Chips billig, Stellenabbau zu teuer: Infineon verdoppelt Quartalsverlust

- München - Infineon hat seine Verluste im dritten Quartal unerwartet massiv ausgeweitet und alle Hoffnungen auf einen Gewinn im Gesamtjahr begraben. Ob die Sparte Speicherchips an die Börse kommt, soll demnächst entschieden werden.

Der Chipkonzern rutscht nach der Schmiergeldaffäre um den zurückgetretenen Vorstand Andreas von Zitzewitz mit einer Verdoppelung des Quartalsverlusts zwischen April und Juli nun auch geschäftlich immer tiefer in eine Krise. Wegen unerwartet hoher Preisverfälle bei Speicherchips und Chipkarten sowie Kosten für Stellenabbau sind die Nachsteuerverluste im vergangenen Quartal von 114 auf 240 Millionen Euro gewachsen, gab Konzernchef Wolfgang Ziebart bekannt.Bisherige Gewinnziele für das Geschäftsjahr 2004/05 müsse man aufgeben. "Wir glauben nicht, dass es dieses Jahr möglich sein wird, positiv abzuschließen", räumte der seit knapp einem Jahr amtierende Vorstandschef ein. Im Schlussquartal des Anfang Oktober endenden Geschäftsjahres plane man, die Verluste "signifikant" zu reduzieren. Nach neun Monaten 2004/05 sind bei leicht auf fünf Milliarden Euro gesunkenen Umsätzen nach Steuern bislang 212 Millionen Euro "Miese" aufgelaufen. Im gleichen Vorjahreszeitraum gab es noch 17 Millionen Euro Gewinn. Wann Infineon wieder schwarze Zahlen schreibt, sei nicht abschätzbar, räumte Ziebart ein.Die größten Problembereiche - Chips für die Kommunikationsindustrie und Chipkarten - seien wohl noch eineinhalb bis zwei Jahre defizitär. Preisverfälle von bis zu 30 Prozent bei Speicherchips und Chipkarten hätten alle operativen Fortschritte zuletzt aufgefressen. Der jüngste Korruptionsskandal um Zitzewitz belaste die Geschäfte dagegen nicht zusätzlich, behauptete Ziebart. Ob der von diesem geführte Speicherchipbereich an die Börse gebracht wird, sei noch nicht entschieden. Diesen Herbst komme definitiv kein Gang aufs Parkett. Vor Zitzewitzs Sturz hatte es geheißen, dass das bei Infineon dominierende Geschäft mit Speicherchips noch vor Ende 2005 an die Börse gebracht werden könnte. Offiziell hat der Konzern das nie kommentiert. Binnen sechs Monaten will Ziebart, der den Bereich derzeit kommissarisch führt, einen neuen Spartenchef präsentieren, der aus den eigenen Reihen kommen soll. Er sehe es als seine Hauptaufgabe an, das Unternehmen wieder in bessere Zeiten zu führen und nicht dessen Vergangenheit aufzuarbeiten, stellte Ziebart klar. Er spielte damit auf Vorwürfe an, die im Umfeld des aktuellen Schmiergeldskandals wegen angeblich illegaler Zahlungen für Motorsportsponsoring aufgekommen waren. Zur Schmiergeldaffäre selbst wollte sich Ziebart mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Infineon werde vorbehaltlos mit den Behörden kooperieren und auch die internen Kontrollmechanismen prüfen lassen.Klare Worte fand der Konzernchef zur jüngst angekündigten Schließung der Münchner Chipfabrik mit 700 Mitarbeitern. Ungeachtet eines von Gewerkschaft und Betriebsrat vorgelegten Gutachtens mit einem Alternativszenario und angebotenen Zugeständnissen der Belegschaft bleibe es beim Aus für das Werk. Infineon sei dort zu weit von Gewinnen entfernt.

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