Chip-Labor: Siemens und Infineon gewinnen Zukunftspreis

- München - Krankheitserregern in Blutproben oder Umweltgifte in Flüssen, so etwas konnte bisher nur in großen Laboren und in mehreren Arbeitsschritten festgestellt werden. Fingernagelgroße Biochips können nun gezielt gesuchte Substanzen - etwa Krebs auslösende Viren oder bestimmte Hormone - finden und durch ein elektrisches Signal melden. Für seine Arbeiten zum "Labor auf dem Chip" hat ein Team vom Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) in Itzehoe gemeinsam mit Kollegen von Siemens und Infineon aus München den Deutschen Zukunftspreis erhalten.

<P>"Jedes Molekül, das in der Natur einen Partner zu seiner Erkennung hat, kann mit einem Biochip gefunden werden", erläutert Rainer Hintsche vom ISIT. Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip lassen sich gezielt Stücke von Bakterienerbgut aus Proben herausziehen. Bis zu 100 Arten verschiedener Fängermoleküle werden mit einer Art Tintenstrahldrucker punktförmig auf Goldkontakte eines herkömmlichen Siliziumchips getropft, wie er auch in Chipkarten eingebaut ist. <BR>Sobald etwa ein Eiweiß oder ein DNA-Stück ein Fängermolekül bindet, spaltet ein Enzym elektrisch leitende Teilchen ab. Es fließt ein messbarer Strom. Diese winzigen elektrischen Signale verraten den Wissenschaftlern, welche Substanzen der Biochip eingefangen hat und welche nicht.</P><P>Die Erfindung wird bereits angewendet. Drei Firmen vermarkten bereits elektrische Biochips. Diese Wegwerftests beinhalteten 10 bis 20 verschiedene Positionen mit verschiedenen Fängermolekülen. Mit ihnen können beispielsweise Penizillin in Milch oder Kolibakterien in Wasser nachgewiesen werden. Außer Keimen und Krankheitserregern suchen Biochips in der Praxis momentan auch nach verschiedenen Proteinen. Derzeit spielten auch Giftstoffe eine große Rolle, sagt Hintsche.</P><P>Siemens baut das Labor auf dem Chip in eine Scheckkarte ein. Das "quicklab" - eine Wegwerfkarte - erledige die sonst Tage dauernde Untersuchung eines Bluttropfens in einer Stunde, berichtet das Unternehmen. Ähnlich wie der Blutzuckerschnelltest für Diabetiker solle der Biochip in Zukunft Körperflüssigkeiten auf bestimmte Krankheitserreger prüfen.</P>

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