+
Die Commerzbank zieht sich aus den umstrittenen Dividenden-Geschäften zurück. 

"Gesellschaftlich nicht akzeptiert"

Commerzbank stoppt umstrittene "Cum-Cum"-Geschäfte

Berlin/Frankfurt - Wegen fragwürdiger Geschäfte mit der Dividenden-Besteuerung musste die Commerzbank reichlich Kritik einstecken. Nun stellt das Institut diese Aktivitäten ein.

Die Commerzbank zieht sich nach massiver Kritik aus umstrittenen Dividenden-Geschäften zurück. Der Vorstand beschloss, sogenannte Cum-Cum-Transaktionen nicht mehr anzubieten, wie die „Bild“-Zeitung am Mittwoch vorab berichtete. „Wir ziehen uns aus diesem legalen Geschäft zurück, weil es gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert ist“, sagte der für die Kapitalmärkte zuständige Commerzbank-Vorstand Michael Reuther dem Blatt.

Auch im Ausland wolle die Commerzbank diese Geschäfte nicht mehr tätigen. Man nehme dabei in Kauf, „dass andere Banken weiter Cum-Cum-Geschäfte betreiben und sich damit einen Vorteil verschaffen können.“ Über die umstrittenen Deals konnten große Kunden aus dem Ausland Steuern auf Dividenden von deutschen Unternehmen umgehen. Die Commerzbank soll sich hierbei besonders hervorgetan haben, wie Recherchen mehrerer Medien ergaben. Die Bank hatte betont, sich an geltende Gesetze gehalten zu haben.

Das Finanzministerium hatte die Praktiken als „illegitim“ bezeichnet und angekündigt, solche Geschäfte näher beleuchten zu wollen. Der Bund ist mit rund 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt und mit zwei Vertretern in dem Kontrollgremium des Instituts vertreten.

Anspruch an "gesellschaftlich akzeptierte Geschäfte"

Reuther sagte der „Bild“-Zeitung, die Commerzbank habe den Anspruch, „dass unsere Geschäfte gesellschaftlich akzeptiert sind. So haben wir uns ganz bewusst positioniert.“ Die Bank werde künftig noch genauer überprüfen, welche Produkte sie anbiete: „Wenn wir erkennen, dass aktuelle oder geplante Produkte und Dienstleistungen ein Problem für die Marke Commerzbank darstellen könnten, dann müssen wir uns die Frage stellen, ob wir das wollen oder nicht.“

Im Bundestag kritisierte die Opposition die schwarz-rote Koalition wegen des Umgangs mit dem Cum-Cum-Thema. Die Weigerung des Haushaltsausschusses, sich mit den Geschäften näher zu befassen, sei nicht zu rechtfertigen, sagte der grüne Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler der „Welt“: „Es ist schon bitter, dass CDU, CSU und SPD im Haushaltsausschuss die Aufklärung des Cum-Cum-Skandals bei der Commerzbank blockieren wollen.“ Eine Überweisung in das sogenannte Finanzmarktgremium des Parlaments reiche nicht aus.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

BMW spielte falsche Abgas-Software auf 5er und 7er auf
München/Flensburg (dpa) - BMW hat 11.700 Dieselautos mit einer falschen Abgas-Software ausgestattet. Das Programm sei für die SUV-Modelle X5 und X6 entwickelt worden, …
BMW spielte falsche Abgas-Software auf 5er und 7er auf
Chinesischer Geely-Konzern größter Daimler-Einzelaktionär
Bei der Konkurrenz von Volvo ist der chinesische Investor Geely schon länger in Boot. Nun kauft er sich beim deutschen Oberklasse-Autobauer Daimler ein - als größter …
Chinesischer Geely-Konzern größter Daimler-Einzelaktionär
Milliardengewinn trotz Dieselkrise: Was macht VW so erfolgreich?
Krisengebeutelt? Von wegen. Der Volkswagen-Konzern legte 2017 das erfolgreichste Geschäftsjahr seines Bestehens hin. Worauf der Aufschwung von Europas größtem Autobauer …
Milliardengewinn trotz Dieselkrise: Was macht VW so erfolgreich?
Aufgestaute Müllberge: Droht Europa ein Abfall-Chaos?
Europas Recycling-Unternehmen sind einem großen Problem ausgesetzt. Die Kapazitäten geraten an ihre Grenzen. Das hat einen bestimmten Grund.
Aufgestaute Müllberge: Droht Europa ein Abfall-Chaos?

Kommentare