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Commerzbank: Neue Turbulenzen beim Frankfurter Geldhaus - Aufsichtsratschef tritt ab

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Commerzbank-Filiale: Das Frankfurter Geldhaus muss sich einen neuen Chef-Kontrolleur suchen.
Commerzbank-Filiale: Das Frankfurter Geldhaus muss sich einen neuen Chef-Kontrolleur suchen. © Daniel Karmann/dpa

Die Commerzbank kommt nicht zur Ruhe. Erst im vergangenen Sommer hatte das Geldhaus einen neuen Chef-Aufseher gefunden. Doch der ist schon wieder weg.

Frankfurt/Main - Die Commerzbank muss sich schon wieder einen neuen Aufsichtsratschef suchen. Der amtierende Vorsitzende Hans-Jörg Vetter lege sein Mandat im Kontrollgremium aus gesundheitlichen Gründen unverzüglich nieder, teilte das Geldhaus am Dienstag überraschend mit.

Bis zur Wahl eines Nachfolgers werde Vetters Stellvertreter und Konzernbetriebsratschef Uwe Tschäge den Aufsichtsrat führen, hieß es in einer knappen Mitteilung. Weitere Angaben machte das Institut nicht.

Commerzbank: Aufsichtsratschef erst seit Sommer im Amt

Vetter, früher Chef der Landesbank Baden-Württemberg, war erst im August 2020 an die Spitze des Commerzbank-Aufsichtsrats gerückt. Zuvor hatten sein Vorgänger Stefan Schmittmann und der damalige Vorstandschef Martin Zielke nach harscher Kritik von Großaktionär Cerberus überraschend ihre Rücktritte bekanntgegeben und den Konzern in eine tiefe Führungskrise gestürzt. Der neue Vorstandschef Manfred Knof führt die Commerzbank seit dem 1. Januar.

Der 68-jährige Vetter sollte gemeinsam mit dem früheren Deutsch-Banker Knof den Konzernumbau des renditeschwachen Geldhauses vorantreiben. Vetter hat sich in seiner Zeit an der Spitze der Landesbank Baden-Württemberg und der Bankgesellschaft Berlin einen Ruf als Sanierer erworben. Der Manager galt als Wunschkandidat des Bundes, des größten Einzelaktionärs der Commerzbank seit der Rettung in der globalen Finanzkrise 2009. Mit der Entscheidung setzte sich der Bund gegen Finanzinvestor Cerberus durch, der große Vorbehalte gegen Vetter gehabt hatte.

Commerzbank: Konzern vor hartem Sparkurs

Im Februar hatte Vorstandschef Knof bei der Sanierung schon mächtig aufs Tempo gedrückt. So beschloss die Commerzbank einen harten Sparkurs samt Abfindungen, mit dem die Kosten von rund 6,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr bis 2024 um 1,4 Milliarden Euro sinken sollen. Nach einem Milliardenverlust 2020 peilt das Frankfurter Institut zumindest im Tagesgeschäft schon dieses Jahr wieder schwarze Zahlen an.

Gemäß der neuen Strategie soll die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern bis Ende 2024 von zuletzt knapp 40.000 auf 32.000 fallen. Betriebsbedingte Kündigungen will die Bank dabei so weit wie möglich vermeiden. Das Filialnetz wird zudem auf 450 Standorte fast halbiert.

Vergangenes Jahr hatte die Commerzbank einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro geschrieben - der höchste Fehlbetrag seit der Finanzkrise 2009 mit damals mehr als 4,5 Milliarden Euro Verlust. Eine Prognose, wann das Geldhaus wieder einen Netto-Gewinn erzielen wird, wagte das Management nicht. Nun muss sich die Bank mitten im Umbau mit der Suche nach einem Nachfolger für Vetter beschäftigen. (dpa)

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