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Commerzbank – alle Infos zur Universalbank

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Das Logo des Commerzbank ist an einer Filiale in Sichtweite der Zentrale der Commerzbank (l) angebracht
Das Logo des Commerzbank ist an einer Filiale in Sichtweite der Zentrale der Commerzbank (l) angebracht © Frank Rumpenhorst / dpa

Umfassende Leistungen machen die Commerzbank zu einer Universalbank. Das viertgrößte deutsche Kreditinstitut muss sich jedoch an drastische Veränderungen des geschäftlichen Umfelds anpassen. Eine Umgestaltung der Unternehmensspitze, der Kosten und der Leistungen soll die Traditionsbank wieder auf Kurs bringen.

Frankfurt am Main – Die Commerzbank, eine der größten deutschen Banken, macht seit einigen Jahren Schlagzeilen. Dabei sind die Neuigkeiten rund um das Kreditinstitut nicht immer positiv. Nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank versäumte es die Geschäftsführung, umgehend eine strategische Neuausrichtung in Angriff zu nehmen. Inzwischen gilt die deutsche Traditionsbank in der Finanzindustrie als regelrechter Unruheherd. Umbesetzungen in der Führung sollten Abhilfe schaffen.

Commerzbank: Lange Geschichte einer Traditionsbank

Die heutige Commerzbank AG wurde 1870 in Hamburg gegründet, damals unter dem Namen Commerz- und Disconto-Bank. Das Kreditinstitut ist nicht nur eine der ältesten Banken der Bundesrepublik, sondern auch eine der bedeutendsten. Die Commerzbank unterhält internationale Niederlassungen in 50 Ländern und zeichnet verantwortlich für die Abwicklung von rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels.

Während ihrer langjährigen Geschichte war die Commerzbank immer eine Filialbank, auch wenn sie heute ihren Kunden sämtliche Funktionen des elektronischen Bankings zugänglich macht. Als Direktbanken agieren die Tochterunternehmen mBank und die sehr erfolgreiche comdirect, die seit 2020 in der Commerzbank aufging.

Commerzbank: Leistungen und Angebote

Das Unternehmen ist eine Vollbank und kann daher ein umfassendes Spektrum von Leistungen anbieten. Über ein Filialnetz an derzeit (Stand August 2021) noch fast 800 Standorten im Bundesgebiet betreut die Bank private Kunden ebenso wie Geschäftskunden – über acht Millionen insgesamt. Die Kunden schätzen die Kombination von elektronischen Dienstleistungen und Filialbetreuung, aber auch das überaus große Portfolio des Kreditinstitutes. Angeboten werden:

Beim Wertpapierhandel kann die Commerzbank mit einem breit aufgestellten Portfolio überzeugen, das nicht nur Aktien, sondern zahlreiche weitere Finanzinstrumente enthält. Unter den angebotenen Finanzierungslösungen finden sich Raten- und Autokredite, Modernisierungskredite und Bausparen, Studienkredite in Kooperation mit der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sowie Anschlussfinanzierungen und Hilfen bei der Umschuldung.

Commerzbank: Hauptsitz am Finanzstandort Frankfurt, ausgedünntes Filialnetz

Trotz der umfangreichen Services für Privat- und Geschäftskunden ist die Commerzbank nicht so profitabel, wie sie es gern wäre – und dass, obwohl das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main 2018 nach Umsatz die viertgrößte deutsche Bank war. Einer der Hauptgründe ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Durch die Niedrig- bzw. Nullzinsen lohnt sich das Kreditgeschäft nicht mehr so wie früher, überdies müssen die Banken für Einlagen, die bei der EZB geparkt werden, ein Verwahrentgelt von 0,5 % p.a. zahlen.

Immer mehr Banken geben ab einer bestimmten Einlagenhöhe diese Kosten an ihre Kunden weiter. Die wiederum haben nichts mehr vom Tages- und Festgeld, besonders angesichts steigender Inflationsraten. Daher verabschieden sich Banken wie die Commerzbank vom lange Zeit bedingungslos kostenlosen Girokonto, Filialbanken dünnen außerdem das Filialnetz aus. Das ist auch bei der Commerzbank geplant. Von rund 790 Niederlassungen im Juli 2021 sollen 240 bis Ende 2021 geschlossen werden, im darauffolgenden Jahr weitere 100. Auch einen Verlust bei den Privatkunden nimmt man in Kauf – stattdessen soll der Fokus auf den Geschäftskunden liegen.

Commerzbank: Viel Bewegung im Vorstand

Wohin die Reise für die Commerzbank gehen sollte, war lange Zeit unklar. Ab 2016 zeichnete der ehemalige Leiter des Privatkundengeschäfts Manfred Zielke als CEO verantwortlich für die ehrgeizigen Pläne, die Bank zu einem größtenteils digitalisierten Unternehmen zu machen. Das Investmentbanking sollte gegenüber der Betreuung von Privat- und Geschäftskunden zurücktreten. Die Umgestaltungspläne führten zu einem Zwist zwischen der Geschäftsführung und den bedeutendsten Aktionären. Zielke trat im Juli 2020 ebenso zurück wie der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann. Die Unternehmensleitung liegt nun in den Händen von CEO Manfred Knof. Weitere Mitglieder des Vorstands sind:

Commerzbank: Umgestaltungen im Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat der Commerzbank hat, wie bei anderen Banken auch, nicht nur eine beratende Funktion inne – er ist auch für die Überwachung der Geschäftsleitung zuständig. Zusammengesetzt ist das Gremium zu gleichen Teilen aus Repräsentanten der Aktionäre und der Mitarbeiter. Der Commerzbank-Aufsichtsrat kommt in Plenarsitzungen zusammen, geht seiner Tätigkeit jedoch auch in Ausschüssen nach.

Der Vorsitz des Aufsichtsrats liegt mittlerweile in den Händen von Helmut Gottschalk. Der erfahrene Banker bringt seine Kompetenzen als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der DZ Bank AG mit, dazu auch eine sehr bedächtige, seriöse Ausstrahlung. Das macht den Schwaben, der eigentlich in den Ruhestand gehen könnte, zur idealen Wahl in einer Zeit, in der sich die Commerzbank nach den Verlusten des Geschäftsjahres 2020 und drastischen Umgestaltungen in der Führungsspitze darum bemühen muss, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Commerzbank: Aktie und Anteilseigner

Bei der Commerzbank handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, die über eine Lizenz für die Anbietung von Finanzdienstleistungen aller Art verfügt. Das Grundkapital der Bank ist in Form von 1.252.357.634 Stückaktien unter der ISIN DE000CBK1001 im Handel an der elektronischen Börse Xetra und den deutschen Handelsplätzen. Der Titel erreichte infolge einer Erholungsphase nach der Finanzkrise von 2007 Höchstkurse von mehr als 50 Euro im Jahr 2009, trat jedoch anschließend eine Talfahrt an und bewegt sich im September 2021 bei etwa 5,50 Euro. Heute ist die Commerzbank einer der Werte des MDAX, in dem mittelständischen Unternehmen gelistet sind.

Der größte einzelne Aktionär der Commerzbank ist die Bundesrepublik, die über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung insgesamt 15 Prozent der Aktien hält. Etwa 42 Prozent der Unternehmensanteile halten institutionelle Anleger, während rund 23 Prozent in den Händen von privaten Aktionären sind. Jeweils 5 Prozent halten Fondsgesellschaften wie BlackRock, Cerberus und Capital Group, einen kleinen Teil von 3 Prozent die Norges Bank.

Commerzbank: Krisen und Kritiken

CEO Manfred Knof hat sich vorgenommen, die Commerzbank wieder profitabel zu machen, unter anderem durch ein Zusammenstreichen des Filialnetzes und erhebliche Stellenkürzungen, aber auch durch höhere Gebühren für Privatkunden. Ob sich dieses Ziel umsetzen lässt wie geplant, ist derzeit noch nicht sicher. Denn im zweiten Quartal 2021 muss die Bank zusätzliche Ausgaben in Form einer Sonderausschreibung bewältigen, insgesamt über etwa 200 Mio. Euro.

Anlass ist das geplante, aber nicht zustande gekommene Outsourcing der Wertpapierabwicklung. Die HSBC sollte die Verwaltung der Verbuchung von Wertpapierorders übernehmen und damit die Commerzbank administrativ entlasten. Zugleich versprach man sich eine Teilhabe an den Gewinnen in Höhe von 20 Prozent. Das grundsätzlich lukrative Projekt wurde allerdings aufgrund möglicher Risiken bei der Verwirklichung gestoppt, stattdessen will die Commerzbank die Abwicklung im Wertpapierhandel selbst weiterführen. Dank des hohen Interesses am börslichen und außerbörslichen Handel erhofft sich die Geschäftsführung gute Renditen, die Kosten für die Sonderausschreibung belasten jedoch einstweilen die Geschäftszahlen.

Weitere Belastungen kommen auf die Bank zu durch die erhöhten Anforderungen an die Einlagensicherung. Diese wurden Kreditinstituten infolge der Insolvenz der Greensill Bank auferlegt und sollen nicht nur das Kapital der Anleger schützen, sondern Finanzdienstleister auch bei eigenen Risikogeschäften ausbremsen. Überdies muss die Bank in naher Zukunft Gebühren erstatten, die in Form einer stillschweigend vorausgesetzten Übereinstimmung der Kunden erhöht wurden. Dabei wurde auf das Einholen der ausdrücklichen Zustimmung verzichtet. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes ist dies nicht statthaft, betroffene Kunden können die zu viel gezahlten Beträge zurückfordern. Nicht nur die Commerzbank, auch zahlreiche andere Banken und Sparkassen müssen mit einer Rückforderungswelle rechnen.

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