Sir Christopher verteidigt seinen Ex-Feind

- Düsseldorf - "Es tut mir Leid, dass Klaus Esser nun Gegenstand von so viel ungerechtfertigten Verdächtigungen und unfairer Kritik geworden ist." Der ehemalige Vodafone Chef Christopher Gent schaut im Saal 111 des Düsseldorfer Landgerichts einen Moment zu dem früheren Mannesmann-Vorsitzenden, der nun schon seit neun Wochen auf der Anklagebank sitzt.

<P>Kein einziges Mal habe sein Gegenspieler vor dem Ja zum Übernahmeangebot eine Entschädigung für sich selbst verlangt, beteuert Sir Christopher. "Meiner Meinung nach hat Esser mit großer Entschlossenheit für die Unabhängigkeit von Mannesmann gekämpft."<BR><BR>Chris Gent ist wohl der prominenteste Zeuge im spektakulärsten Wirtschaftsprozess der deutschen Justizgeschichte. Drei Monate lang hatte sich der britische Manager von Mitte November 1999 bis Anfang Februar 2000 mit Esser eine beispiellose Übernahmeschlacht um den Mannesmann-Konzern geliefert. Am Ende siegte Vodafone. Nun aber will Gent als Zeuge Esser vom Vorwurf der Käuflichkeit befreien.<BR><BR>Entschieden worden sei die größte Übernahmeschlacht der Wirtschaftsgeschichte "durch die internationalen Kapitalmärkte, nicht durch Entschädigungszahlungen, die nie eine Bedingung für das Geschäft waren", sagt der Manager im blauen Nadelstreifenanzug.<BR><BR>Insgesamt 15,9 Millionen Euro hatte Esser nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone als Anerkennungsprämie erhalten. Viel Geld? Nicht unbedingt, findet Gent. Schließlich habe der Chef des US-Telekommunikationskonzerns Airtouch ein Jahr zuvor bei der Übernahme durch Vodafone dank seiner Aktienoptionen rund 250 Millionen britische Pfund verdient (370 Mio. Euro).<BR><BR>Gent berichtet, er habe Esser zu Beginn des Übernahmekampfes im November 1999 das Angebot gemacht, eine Führungsposition im neuen Unternehmen zu übernehmen. Doch der Mannesmann-Chef habe dies als irrelevant abgetan. Erst in der Woche vor der endgültigen Niederlage von Mannesmann sei Esser noch einmal auf ihn zugekommen und habe die Möglichkeit sondiert, als Doppelspitze mit Gent das neue Unternehmen zu leiten.<BR><BR>Doch da war es zu spät. Der Vodafone-Chef lehnte ab. Zu groß seien die Meinungsunterschiede gewesen und zu teuer die in der Zwischenzeit von Esser erzwungenen Vodafone-Zugeständnisse beim Kaufpreis, als dass für ihn noch ein Platz im Vodafone-Team gewesen sei. Doch es sei ohnehin nur "ein halbherziger Versuch" von Esser gewesen, findet Gent. </P><P>Der Vorschlag, stattdessen eine Millionenprämie an Esser zu zahlen, kam vom Vertreter des Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Wampoa, Canning Fok. Aber er kam Gent wohl gerade recht. Jedenfalls erklärte er sich nach eigener Aussage sofort bereit, ihn im Vodafone-Vorstand zu unterstützen, wenn alles nur rechtlich einwandfrei vor sich gehe.<BR><BR>Aus dem Grund für solche Großzügigkeit macht der frühere Vodafone-Chef keinen Hehl: "Wir wollten Brücken bauen." Es sei darum gegangen, nach dem feindlichen Übernahmekampf wieder ein gutes Klima zu schaffen. Unrechtmäßiges kann er darin nicht sehen. "Letztendlich haben wir es ja bezahlt."<BR></P>

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