Tische und Stühle stehen vor einer Pizzeria auf der Lister Meile, die derzeit nur Speisen zum Mitnehmen anbieten kann. Bund und Länder haben einen Teil-Lockdown beschlossen. Restaurants, Bars und Kneipen müssen geschlossen bleiben.
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Geschlossen wegen Corona: Viele Gaststätten und Einzelhändler kämpfen wegen Corona um ihre Existenz.

Umstrittene Initiative „Wir machen auf“

Händler wollen trotz Corona öffnen – Heftige Kritik aus eigenen Reihen: „Bodenlose Frechheit“

  • Thomas Schmidtutz
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Die umstrittene Initiative „Wir machen auf“ fordert Restaurant-Besitzer und Ladenbetreiber trotz Corona-Lockdowns zur Öffnung auf. Doch die für Montag geplante Aktion wird überraschend verschoben.

  • Im Kampf gegen die Corona-Pandemie müssen viele Betriebe geschlossen bleiben.
  • Ein Kosmetikstudio-Betreiber aus Krefeld will das nicht hinnehmen und fordert zum Widerstand auf.
  • Ein Münchner Unternehmer fordert Wiesn-Nachbarn zum Filmen von möglichen Polizeieinsätzen auf.

München – Die Initative „Wir machen auf“ hat die für den heutigen Montag geplante Öffnung überraschend um eine Woche verschoben. Man wolle zunächst den Betroffenen Gelegenheit geben, an den Türen ihrer Geschäfte auf den Vorstoß aufmerksam zu machen, sagte der Initiator der bundesweit beachteten Aktion, Mecit Uzbay zur Begründung. „Das Beste, was jetzt gemacht werden könne, ist diese Frist, um einfach ein paar rechtliche Sachen zu sichern“, sagte Uzbay der dpa.

Mit der geplanten Öffnung wollen zahlreiche Ladenbesitzer gegen den Lockdown und eine mögliche Insolvenzwelle protestieren. Allerdings ist der Vorstoß illegal. Gewerbetreibenden drohen bei Verstößen gegen die geltenden Regeln Bußgelder von bis zu 5000 Euro. Schlimmstenfalls könnten Gewerbeämter auch eine vollständige Gewerbeuntersagung aussprechen. Die Verbände von Handel und Gastronomie lehnen die Aktion vehement ab und appellieren an die Unternehmen, sich an geltendes Recht zu halten.

Auch intern regt sich der Widerstand. Auf dem Telegram-Kanal „Wir machen auf“ wirft ein früherer Administrator dem Unternehmer einen Alleingang vor. Uzbay verweigere bis heute die Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen, heißt es auf der Chatplattform. Zudem habe er mit der überraschenden Verschiebung der Aktion auf den kommenden Montag „alle gefährdet“, und „der Regierung alle Türen aufgemacht, sich vorzubereiten“. Sein Verhalten sei „eigenmächtig“ und eine „bodenlose Frechheit“. Uzbays Telegram-Kanal hat inzwischen fast 60.000 Follower. Auch in der Schweiz hat die Aktion inzwischen zahlreiche Anhänger.

Wir-machen-auf-Initiator steht Querdenker-Bewegung nahe

Der Kosmetikstudio-Betreiber aus Krefeld hatte im vergangenen Sommer für Aufsehen gesorgt, weil er unter seinem Pseudonym MedMecit die „weltweit erste Anti-Corona-Creme“ im Angebot hatte. Nach entsprechenden Presseberichten tat er die Creme zum Preis von 49,90 Euro auf seinem Facebook-Kanal später als „komplette Ironie“ ab.

Laut RND war Uzbay im Sommer auf einer „Querdenker“-Demo in Krefeld aufgetreten und soll behauptet haben, die Zahl der Corona-Toten in Deutschland sei gefälscht.

Auch die von ihm betriebene Webseite Coronapedia gilt als Tummelplatz von Corona-Leugnern und rechten Verschwörungstheoretikern. Neben Tipps zum „kreativen Umgang mit Ordnungsamt, Polizei und anderen oppositionellen Kräften“, schwadronieren User dort ungehemmt über die „Okkupantenverwaltung (die sogenannte Regierung)“.

Wir machen auf: Unternehmer fordert Wiesn-Nachbarn zum Filmen von möglichen Polizeieinsätzen auf

Ein anderer User, der sich an der Aktion „Wir machen auf“ beteiligen will, fordert Anwohner im Münchner Westend und auf der Schwanthaler Höhe oberhalb des weltberühmten Wiesn-Geländes auf Coronapedia auf, zu filmen, „sobald Polizei oder Behörden auftauchen“ und das Videomaterial dann zu veröffentlichen. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Netzwerks.

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