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„Zero-Covid“ oder EU-Weg? Studie vergleicht Corona-Strategien auf Wirksamkeit - mit deutlichem Ergebnis

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Von: Luisa Billmayer

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Zero-Covid-Strategie als einziger Ausweg? Eine Studie aus Frankreich sieht darin den besten Plan für Mensch und Wirtschaft.
Zero-Covid-Strategie als einziger Ausweg? Eine Studie aus Frankreich sieht darin den besten Plan für Mensch und Wirtschaft. © Christophe Gateau/dpa

Wie sollte die Politik in der Corona-Pandemie agieren? Für die Menschen oder die Wirtschaft? Am besten für beide sagen Wissenschaftler:innen aus Frankreich.

Paris/München - Obwohl das Coronavirus* auf der ganzen Welt Menschen infiziert und die Pandemie überall die gleichen Konsequenzen hat, scheint jedes Land seinen eigenen Weg zu gehen. Es gibt keine einheitliche Strategie. Aber ist wirklich nicht klar, welcher Weg am besten wäre? Eine französische Studie legt nahe: die „No-Covid“-Strategie scheint ziemlich gut zu funktionieren.

Corona-Strategie: Abschwächung wie in Deutschland oder Auslöschung wie in Australien

„Die No-Covid-Strategie schützt Menschen und Wirtschaft effektiver“ lautet der Titel der Publikation von Cecile Philippe und Nicolas Marques vom wirtschaftlichen Institut Molinari in Paris. Es wurde untersucht, welcher Umgang mit der Pandemie - auch aus wirtschaftlicher Sicht - am erfolgreichsten ist. Verglichen wurden dabei vorrangig zwei Herangehensweisen:

Corona-Strategien im Vergleich: Studie zeigt überraschendes Ergebnis

Anhand verschiedener Messwerte verglich die Forschungsgruppe die Auswirkungen der Pandemie. Infektionszahlen, Todesfälle, Wirtschaftsleistung aber auch die Mobilität, die Google-Daten zeigen, oder wie häufig bestimmte Suchbegriffe im Internet gesucht wurden, wurden untersucht und gegenübergestellt. Dabei zeigte sich, dass die „No-Covid“-Strategie sowohl kurzfristig als auch langfristig positive Effekte für die Wirtschaft hatte. Das Bruttoinlandsprodukt war in „No-Covid“-Ländern von 2019 auf 2020 nur um 1,8 Prozent gesunken, während es in anderen untersuchten Ländern um 5,0 Prozent abgenommen hatte.

Zudem gebe die Strategie der Auslöschung des Virus Sicherheit und Orientierung. Instabilität und Planlosigkeit mache es auch für Unternehmen schwierig vorauszudenken und zu investieren. Davon sind natürlich im speziellen Hotels, Restaurants und der Kulturbereich betroffen. „Wenn die Eliminierungsstrategie umgesetzt wird, wird das Ende des Tunnels vorhersehbar. Dann ist es möglich, verlässliche langfristige Pläne zu machen, was zu einer stärkeren wirtschaftlichen Leistung und einer geringeren Sterblichkeit führt“, heißt es in der Studie.

Video: Corona-Pandemie in Europa

Corona-Strategien im Vergleich: Australien, Südkorea und Neuseeland glänzen

In beiden Bereichen - möglichst wenig Todesfälle und möglichst geringer Wirtschaftseinbruch - haben Australien, Südkorea und Neuseeland gut abgeschnitten. Diese Länder verfolgen die „No-Covid“-Strategie. Anders verlief die Pandemie in Belgien, Italien, Großbritannien und Frankreich: Dort sind sowohl vergleichsweise viele Menschen an Covid-19 gestorben und gleichzeitig hat die Wirtschaft stark gelitten.

Bevölkerung und Wirtschaft: Schützen oder der Krise aussetzen? Im besten Fall beides schützen.
Bevölkerung und Wirtschaft: Schützen oder der Krise aussetzen? Im besten Fall beides schützen. © Philippe, Marques/Institut Économique Molinari

Angesichts ihrer Erkenntnisse rufen die Wissenschaftler:innen dazu auf, offen über die Strategie zu diskutieren und andere Länder, die nach „No-Covid“ agieren für eine mögliche Umsetzung heranzuziehen. In Pilotprojekten in französischen Regionen sollte das Konzept ausprobiert werden. Darüberhinaus sollte europaweit an einer „No-Covid“-Strategie gearbeitet werden. „Die Europäische Union könnten eine große Rolle in der Koordination des Plans spielen“, so das Fazit.

Auch in Deutschland nimmt das Infektionsgeschehen Anfang April 2021 wieder zu. Hoffnung machen Impfungen, doch die schreiten eher schleppend voran. Dass Angela Merkel ihr Versprechen, allen bis 21. September ein Impfangebot zu machen, bezweifeln viele. Karl Lauterbach hält einen dritten Lockdown für unausweichlich, aber mit einer Planänderung rechnet er damit, bis 1. Juli allen eine Impfung anbieten zu können. (lb)

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