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Hans-Werner Sinn (l.) verabschiedet sich in den Ruhestand, Clemens Fuest tritt im kommenden April seinen Job an.

Mannheimer Wirtschaftsprofessor

Fuest wird Nachfolger von Sinn an ifo-Spitze

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München – Das Gerücht wabert schon eine Weile, jetzt ist es fix: Der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Clemens Fuest wird Nachfolger von Hans-Werner Sinn als Chef des Ifo-Instituts.

Entsprechende Informationen des Münchner Merkur wurden bestätigt. Das gemeinsame Berufungsverfahren von Institut und Ludwig-Maximilians-Universität sei sehr schnell abgeschlossen worden, heißt es in Münchner Wirtschaftskreisen.

Fuest, bislang Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, übernimmt ab 1. April 2016 die Nachfolge von Sinn und wird damit der sechste ifo-Präsident. Am Freitag soll die Personalie bei der ifo-Jahresversammlung, auf der auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) spricht, bekannt gegeben werden. Der Amtswechsel erfolgt bei einer Feier Ende Januar.

Der 46-jährige dreifache Familienvater Fuest ist seit 2013 Präsident des ZEW und Professor an der Uni Mannheim. Auf ihn wartet eine echte Herausforderung: Sinn gehört zu den bekanntesten und vor allem streitbarsten Ökonomen, ständiger Gast in Talkshows. Aber Fuest bringt Erfahrung mit: Vor seiner Zeit beim ZEW lehrte er unter anderem an der Universität Oxford. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Steuerpolitik und Staatsfinanzen. Seit 2003 gehört der gebürtige Westfale dem Wissenschaftlichen Beirat des Finanzministeriums an, von 2007 bis 2010 war er dessen Vorsitzender. Erst vor kurzem wurde er in die Kommission berufen, die den Mindestlohn kontrolliert.

So hat sich Fuest einen exzellenten Ruf in der Branche der Politikberater erworben. Aigner spricht von einem „würdigen Nachfolger“. Gemeinsam mit Sinn und anderen Wirtschaftsprofessoren veröffentlichte Fuest 2010 unter der Überschrift „Zehn Regeln zur Rettung des Euro“ einen Appell an die Bundesregierung. „Europa braucht keine Wirtschaftsregierung, wohl aber politische und marktwirtschaftliche Mechanismen, die die öffentliche und private Verschuldung in den Mitgliedstaaten wirksam begrenzen“, hieß es darin. Die Rettungspakete müssten ein Ende haben, weil sie Strukturreformen in Krisenstaaten verhinderten.

Später gab es jedoch durchaus inhaltliche Differenzen zu Sinn, der sich in der Griechenlandfrage immer deutlicher positionierte. Fuest dagegen möchte die Krisenländer eher im Euro behalten. Die „FAZ“ schrieb deshalb im Juni 2013, der Mannheimer wolle Sinn „die Deutungshoheit in der Eurodebatte abringen“.

Doch Sinn, der das ifo mit dem „Geschäftsklimaindex“ in die Spitze der deutschen Institute geführt hat, ist voll des Lobes über seinen Nachfolger: „Als Finanzwissenschaftler verfügt er über ein für die Ifo-Präsidentschaft nützliches Überblickswissen über die verschiedenen Teilgebiete unseres Faches“, ließ er wissen. Er selbst will sich in den Ruhestand verabschieden. Dass er sich dann nicht mehr zu Wort meldet, kann man sich nur schwer vorstellen.

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