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Corona-Drittimpfung auch eine Frage des Geldes - Hersteller verdienen sich eine goldene Nase

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Biontech mit dem Impfstoff „Comirnaty“ gehört zu den großen Gewinnern der Pandemie.
Biontech mit dem Impfstoff „Comirnaty“ gehört zu den großen Gewinnern der Pandemie. © Daniel Karmann/dpa

Studien der Hersteller von Corona-Impfstoffen lassen darauf schließen, dass bald Auffrischungen nötig sein werden. Biontech & Co. verdienen sich dabei eine goldene Nase.

München - Für Pharma-Unternehmen wie Biontech oder Moderna entwickelt sich die Corona-Pandemie* prächtig. Was zynisch klingt, ist aus Unternehmenssicht nachvollziehbar. Seit den Meldungen über erste Corona-Impfstoffe sind die Aktien mancher Bio-Tech-Unternehmen geradezu explodiert. Wie das Handelsblatt berichtet, ist etwa Biontech nach einer gestrigen (4. August) Aktien-Rally im Wert auf über 100 Milliarden Dollar (84,2 Milliarden Euro) gestiegen. Das Mainzer Unternehmen wird damit höher bewertet als etwa BMW oder die Deutsche Bank zusammen. Der Konkurrent Moderna konnte seinen Marktwert sogar auf schwindelerregende 140 Milliarden Dollar steigern.

Ob und wann der Hype um Moderna-, Biontech- oder Pfizer-Aktien zum erliegen kommt, ist momentan noch völlig offen. Die Hersteller profitieren dabei auch von den eigenen Unzulänglichkeiten ihrer Impfstoffe. Weil diese keinen perfekten Schutz bieten, muss nach heutigem Stand mindestens eine Zweitimpfung her. Doch auch diese bietet keinen hundertprozentigen Schutz gegen ein Ansteckungsrisiko, gleichzeitig scheinen die Antikörper nach einiger Zeit weniger zu werden.

Biontech: EU bestellt Impfdosen für knapp 35 Milliarden Euro

Im Gespräch sind daher inzwischen Dritt-, Viert- oder sogar schon Fünft-Impfungen. Diese sollen nach Herstellerangaben die Zahl der Antikörper im Blut um das zehnfache steigern. Vor allem Risikogruppen wie ältere Menschen oder gesundheitlich Belastete dürften zu den Ersten gehören, die eine Auffrischung erhalten. Die EU machte dafür bereits riesige Summen frei. Wie der Spiegel berichtet, ging allein bei Biontech eine Bestellung über 1,8 Milliarden Impfdosen zu einem Preis von knapp 35 Milliarden Euro ein.

Die bestellten Impfdosen sind zur Auffrischung oder zum Schutz vor neuen Varianten gedacht. Den Vorwurf, Bestellungen und aktuelle Entwicklungen zu verschlafen und damit die Gesundheit der Bürger zu riskieren, will sich die EU wohl nicht mehr gefallen lassen.

Corona-Impfstoff: Quasi-Monopol der Hersteller

Für den starken Anstieg der Pharma-Aktien ist auch die aktuelle Preisgestaltung verantwortlich. Hier spielen die Hersteller aus, dass sie ein Quasi-Monopol auf den Impfstoff besitzen. Wichtige Abschnitte des mRNA-Herstellungsverfahrens sind patentiert und dürfen nicht von der Konkurrenz genutzt werden. Dafür gibt es unter anderem Rückendeckung von der Bundesregierung und der EU-Komission, die sich weigern, die Patente öffentlich zugänglich zu machen. Dafür hagelt es ausgerechnet vonseiten der USA Kritik.

Das schlägt sich auch auf den Preis nieder: Das Biontech/Pfizer Präparat "Comirnaty" wird inzwischen für 19,50 Euro pro Impfung verkauft, ursprünglich waren es 15,50 Euro pro Dosis. Gleiches gilt für das Moderna-Präparat "Spikevax": Hier werden laut Financial Times zukünftig 21,50 Euro statt 19 Euro fällig. Und das, obwohl die Initialkosten für Forschung oder neues Equipment längst amortisiert sind.

Curevac: Einzige ernsthafte Konkurrenz?

Einziger ernstzunehmender Konkurrent in der mRNA-Sparte dürfte der Tübinger Hersteller Curevac sein. Dieser hinkt aber hinterher. Das Vakzin ist längst nicht so wirksam wie die Impfstoffe der Wettbewerber, die Aktie gab gewaltig nach und das Kapital für neue Forschung erreicht längst nicht das Volumen, wie es etwa Biontech/Pfizer oder Moderna inzwischen besitzen.

Diese forschen währenddessen schon am nächsten Kassenschlager: Alle drei Unternehmen arbeiten laut Spiegel an mRNA-Impfstoffen der nächsten Generation, gegen Corona, aber auch gegen diverse andere Infektionskrankheiten, wie etwa Malaria.

Pharma-Branche: Entwicklung steht erst am Anfang

Für Anleger bleibt die Pharma-Sparte also weiter höchst interessant. Wenn man den Analysen der Investmentbank Morgan Stanley Glauben schenkt, ist der Aufstieg der Pharma-Konzerne noch lange nicht zu Ende. Die Bank schätzt, dass Biontech alleine mit "Comirnaty" in den nächsten beiden Jahren über 56 Milliarden Dollar umsetzen wird, Moderna mit "Spikevax" 38,5 Milliarden. Und das, obwohl noch gar nicht feststeht, ob eine jährliche Auffrischung mit dem Präparat benötigt wird. Rosige Zeiten also für Pharma-Unternehmen und Anleger in Zeiten der Corona-Pandemie. (PB)*Merkur.de ist ein Teil von IPPEN-MEDIA

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