Comandante Spitzner und die fremden Freunde

- München - Als Hans Spitzner nach Vietnam reiste, wurde er auf Sächsisch begrüßt. "Nu scheen, der Herr Staadssekredär", freute sich ein Minister in Hanoi ­ der Kommunist hatte in der DDR studiert. Ebenso fröhlich empfangen wurde Spitzner von Diktator Fidel Castro in Kuba und vom libyschen Gaddafi-Clan. Bayerns Wirtschafts-Staatssekretär (63) ist so eine Art inoffizieller Potentaten-Beauftragter des Freistaats.

Neulich schaute ein Gaddafi-Sprössling in München vorbei ("ein cleverer Bursch‘"). Auch ein Castro-Sohn besuchte Spitzner im Büro. So kommt es, dass eine kreuzkonservative CSU-Regierung dem Comandante herzliche Genesungswünsche ausrichten lässt.

Berührungsängste? Spitzner verneint: "Wandel durch Annäherung", sagt er: "Strauß war auch der erste bei Gorbatschow. Was ist er kritisiert worden für den Ost-West-Handel."

Strauß wurde allerdings auch für andere Reisen attackiert ­ zu Togos mörderischem General Eyadéma oder Chiles Pinochet. Solch blutrote Händedrucke sind zu Zeiten Edmund Stoibers unerwünscht. Spitzners Leute halten diskret Rücksprache mit der Bundesregierung. "Es findet keine eigene bayerische Außendiplomatie statt", sagt der Oberpfälzer. "Wir liefern da auch nicht irgendwelchen Herrschern goldene Betten."

Eine Iran-Reise sagte das Ministerium heuer ab. Algerien, China, Kasachstan sind kein Problem. Kommunistische Systeme wie in Kuba hält Spitzner ohnehin für todgeweiht: "Castro, der alte Revolutionär, wird sich nicht mehr ändern. Jetzt stellt sich alles auf die Zeit nach ihm ein. In Kuba sieht man unter der Hand längst ein, dass das mit dem Kommunismus nichts ist." Libyen will er "rausholen aus dem Fundamentalistenlager".

Womöglich wird er das nicht allein schaffen. Wichtigster Reisegrund quer durch die "Achse des Bösen" ist ohnehin die Wirtschaft. Vor allem Bayerns Mittelstand soll massiv profitieren. Aus Castros Reich kamen allein im Sommer 2006

nach Angaben des Ministeriums Aufträge von 538 Millionen Euro für bayerische Umwelttechnik-Firmen. Die Deutschen seien die besten Techniker, zitiert Spitzner ein Gespräch mit dem Diktator. Weil sie dem US-Embargo trotzen, wollen die beteiligten Firmen lieber nicht in der Zeitung stehen.

Auch im kommunistischen China wartet auf bayerische Firmen ein Milliardenmarkt. Von Libyen und Algerien erhofft sich Bayern Gas-Lieferungen. Möglich werden die Aufträge oft erst durch Türöffner-Auftritte der Politik.

Wem aber würde Spitzner den Händedruck verweigern? Er denkt lange nach. Zum Beispiel Weißrusslands Präsidenten, sagt er dann: "Ich wäre sehr zurückhaltend bei Lukaschenko."

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