Conti will weiter mit Schaeffler verhandeln

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Hannover/Herzogenaurach (dpa) - In den Übernahmekampf um den Autozulieferer Continental kommt Bewegung: Conti lehnte zwar das Angebot der Schaeffler-Gruppe erneut als nicht ausreichend ab, strebt aber kurzfristig weitere Verhandlungen über eine friedliche Einigung an.

"Es ist unser Ziel, möglichst schnell zu einer Lösung im Sinne beider Unternehmen zu kommen", sagte Vorstandschef Manfred Wennemer am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung in Hannover. Schaeffler ist angeblich bereit, den Preis zu erhöhen. Die Gewerkschaften fordern langfristige und verbindliche Garantien zum Beispiel über die Sicherung von Standorten und Jobs bei Conti. Es gehe um ein "Gesamtpaket".

Schaeffler begrüßte die Entscheidung von Conti, die Verhandlungen über eine Einigung zügig weiterzuführen. Schaeffler sei sehr zuversichtlich, dass die Verhandlungen zu einem guten Ergebnis führen werden. "Wir streben ebenfalls eine möglichst schnelle Einigung im Interesse beider Unternehmen an", sagte Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ist Schaeffler bereit, das Übernahmeangebot für Conti von bisher 70,12 Euro auf 75 Euro pro Aktie zu erhöhen. Weder Conti noch Schaeffler wollten dies kommentieren.

Wennemer sagte, der Vorstand habe den Aufsichtsrat über den Fortgang der Gespräche mit der Schaeffler-Gruppe und den "dabei erzielten Fortschritten" informiert. Einzelheiten nannte er nicht. Der Vorstand werde mit voller Rückendeckung des Aufsichtsrats kurzfristig weitere Verhandlungen ohne jegliche Vorbedingung anstreben. Mitte Juli hatte Wennemer das Vorgehen von Schaeffler noch als "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" bezeichnet und angekündigt: "Wir werden die Unabhängigkeit dieses Unternehmens verteidigen und dafür kämpfen."

Parallel dazu prüfe der Vorstand mit Unterstützung des Aufsichtsrats weiterhin alle Handlungsoptionen, sagte Wennemer. Näheres sagte er nicht. Als eine Option gilt die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dadurch würde sich die Annahmefrist für das Schaeffler-Gebot um sechs Wochen verlängern. Bisher endet die Frist am 27. August. Zudem gilt als eine Option eine Kapitalerhöhung, dadurch würde sich der Schaeffler-Anteil verwässern. Als weitere Möglichkeit gilt ein "weißer Ritter", ein freundlich gesonnener Großinvestor.

Das derzeitige Übernahmeangebot von Schaeffler über 70,12 Euro pro Aktie wiesen Vorstand und Aufsichtsrat von Conti erneut als nicht angemessen zurück. Beim Vollzug der Übernahme drohten zudem Steuernachteile und erhöhte Refinanzierungskosten. Die wirtschaftlichen Vorteile eines Zusammengehens mit der Schaeffler- Gruppe seien auf einen überschaubaren Bereich begrenzt. Branchen- Analysten halten einen Preis zwischen 80 und 100 Euro für gerechtfertigt.

Der stellvertretende Conti-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE sagte, es sei nicht zuletzt aus unternehmensstrategischen Gründen nicht angemessen, eine "reine Abwehrpolitik" zu verfolgen. Im Interesse der Arbeitnehmer liege es vor allem, Conti so weiterzuentwickeln, dass die Standorte eine langfristige Perspektive bekämen und die Arbeitsplätze gesichert würden. "Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit sind aus gewerkschaftlicher Sicht gleichrangige Unternehmensziele." Eine Zerschlagung des Konzerns sei mit den Gewerkschaften nicht zu machen.

Ein Sprecher der IG Metall sagte, bei den anstehenden Verhandlungen sei es für die Gewerkschaft "zwingend", dass Schaeffler Garantien abgebe. Darin müssten die Unternehmensstruktur, die Arbeitsplätze, die Standorte sowie die Tarifverträge und der Erhalt der Mitbestimmung verbindlich garantiert werden. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) begrüßte den Conti- Aufsichtsratsbeschluss, das Schaeffler-Angebot abzulehnen. Gleichzeitig unterstütze er die Bereitschaft zu zügigen und konstruktiven Verhandlungen. Ein Schaeffler-Sprecher hatte am Montag bekräftigt, das Unternehmen biete Conti eine schriftliche Vereinbarung über Zusagen im Falle einer Übernahme an.

Mitte Juli hatten Vorstand und Aufsichtsrat von Conti einen deutlich höheren Preis oder eine Begrenzung der Beteiligung auf 20 Prozent gefordert. Unter den Voraussetzungen sei eine Einigung "erstrebenswert", hieß es damals. Das wesentlich kleinere Familienunternehmen aus Herzogenaurach hatte bekräftigt, mehr als 30 Prozent der Anteile zu erwerben und ein strategischer Großaktionär zu werden. Schaeffler hält bereits acht Prozent an Conti und hat nach eigenen Angaben über Finanzgeschäfte Zugriff auf weitere 28 Prozent.

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