Chodorkowskis "Schuld erwiesen"

- Moskau - Der russische Geschäftsmann Michail Chodorkowski hat sich nach Ansicht des Gerichts in fast allen Anklagepunkten der Steuerhinterziehung und des Wirtschaftsbetrugs schuldig gemacht. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Richterin Irina Kolesnikowa mit den Worten, Chodorkowskis Schuld sei durch die Beweislage und die Aussagen von Zeugen bestätigt worden.

<P class=MsoNormal>Ein Anklagepunkt war noch offen, als sich das Gericht auf den heutigen Mittwoch vertagte.</P><P class=MsoNormal>In russischen Medien hieß es, ein endgültiges Urteil gegen Chodorkowski und seinen mitangeklagten Partner Platon Lebedew sei noch nicht gefällt worden. Die Staatsanwaltschaft hat eine Haftstrafe von zehn Jahren beantragt. Der 41-jährige Chodorkowski hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Richterin Kolesnikowa hatte den früheren Vorstandschef des Ölkonzerns Yukos bereits am Montag als "Teil einer kriminellen Gruppe" bezeichnet.</P><P class=MsoNormal>Chodorkowskis Anhänger halten das Verfahren für politisch motiviert. Sie sehen in dem Prozess einen Versuch des Kremls, Chodorkowski wegen seiner Unterstützung der Opposition zu bestrafen. Vor dem Gericht versammelten sich viele Menschen, die sowohl für als auch gegen Chodorkowski demonstrierten. Einige hielten Plakate hoch, auf denen stand: "Chodorkowski, gib uns unser Geld wieder." Dies spiegelt die Gefühle vieler Russen in Bezug auf Geschäftsleute wider, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Beginn der 90er-Jahre riesige Reichtümer anhäuften - oft mit zumindest fragwürdigen Methoden. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Gerichtsgebäude waren noch verstärkt worden. Die Polizei stellte Absperrgitter und Metalldetektoren auf. Chodorkowski selbst wurde in einem gepanzerten Wagen zu einem Seiteneingang gebracht.</P><P class=MsoNormal>Der Gründer von Yukos war im Oktober 2003 verhaftet worden, Lebedew drei Monate zuvor. Beiden werden Verbrechen im Zusammenhang mit der Privatisierung einer Düngemittelfabrik 1994 vorgeworfen. Sie wurden wegen Steuerhinterziehung, Betrug und Dokumentenfälschung angeklagt.</P><P class=MsoNormal>Während der Haftzeit von Chodorkowski wurden Steuernachforderungen in Milliardenhöhe gegen Yukos erhoben. Die wichtigste Yukos-Tochter Juganskneftegas wurde dann schließlich wegen Steuerschulden zwangsversteigert. Das Verfahren hat Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit der Justiz in Russland aufgeworfen und viele ausländische Investoren verunsichert.</P>

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