Ciao Euro? Italienischer Minister will die Lira wieder einführen

- München - Die Debatte um einen möglichen Zerfall der europäischen Währungsunion geht weiter. Ökonomen sagten, sie hielten ein Scheitern des Projekts für denkbar. Gleichzeitig regte ein hochrangiger italienischer Politiker die Wiedereinführung der Lira an. Die Bundesregierung hingegen bekräftigte ihr Festhalten am Euro.

<P>Eine Rückkehr zur Lira dürfe nicht ausgeschlossen werden, sagte der Sozialminister des Stiefellandes, Roberto Maroni, der Zeitung "La Repubblica". Der Euro habe sich angesichts der Konjunkturprobleme, der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit und der hohen Arbeitslosigkeit als unzureichend erwiesen. Dabei verwies der Politiker der populistischen Partei "Lega Nord" auf die wirtschaftlichen Erfolge Großbritanniens, das nicht zur Euro-Zone gehört. Eine Volksabstimmung solle über den Abschied vom Euro entscheiden.´<BR><BR>Dass es tatsächlich dazu kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Ministerpräsident Silvio Berlusconi gilt als Anhänger der Währungsunion. Zudem sieht der 1992 geschlossene Vertrag von Maastricht - den auch Italien unterzeichnet hat - ein Verlassen der Gemeinschaft nicht vor. "Der Eintritt ist unumkehrbar", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, unserer Zeitung. Einige seiner Fachkollegen halten es dennoch für denkbar, dass eines der 13 Euro-Länder die Währung wieder abschafft.<BR><BR>Die Versuchung auszuscheiden sei in einigen Nationen groß, sagte Paul de Grauwe, Währungsexperte der belgischen Universität Löwen (Leuven), dem "Tagesspiegel". Auch Stefan Homburg, Finanzwissenschaftler an der Universität Hannover, hält ein Ende des Euro für möglich: "Im Falle einer finanzpolitischen Krise ist das denkbar." Beide nennen Italien als Staat, der von einem Austritt profitieren könnte.<BR><BR>Das Mittelmeerland leidet unter stark steigenden Preisen. Würde es die Lira wieder einführen, könnte die Inflation durch das Setzen von Wechselkursen gedrosselt werden. Zudem könnte die nationale Notenbank die Leitzinsen frei setzen, dadurch billiges Geld in Umlauf bringen und so die Konjunktur kurzfristig anfeuern. Dem stehen allerdings negative Folgen gegenüber: "Es käme höchstwahrscheinlich zu schweren Turbulenzen an den Kapitalmärkten", warnt HVB-Ökonom Krämer.<BR><BR>In Deutschland bemühte sich die Bundesregierung derweil, die Spekulationen über den Euro zu entkräften. Kanzlersprecher Bé´la Anda erklärte, dass eine Rückkehr zur D-Mark keine Option darstelle und Gerhard Schröder kein Auseinanderfallen der Währungsunion befürchte. Auch ein Sprecher der Bundesbank sagte gegenüber unserer Zeitung: "Wir schließen ein Scheitern aus." Bereits am Donnerstag hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank die Diskussion über die Gemeinschaftswährung als "absurd" bezeichnet.<BR><BR>Ausgelöst worden war sie durch einen Bericht des "Stern", nach dem bei einem Treffen von Finanzminister Hans Eichel und Bundesbankchef Axel Weber über das Risiko eines Scheiterns der Währungsunion gesprochen worden sei - was beide Seiten umgehend dementierten. Zudem hatte die Ablehnung des EU-Verfassungsentwurfs durch die Niederländer und Franzosen den Euro-Kurs in der vergangenen Woche unter Druck gesetzt.<BR><BR></P>

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