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CO2-Kompensation - So erkennt man sinnvolle Projekte

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Von: Matthias Schneider

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Windräder in einem Windpark vor Sonnenuntergang
Ob in Deutschland oder in Indien: Ein neuer Windpark kompensiert CO2-Emissionen. © Patrick Pleul/dpa

„Flug kompensiert“, „klimafreundlich“, „CO2-neutral hergestellt“: Hinter solchen Labels steckt immer eine Form von CO2-Kompensation. Doch schützen die Zertifikate das Klima wirklich oder handelt es sich um teures Greenwashing?

Was sind „Ein Kompensationszertifikat im freiwilligen Markt ist der Nachweis, dass eine Tonne CO2 gebunden oder vermieden wird“, erklärt Frederik Heymann. Er ist bei den Stadtwerken München (SWM) verantwortlich für das Produkt M-Kompensation Plus, mit dem die Stadtwerke seit kurzem den freiwilligen CO2-Ausgleich anbieten. „Es geht darum, unvermeidbare Emissionen, die hier entstehen, an anderer Stelle einzusparen.“ Die andere Stelle liegt häufig weit weg, in Afrika oder Südasien beispielsweise, wo man mit weniger Geld mehr erreichen kann. „Bei uns ist das konkret ein Windpark in Indien und voraussichtlich bald auch ein Kochofenprojekt in Ghana, mit dem Holz gespart wird“, erklärt Heymann. Die Bandbreite an Möglichkeiten ist groß, auch Aufforstung, die Wiedervernässung von Mooren oder das sogenannte Carbon Capture, also das chemischen Saugen von CO2 aus der Luft, werden auf dem Markt angeboten.

CO2-Kompensation findet meist in Entwicklungsländern statt

„In den vergangenen Jahren ist man vor allem in die Entwicklungsländer gegangen, weil diese häufig keine eigenen Klimaziele hatten, dadurch ließen sich Doppelanrechnungen leicht vermeiden“, sagt Heymann. Denn das wichtigste bei den Zertifikaten ist die Zusätzlichkeit: „Nehmen wir den Windpark in Indien: Der würde sich ohne die Zertifikate nicht tragen und damit nicht gebaut werden.“ Ein weiterer wichtiger Punkt: „Wir kaufen nur Zertifikate von Projekten, die das CO2 bereits reduziert haben.“ Hierzu ein Beispiel: Die CO2-Bindung durch einen Baum wird auf etwa 30 Jahre gerechnet. Wird der Baum davor gefällt, ist die Kompensation hinfällig. „Zertifikate aus Projekten, die ihre Leistung bereits erbracht haben werden ex-post genannt, welche, die es nur versprechen, ex-ante.“

Standards garantieren Klima-Erfolg von CO2-Zertifikaten

Ob die Projekte ihren Zweck erfüllen, wird über verschiedene Standards zertifiziert: „Wir kaufen fast nur den „Gold Standard“ an unsere Kunden“, erklärt Heymann, „der hat sehr strenge Ansprüche an die Projekte.“ Denn die Bewerber müssen nicht nur den Auswahlprozess durchlaufen, sondern werden zusätzlich alle paar Jahre von unabhängigen Dritten wie dem TÜV überprüft, bevor sie verkauft werden.

Neben dem „Gold Standard“, der in Deutschland am verbreitetsten ist, gibt es laut Umweltbundesamt unter anderem folgende Zertifikate, die unterschiedliche Methoden und Ziele umfassen: Den „Clean Developement Mechanism“ (CDM), den „Verified Carbon Standard“ (VCS) und „Plan Vivo“. Eine ausführliche Übersicht gibt es hier.

Frederik Heymann erklärt: „Es gibt viele Kompensationsprodukte, die sich in den Zielen und Preisen teilweise stark unterscheiden.“ Denn einige Projekte mindern nicht nur Emissionen, sondern fördern auch soziale Zwecke: „Wir sind beispielsweise etwas teurer, weil wir Bildungsarbeit in Entwicklungsländern unterstützen und auch regionale Energieprojekte entwickeln“, sagt Heymann.

Kosten für CO2-Zertifikate unterscheiden sich nach Verwendungszwecken

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen freiwilligen Zertifikaten zur CO2-Kompensation und dem staatlich verordneten CO2-Preis, der über Emissions-Zertifikate gehandelt wird. „Den CO2-Preis von 30 Euro pro Tonne im kommenden Jahr kann man durch den Kauf von Kompensationszertifikaten nicht umgehen“, erklärt Heymann. Diese wären nämlich, mit ungefähr 14 Euro bei den SWM, weit günstiger. „Die Kompensation ist eine freiwillige Zusatzleistung für die Emissionen, die nicht vermeidbar sind.“ So kann sich beispielsweise ein Spediteur, der noch nicht auf E-LKW setzen möchte, durch Zertifikate Klimaneutralität erkaufen – und auch damit werben. „Die Kompensation für Privatkunden funktioniert im Prinzip gleich, manche Reiseportale bieten sie beispielsweise beim Buchen von Flügen an“, erklärt Heymann.

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