Continental: Konflikt über Stellenabbau weitgehend beigelegt

- Hannover - Beim Autozulieferer Continental ist der wochenlange Konflikt zwischen Vorstand und Arbeitnehmerseite über den Stellenabbau am Stammsitz Hannover weitgehend beigelegt. Die Pkw-Reifenproduktion in Hannover-Stöcken mit 320 Beschäftigten soll bis Ende 2007 stillgelegt werden. Dies soll aber ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen.

Geplant ist zudem eine Qualifizierungsgesellschaft. Auf diese Eckpunkte verständigten sich Conti-Spitze sowie Gewerkschaft IG BCE und Betriebsrat am Mittwochabend nach mehrstündigen Verhandlungen.

Allerdings gebe es noch einige offene Punkte, hieß es. Dazu zählen etwa Modalitäten der Qualifizierungsgesellschaft. Eine endgültige Einigung soll es in der nächsten Woche geben. Kurzfristig sollen dann auf betrieblicher Ebene Gespräche über Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen werden.

Für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen hatte die Gewerkschaft mit Streiks bei Conti gedroht. Von einem harten Arbeitskampf wie beim Hausgerätehersteller AEG in Nürnberg, mit dem die Beschäftigten für einen Sozialtarifvertrag kämpfen, bleibt Continental aber nun verschont.

Conti-Personalchef Thomas Sattelberger sagte am Donnerstag: "Wir sind kurz vor dem Ziel." Das Unternehmen habe mit den vereinbarten Eckpunkten den "nötigen Flexibilitäts-Korridor", um den "unumgänglichen" Personalabbau am Standort Stöcken "passgenau und sozialverträglich" vornehmen zu können. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht Bestandteil des Konzepts.

Insgesamt arbeiten am Conti-Standort Stöcken mehr als 3000 Beschäftigte. Dort werden neben Pkw- auch Lkw-Reifen gefertigt.

Der Continental-Konzern hat 2005 erneut einen Rekordgewinn eingefahren. Er wächst seit Jahren vor allem im Ausland. Das Unternehmen baut zunehmend Kapazitäten in Billiglohnländern wie etwa Tschechien und Rumänien auf und verlagert Produktion dorthin. Die Lohnkosten in Deutschland seien zu hoch, lautet einer der Gründe. Der Anteil der Beschäftigten in Deutschland nimmt kontinuierlich ab.

IG BCE-Verhandlungsführer Werner Bischoff sagte mit Blick auf die erzielten Eckpunkte für die Pkw-Reifenproduktion in Stöcken: "Die Menschen, die sich um ihre Arbeit, ihr Einkommen und ihre Zukunft gesorgt haben, können aufatmen." Es gebe eine "neue und sichere Perspektive".

Bis zum 31. Dezember 2007 fertige das Werk Stöcken Pkw-Reifen. Die Zahl der derzeit 320 Beschäftigten in der Pkw-Reifenproduktion solle im Laufe des Jahres 2007 auf 180 reduziert werden, etwa durch Versetzungen oder Altersteilzeit. Anfang 2008 solle eine Qualifizierungsgesellschaft starten. In diese könnten die Beschäftigten wechseln, die bis dahin noch keinen neuen Job gefunden hätten. Sie erhalten die Möglichkeit zur Weiterbildung oder Umschulung.

Eine Qualifizierungsgesellschaft gilt als wichtig, weil in der Pkw-Reifenproduktion viele gering qualifizierte Beschäftigte arbeiten. Laut Bischoff sollen alle Betroffenen neue Arbeit bei Conti oder außerhalb des Konzerns finden. Nach Unternehmens-Darstellung ist aber noch offen, wann die Qualifizierungsgesellschaft beginnt.

Die im November 2005 angekündigte Schließung der Pkw-Reifenfertigung in Stöcken hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer hatte die ursprünglich für Ende 2006 geplante Stilllegung damit begründet, dass das Wachstum in der Reifensparte geringer ausgefallen sei als erwartet. Stöcken sei der kleinste und teuerste Standort.

Arbeitnehmervertreter sowie Politiker aller Parteien hatten Wennemer Profitgier vorgeworfen. Die Pkw-Reifenfertigung sei profitabel. Außerdem hätten die Beschäftigten dort erst im Frühjahr 2005 etwa längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zugestimmt. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung hatte Conti gekündigt. Bischoff sagte, er hoffe, dass der Vorstand nun zur "sozialpartnerschaftlichen Vernunft" zurückgekehrt sei.

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