Commerzbank vor Dresdner-Bank-Kauf - Kreise: Vorentscheidung gefallen

Frankfurt/München - Die Allianz will nach Informationen aus Finanzkreisen ihre angeschlagene Banktochter Dresdner Bank mehrheitlich an die Commerzbank verkaufen. Der Münchner Versicherungskonzern bestätigte am Freitag "fortgeschrittene Gespräche zur weiteren Entwicklung der Dresdner Bank".

"Ob diese zu einem Abschluss" führten, sei noch offen, hieß es allerdings aus München. Die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX erfuhr indes aus Finanzkreisen, der Allianz-Vorstand habe sich in der Nacht zum Freitag auf die Grundzüge der größten Übernahme im deutschen Bankensektor seit sieben Jahren geeinigt. Das berichteten auch mehrere Zeitungen übereinstimmend.

Nach dpa-AFX-Informationen ist eine Übernahme in zwei Schritten angestrebt. In den Kreisen hieß es, der Vorstand werde dem Allianz- Aufsichtsrat in der für diesen Sonntag anberaumten außerordentlichen Sitzung den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank vorschlagen. Auch der Aufsichtsrat der Commerzbank kommt am Sonntag zusammen. Die Commerzbank wollte sich am Freitag nicht zu den Berichten äußern. Ein neues Institut aus Commerzbank und Dresdner Bank wäre mit einer Bilanzsumme von knapp 1,1 Billionen Euro deutliche Nummer Zwei in der deutschen Bankenbranche hinter der Deutschen Bank mit einer Bilanzsumme von fast 2 Billionen Euro.

Seit Monaten wird über den Zusammenschluss der beiden Großbanken verhandelt - es ist zugleich der zweite Anlauf zu einer Fusion beider Häuser seit dem Jahr 2000. Außer der Commerzbank wurde zuletzt die China Development Bank (CDB) als potenzieller Käufer der wegen der Finanzmarktkrise in die roten Zahlen gerutschten Dresdner Bank gehandelt. Wie dpa-AFX erfuhr, reichten die Chinesen am Dienstag ein erstes Angebot ein. Da die Allianz jedoch wegen der geplanten Aufspaltung der Dresdner Bank in zwei Teile bis Ende August unter Zeitdruck stand, sei diese Offerte zu spät gekommen. Zudem sei das CDB-Angebot noch nicht ausgearbeitet gewesen.

Im Allianz-Vorstand habe es durchaus Stimmen für einen Verkauf der Bank-Tochter an die China Development Bank gegeben, hieß es in den Kreisen. Auch Arbeitnehmervertreter hatten in den vergangenen Tagen eine solche Lösung befürwortet, weil nach ihrer Einschätzung im Falle eines Verkaufs der Dresdner Bank an ein ausländisches Institut weniger Arbeitsplätze wegfallen würden. Die Gewerkschaft ver.di befürchtet, dass eine Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank bis zu 12 000 Arbeitsplätze der mehr als 50 000 Stellen beider Häuser kosten könnte.

Mehrere Zeitungen berichteten am Freitag übereinstimmend von einer Vorentscheidung, die nach Gesprächen der Chefs von Allianz und Commerzbank, Michael Diekmann und Martin Blessing, gefallen sei. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") berichtete vorab, Blessing sei offenbar auf "einige der noch offenen Forderungen der Allianz eingegangen". Die "Financial Times Deutschland" ("FTD") schrieb in ihrer Online-Ausgabe, die Allianz wolle in einem ersten Schritt 51 Prozent der Dresdner Bank an die Commerzbank verkaufen. Im Gegenzug soll der Versicherer laut "FTD" knapp unter 30 Prozent der Commerzbank-Aktien erhalten. Im kommenden Jahr könnte dann die Commerzbank laut "FTD" die restlichen 49 Prozent der Dresdner erwerben.

Das "Handelsblatt" berichtete am Freitag in seiner Online-Ausgabe, Diekmann und Blessing hätten sich in zentralen Punkten verständigt, es sei aber noch keine endgültige Einigung erzielt worden. Auch nach diesen Informationen soll der Zusammenschluss - wie zuletzt wiederholt spekuliert - in zwei Schritten vollzogen werden.

Noch ist der Verkauf nicht über die Bühne: Endgültig abgesegnet werden muss die Transaktion von den Aufsichtsräten beider Häuser. Die Sitzungen der Kontrollgremien an diesem Sonntag finden nach dpa- Informationen in kurzer zeitlicher Abfolge nacheinander statt: zunächst Allianz in München, dann Commerzbank in Frankfurt.

Nach Informationen von "Welt Online" hat die Finanzaufsicht BaFin bereits ihre Zustimmung zu einer Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank signalisiert. Die beteiligten Vorstände hätten bereits gemeinsam bei der Behörde vorgesprochen. Eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn sagte dazu auf Anfrage lediglich, eine solche Fusion sei Geschäftspolitik - die BaFin sei dafür keine direkte Genehmigungsbehörde. Es sei aber normal, dass die BaFin in ein solches Vorhaben involviert werde.

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