- München - Ein Streik hat dem gebeutelten Chipkonzern Infineon gerade noch gefehlt. Die Geschäfte laufen weiter eher schlecht, der Konzern bereitet seine Aufspaltung vor, und der Schmiergeldskandal um den zurückgetretenen Vorstand Andreas von Zitzewitz ist auch noch nicht restlos aufgeklärt.

Nun will die IG Metall an diesem Freitag verkünden, wie die Urabstimmung über einen Streik im Stammwerk München-Perlach ausgegangen ist. Die unbefristete Arbeitsniederlegung könnte noch am selben Tag beginnen.

Infineon-Chef Wolfgang Ziebart will das veraltete Münchner Werk mit 800 Beschäftigten Anfang 2007 dicht machen. Die IG Metall wiederum möchte zumindest einen Sozialtarifvertrag erzwingen, in dem unter anderem die Höhe der Abfindungen geregelt werden könnte. Zwar dürften sich die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Streiks in Grenzen halten. "Das Werk ist für das Unternehmen ohnehin schon so gut wie geschlossen", sagt Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Ein kurzzeitiger Produktionsausfall sei wohl zu verkraften.

Dennoch trifft der erwartete Streik Infineon in einer schwierigen Zeit. Zwar hat der Kooperationspartner Nanya gerade erst von gestiegenen Speicherchip-Preisen im abgelaufenen Quartal berichtet. Dies dürfte nach Einschätzung von HypoVereinsbank-Analyst Günther Hollfelder auch Infineon zu gute kommen. Dennoch erwarten die Experten, dass der Chipkonzern im Schlussquartal 2004/05 (30. September) vor Steuern und Zinsen nur einen kleinen Gewinn gemacht hat. Dies würde einen Verlust für das Gesamtjahr bedeuten.

Um sich aus der Abhängigkeit von den schwankungsanfälligen Speicherchip-Preisen zu befreien, bereitet Ziebart derzeit eine mögliche Abspaltung der DRAM-Sparte vor, die etwa 40 Prozent der Umsätze beisteuert. Vor wenigen Tagen bestätigte der Vorstandschef erstmals die Überlegungen. "Wir sind der letzte Hersteller, der Speicher- und Logikchips in einem Verbund vereinigt." Beide Sparten hätten von der Fertigung her betrachtet immer weniger miteinander zu tun. Laut Branchenkreisen soll mit Bekanntgabe der Jahreszahlen am 18. November die Entscheidung verkündet werden. Derzeit bereiten mehrere Arbeitsgruppen die Trennung vor, die dann spätestens Mitte nächsten Jahres erfolgen könnte.

Die IG Metall hofft, dass noch vor dem 18. November eine Lösung für München-Perlach verkündet wird. Von einer Aufspaltung wären deutlich mehr Mitarbeiter betroffen, dies könnte die öffentliche Aufmerksamkeit von der Werksschließung ablenken. Derzeit sind die Positionen allerdings weit auseinander. Dem Vernehmen nach will die Gewerkschaft unter anderem mindestens eine Abfindung herausschlagen, wie sie bei anderen Standortschließungen bei Infineon in der Vergangenheit schon gezahlt worden ist. Dies könnte etwa auf 0,6 Bruttomonatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit hinauslaufen. Das Infineon-Management habe bisher aber nur die Hälfte angeboten. Die IG Metall will zudem eine Qualifizierungsgesellschaft erreichen, die die betroffenen Mitarbeiter für fünf Jahre auffängt.

Mit einem langen Streik wird aber nicht gerechnet. "Wir wollen und brauchen keine Streiks. Wir wollen eine vernünftige Lösung für die Kollegen", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Dabei sei die Gewerkschaft durchaus kompromissbereit.

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