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Sie ist die mächtigste Frau der deutschen Autoindustrie: Maria-Elisabeth Schaeffler.

Trotz Schuldenberg

Continental macht Schaeffler zum Riesen

München - Der Autozulieferer Schaeffler hat sich durch seine Beteiligung an Continental verhoben. Doch er hat gelernt, die hohe Verschuldung zu managen und strebt eine vertiefte Zusammenarbeit an.

Beim Thema Radnabenmotoren beginnen die Augen von Peter Gutzmer zu leuchten. Der Technologievorstand von Schaeffler rechnet schon im nächstes Jahrzehnt mit Serienautos für die Stadt, bei denen die gesamte Antriebstechnik in die Räder passt: Elektromotoren, Bremsen, Elektronik, Kühlung. Das ermöglicht es, wesentlich kompaktere Autos für Ballungsräume zu bauen oder mehr nutzbaren Raum in Fahrzeugen vorzusehen. Bei dieser Technik hat das bayerische Unternehmen mit weltweit 76 000 Beschäftigten eine Schlüsselstellung. Denn vieles, was man dazu braucht, – nicht nur die Lager – gehört zu den Kernkompetenzen des Autozulieferers. Und was er nicht selbst beherrscht, darauf ist Continental spezialisiert. An dem Zuliefer-Konzern aus Hannover ist Schaeffler immer noch mit 46 Prozent beteiligt, kann also die Richtung der Unternehmenspolitik weitgehend bestimmen.

Nicht nur beim Projekt Radnabenmotor arbeiten Schaeffler und Continental Hand in Hand. Auch in anderen Bereichen sollen beide zusammenrücken. Allmählich bildet sich wohl ein Zuliefer-Gigant mit global mehr als einer Viertelmillion Mitarbeitern. Bosch, der weltweit größte der Branche, hat rund 300 000 Mitarbeiter.

Schuldenberg hätte Familienunternehmen beinahe ruiniert

Mit der engeren Zusammenarbeit nähert sich Schaeffler dem an, was das Unternehmen vor sechs Jahren mit einem missglückten Übernahme-Versuch von Continental bewirken wollte. Der Versuch scheiterte und brachte dem Familienunternehmen einen Schuldenberg ein, der es beinahe komplett ruiniert hätte. Doch die Schulden konnten dank sprudelnder Gewinne kräftig abgebaut werden. Allein im letzten Jahr um 1,1 Milliarden auf 5,7 Milliarden Euro. Weitere rund drei Milliarden lasten zusätzlich auf der als Holding agierenden Schaeffler AG.

Die Schulden sind aber inzwischen tragbar geworden. Der ihnen gegenüberstehende Wert der Conti-Aktien steht zwar nur mit 5,1 Milliarden Euro in den Büchern. Doch der Kurswert ist mehr als doppelt so hoch. So schlummern bei Schaeffler fast sechs Milliarden Euro stille Reserven.

Längst sind nicht mehr Banken die größten Gläubiger. Das meiste Geld holt sich Schaeffler über Anleihen. Und nach leicht gestiegenen Rating-Noten sieht Finanzvorstand Klaus Rosenfeld hier keine Refinanzierungsprobleme. Rosenfeld amtiert bis Mitte des Jahres übergangsweise auch als Konzernchef, dann übernimmt Klaus Deller (bislang Knorr-Bremse) das Ruder.

Im abgelaufenen Jahr 2013, hat die Continental-Beteiligung Schaeffler den Löwenanteil der Gewinne eingebracht. 614 Millionen Euro allein an Dividende und noch einmal 187 Millionen Euro aus Aktienverkäufen.

Denn das Vorsteuerergebnis von Schaeffler selbst ist um fast ein Drittel auf 982 Millionen eingebrochen. Diese Summe haben Zinsen und Steuern fast vollständig aufgezehrt. Denn mit den 380 Millionen hat das Unternehmen für eine Strafzahlung wegen Preisabsprachen vorgesorgt. Diese ist zwar – wie gestern berichtet – mit 370 Millionen etwas niedriger ausgefallen. Dennoch könnten weitere Zahlungen die Bilanz auch 2014 belasten. Denn Schaeffler muss auch mit Forderungen von Kunden rechnen, die wegen der Preisabsprachen zu viel bezahlt haben. In den USA und in Kanada sind bereits Klagen eingereicht worden.

Martin Prem

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