Conti will Übernahme abwehren - "Kein Opfer für Schnäppchenjäger"

- Conti schlägt zurück. Mit allen Mitteln will sich der Autozulieferer aus der ersten Börsenliga DAX gegen eine feindliche Übernahme des wesentlich kleineren Familienunternehmens Schaeffler wehren.

In einer Brandrede wies Conti-Boss Manfred Wennemer am Mittwoch das Übernahmeangebot von Schaeffler scharf zurück. "Continental ist kein willfähriges Opfer für Schnäppchenjäger", wetterte der 60-jährige. Das Vorgehen von Schaeffler sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos", es drohe eine Zerschlagung von Conti. "Wir werden die Unabhängigkeit dieses Unternehmens verteidigen und dafür kämpfen." Der kühle Mathematiker Wennemer steht vor der größten Aufgabe seiner Karriere - und ist in der Defensive. Denn Schaeffler hat sich eine gute Ausgangsposition verschafft.

Die fränkische Gruppe hatte am Dienstag ein Übernahmeangebot für Conti vorgelegt. Sie bietet den anderen Conti-Aktionären 69,37 Euro pro Aktie in bar, damit will Schaeffler rund 11,2 Milliarden Euro zahlen. Das Unternehmen strebe eine strategische Beteiligung von mehr als 30 Prozent an Conti an, aber nicht notwendigerweise eine Mehrheit, sagte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger.

Direkt und über Finanzderivate hat Schaeffler aber schon Zugriff auf ein Aktienpaket von rund 36 Prozent, falls die an dem Deal beteiligten Banken bis zum Ende mitspielen. Schaeffler hätte wegen der allgemein geringen Präsenz auf Hauptversammlungen faktisch das Sagen bei Conti. Denn ein anderer großer Aktionär als Gegengewicht, wie das Land Niedersachsen bei VW, fehlt. Zwar versicherte Geißinger, Conti solle eigenständig bleiben und nicht zerschlagen werden, es werde keinen Verlust von Arbeitsplätzen geben.

In Hannover allerdings glaubt man Schaeffler kein Wort. Zunächst liefen die Gewerkschaften Sturm und kündigten massiven Widerstand an - obwohl sie eigentlich nicht gerade große Freunde von Wennemer sind, der als Kostenkiller und Produktions-Verlagerer ins Ausland gilt. Allerdings warf IG BCE-Chef Hubertus Schmoldt Wennemer vor, dieser habe nach der Übernahme der Siemens-Sparte VDO und der Aufnahme "riesiger Kredite" damit rechnen müssen, "dass andere auch Monopoly spielen". Wennemer hätte sich in Kooperation mit Banken absichern müssen, um einen Übernahmeversuch zu verhindern.

Bei Conti sieht man das allerdings anders - und sich als "Opfer" eines Unternehmens, das es "durch die Hintertür" und mit "rechtswidrigen Mitteln" auf die Kontrolle bei den Hannoveranern abgesehen habe. Das Übernahmeangebot entspreche "in keinster Weise" dem fairen Wert von Conti. Bei einem erfolgreichen Vorstoß von Schaeffler drohe eine Zerschlagung von Conti, ein Verkauf der Reifensparte und die Gefährdung von Jobs. Anders als Schaeffler sieht Wennemer auch keine "industrielle Logik" in einem Zusammengehen. "Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental." Man sei stets offen für Investoren - doch die Schaeffler-Gruppe habe sich nicht an die "Spielregeln der Transparenz, der Offenheit und der Ehrlichkeit" gehalten.

Schaeffler dagegen bezeichnet sein Vorgehen als legal. Ein Sprecher sagte in Herzogenaurach, das Unternehmen gehe davon aus, dass auch die Finanzaufsicht BaFin, die Conti eingeschaltet hat, zu dieser Einschätzung komme. Schaeffler stehe jederzeit für weitere Gespräche zur Verfügung.

Conti aber organisiert nun den Abwehrkampf. Zum genauen Vorgehen allerdings hält sich das Unternehmen bedeckt. Es würden alle Optionen geprüft, heißt es. Conti dürfte aber folgende Möglichkeiten haben: Der Konzern setzt auf Schützenhilfe der BaFin - der Vorwurf: Schaeffler habe die gesetzlichen Meldeschwellen unterlaufen. Als möglich in Finanzkreisen gilt auch, dass an dem Schaeffler-Deal beteiligte Banken von den Franken abrücken, weil sie nicht gewusst hätten, dass es sich um eine konzertierte Aktion gehandelt hat.

Zum anderen könnte Conti rechtliche Schritte gegen Schaeffler prüfen. Auch ein "weißer Ritter" gilt grundsätzlich als möglich - allerdings scheint fraglich, welcher freundlich gesonnene Großinvestor Conti aus der Patsche helfen könnte. Eines scheint sicher: Mitten in der kraftraubenden VDO-Integration droht Conti eine lange Übernahmeschlacht.

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