Sortimentserweiterung: Seit Donnerstag verkauft das Freyunger Modehaus Trendline neben auch Klopapier und Lebensmittel.
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Sortimentserweiterung: Seit Donnerstag verkauft das Freyunger Modehaus Trendline neben auch Klopapier und Lebensmittel.

Lockdown-Folgen

„Aus Notwehr“: Modehändler öffnet Laden mit Klopapier-Trick - Ordnungsamt lädt zur Anhörung

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Wegen des monatelangen Lockdowns kämpfen immer mehr Unternehmen um ihre Existenz. Ein Modehändler in Freyung geht jetzt einen ungewöhnlichen Weg, um seinen Betrieb zu retten.

Freyung – Wegen des Lockdowns haben die allermeisten Bekleidungshändler seit Mitte Dezember geschlossen. Selbst Shoppen nach Terminvereinbarung (Click & Meet) ist derzeit bundesweit kaum möglich. Denn dafür müssten die jeweiligen Inzidenzzahlen unter der Marke von 100 liegen. Doch diese Grenze erreichen derzeit nur noch ganz wenige Regionen. Kein Wunder, dass der Branche das Wasser vielerorts bis zum Hals steht.

Auf der Suche nach einem Ausweg aus der Krise hat der niederbayerische Modehändler Norbert Kremsreiter (46) jetzt einen radikalen Schritt gemacht. „Wir haben unser Sortiment komplett überarbeitet“, sagt Kremsreiter gegenüber Merkur.de*. Seit Donnerstag (26. März) bietet der Unternehmer in seinem Modehaus Trendline in Freyung im Bayerischen Wald neben Mode für Damen und Herren auch Lebensmittel, Hygieneartikel, Klopapier und andere Güter des täglichen Bedarfs. „Wir wollen nicht wieder schließen, sonst saufen wir ab“, sagt Kremsreiter. Von den insgesamt rund 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche hat Kremsreiter derzeit 180 Quadratmeter in Betrieb, gut 100 Quadratmeter davon entfallen auf Lebensmittel und Co.

Lockdown: Unverkaufte Winterware

Wie dramatisch die Lage bei dem Betrieb mit seinen 20 Mitarbeitern inzwischen ist, zeigt ein Blick auf die wirtschaftlichen Eckdaten. Wegen des Lockdowns hat Kremsreiter noch Winterware im Wert von rund 300.000 Euro auf Lager. Jetzt stehen auch noch die Rechnungen für die Frühjahrskollektion an.

Doch auf der Einnahmeseite sieht es düster aus. Alleine im Januar lagen die Erlöse um 90 Prozent unter Vorjahr, für den Februar steht ein Minus von 85 Prozent zu Buche. Die Erweiterung des Sortiments erfolge aus der „Verzweiflung und Not im allerhöchsten Maße“, sagt Kremsreiter, der für die CSU auch im Stadtrat sitzt.

Lockdown: Ordnungsamt lädt zur Anhörung

Das zuständige Ordnungsamt des Landratsamts Freyung-Grafenau will die Kremsreiters Sortimentserweiterung jetzt unter die Lupe nehmen. Nur kurz nach der Öffnung am Donnerstag hat sich die Behörde gemeldet und den Modehändler zu einer Anhörung eingeladen. Möglicherweise könnte der Unternehmer gegen die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verstoßen haben. Danach ist der Verkauf „von Waren, die über das übliche Sortiment des jeweiligen Geschäfts hinausgehen“, untersagt.

Doch Kremsreiter lässt sich davon nicht beirren. Sein neues Angebot sei „Notwehr.“ Sollte das Amt den Laden tatsächlich dicht machen wollen, „ketten wir uns an die Tür“.

Hinweis der Redaktion: In der ersten Fassung dieses Beitrags hatten wir die Daten zur Verkaufsfläche von Trendline noch nicht berücksichtigt. Wir haben die entsprechenden Angaben nach mehreren User-Hinweisen inzwischen ergänzt.

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