Coca-Cola: Zur WM droht Streik

- München - Ein Streit mit der deutschen Belegschaft über den Wegfall hunderter Stellen könnte Hauptsponsor Coca-Cola das WM-Geschäft vermiesen. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) kündigte Streiks in Abfüllwerken und bei der Auslieferungsflotte vor und während des Fußballspektakels an, sollte die Deutschland-Tochter des US-Getränke-Konzerns den Forderungen der Arbeitnehmer nicht entgegenkommen.

NGG-Funktionäre und Arbeitnehmervertreter schworen am Mittwoch bereits einen Teil der 9700 deutschen Coca-Cola-Mitarbeiter auf einen möglichen Arbeitskampf ein. Bei Betriebsversammlungen an fast allen deutschen Standorten zeigten sie nach Informationen unserer Zeitung eine einheitliche Präsentation, in der es unter anderem hieß: "Nur auf dem Verhandlungsweg scheinen Ergebnisse nicht möglich. Wir müssen uns auf harte Auseinandersetzungen vorbereiten."

Der bayerische NGG-Vorsitzende Hans Hartl bestätigte auf Nachfrage, dass die Gewerkschaft zu einem Arbeitskampf bei der deutschen Coca-Cola Erfrischungsgetränke (CCE) AG bereit sei. "Wir schließen das nicht aus", sagte Hartl. Dabei steht die Streikfront offenbar stabil: Aus dem Betriebsrat hieß es, im Falle von Protesten würden sich Beschäftigte aller deutschen Niederlassungen beteiligen; dazu gehören neben 21 Abfüllwerken auch 65 Distributionszentren. Nach Einschätzung von NGG könnte dies die Versorgung mit Produkten des Brause-Brauers wie Coca-Cola, Fanta oder Bonaqua während der WM spürbar beeinträchtigen. "Wir würden einen Mangel erzeugen", sagte ein Sprecher. Noch schlimmer sei aber der Imageschaden für das Unternehmen.

Hintergrund der Streikdrohung ist ein massiver Stellenabbau, den die Gewerkschaft bei der CCE befürchtet sowie damit verbundene Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag. "Im schlimmsten Fall stehen 3000 Jobs auf dem Spiel", heißt es. Ursache sei zum einen der Plan des CCE-Managements, acht Abfüllbetriebe, die in Lizenz produzieren, zu bündeln. Daneben befürchtet NGG, dass die bevorstehende Änderung des Pfandsystems zahlreiche Stellen kostet. Da von Mai an in Deutschland ein einheitliches Rückgabeverfahren für Einwegflaschen eingeführt wird, könnte dies zu einer Verschiebung von Einweg- zu Mehrweg-Behältnissen führen. Die CCE AG, die derzeit den Großteil ihrer Getränke in Mehrwegverpackungen füllt, würde dann weniger Personal für Rücktransport und Reinigung benötigen.

Das Unternehmen hält sich dazu bedeckt. "Wir gehen davon aus, dass wir zur WM die Verbraucher mit unseren Produkten beliefern können", sagte ein Sprecher auf Nachfrage zu den Streik-Plänen. Eine konkrete Prognose zu einem Abbau von Arbeitsplätzen wollte er aber nicht geben. Die Zahl von 3000 gefährdeten Stellen bezeichnete er als "Spekulation", ohne sie zu dementieren.

Nach Angaben von NGG wird es auf jeden Fall zu Streichungen kommen. So sei im Februar bereits über einen Sozialtarifvertrag verhandelt worden, bei denen die Positionen etwa zu Abfindungen und Altersteilzeit weit auseinander gelegen haben. Inwieweit einzelne Standorte wie Fürstenfeldbruck bei München mit seinen 300 Mitarbeitern oder auch Traunreut betroffen sind, sei aber noch unklar.

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