Was die Codes auf Lebensmittelverpackungen bedeuten

München - Für Verbraucher wird es immer schwieriger die Codes auf Verpackungen zu entschlüsseln. Immer neue Buchstaben und Kürzel kommen hinzu und kaum einer weiß, was sie bedeuten. Eine Lebensmittelexpertin klärt auf:

Wer bewusst einkauft, achtet genau auf die Mengenangaben bei verpackten Lebensmitteln. Flüssiges wird mit dem Hinweis auf Milliliter oder Liter gekennzeichnet, bei festen Lebensmitteln sind Gramm oder Kilogramm-Angaben vorgeschrieben. Wird die Ware beispielsweise inklusive Aufguss angeboten, muss zur Füllmenge auch das Abtropfgewicht genannt werden. Soweit ist allles klar. Doch was bedeutet der kleine Buchstabe „e“ der immer häufiger neben dieser Gewichtsangabe steht?

Es ist definitiv keine Abkürzung für das Wort Einwaage, wie viele Verbraucher meinen. Das „e“ steht für das französische Wort estimèe bzw. das englische Wort estimated für „geschätzt“. Mit dieser Angabe bestätigt der Abfüller, dass die Fertigpackung den gemeinsamen Vorschriften der Europäischen Gemeinschaft entspricht. Demzufolge müssen sich Abweichungen bei den Gewichten oder Mengen innerhalb festgesetzter Toleranzen bewegen. Es ist also eine Garantie dafür, dass die Lebensmittel auf geeichten Geräten abgefüllt oder abgepackt wurden.

Das kleine „e“-Zeichen darf jedoch nur bei Fertigverpackungen, deren Menge nach Gewicht oder Volumen gekennzeichnet ist, verwendet werden. Das Symbol ist vorwiegend für die Lebensmittelüberwachungsbehörden von Bedeutung. Es besagt nichts über die Qualität des Produktes.

Hersteller versprechen sich von der Nutzung einen gewissen Werbeeffekt: Das „e“ soll deutlich machen, dass der Produzent die gesetzlichen Vorschriften einhält und eigenverantwortlich kontrolliert.

Stellt der Kunde dennoch erhebliche Abweichungen fest, solle die Überwachungsbehörde eingeschaltet werden. Die Füllmengen und deren Toleranzgrenzen für die Mindestabweichungen sind in der Fertigpackungsrichtlinie 76/211/EWG verankert. So darf beispielsweise eine mit 1000 Gramm gekennzeichnete Packung mit einem tatsächlichen Gewicht von 970 Gramm nicht in den Verkehr gebracht werden.

Auch der EAN-Strichcode bietet dem Verbraucher keine Qualitätsinformation. Lediglich die Abwicklung des Kassiervorgangs geht schneller vonstatten, weil das Eintippen der Einzelpreise entfällt. Aufmerksamkeit ist dennoch geboten, denn eine Fehlerquelle bei Scannerkassen können Preisdifferenzen zwischen Regalpreis und Preisabrufdatei sein.

Der EAN-Code besteht aus der Internationalen Artikelnummer – quasi dem Personalausweis eines Produktes. Anhand dieser EAN-Codierung kann jeder Artikel eindeutig identifiziert werden. Der EAN besteht normalerweise aus 13 Ziffern. Nach einer 7-stelligen Basisnummer folgen fünf Ziffern eigener Wahl, die die individuelle Artikelnummer bilden. Zum Beispiel haben Fruchtjoghurts die gleiche Basisnummer, die jeweilige Fruchtzubereitung wird mit einer anderen Nummer gekennzeichnet. Die 13. Ziffer ist eine Prüfziffer.

Jedes Land hat eine oder mehrere eigene Ländernummern. Doch kann von der Ländernummer nicht auf den Produktionsort geschlossen werden. Ein Beispiel: Eine Firma in Hamburg lässt eine Ware in Taiwan produzieren und darf dennoch die in Deutschland beantragte Basisnummer führen. Eine Spezialcodierung gibt es für Lebensmittel, bei denen jede Packung einen anderen Preis hat, wie beispielsweise Käse. Dabei enthält die Codierung das Gewicht und die Scannerkasse bestimmt mit Hilfe des gespeicherten Kilopreises den Packungspreis.

Heidrun Schubert

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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