„Der Schein trügt“

Corona-Pleitewelle in Deutschland? Im internationalen Vergleich könnte die Bundesrepublik triumphieren

Der Kreditversicherer Euler Hermes hält die aktuelle Lage was die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie angeht für nicht aussagekräftig.

  • Der Kreditversicherer Euler Hermes hat sich zur wirtschaftlichen Situation vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie geäußert.
  • Die aktuelle Lage sei trügerisch.
  • Im internationalen Vergleich könnte Deutschland glänzen (siehe Update vom 23. Juli).

Update vom 29. Juli: Die Corona-Pandemie hat der internationalen Wirtschaft schwer zugesetzt. Doch in Deutschland scheint sich die Situation zu bessern. Ein Volkswirt lobt die deutsche Methode.

Update vom 23. Juli: Die Corona-Krise hat die gesamte Weltwirtschaft hart getroffen. Vor allem die USA und Brasilien könnten hart unter den ökonomischen Folgen leiden. Internationale Prognosen lassen vermuten, dass Deutschland im Gegensatz dazu mit einem blauen Auge davon kommen könnte (siehe Erstmeldung).

Erich Schweitzer, der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, merkte jedoch an, dass die Krise auch in Deutschland länger dauern könnte, als anfangs angenommen. „Der Einbruch ist tief, der Weg herausführt nicht so steil wieder nach oben, wie viele im Frühjahr gehofft haben“, so Schweitzer. Entscheidend sei die Frage, wann es wieder aufwärts gehe.* „Das zweite Quartal war schlicht eine Katastrophe. Laut unseren Umfragen glaubt die Hälfte der Betriebe, dass sich ihre Geschäftslage erst 2021 oder sogar noch später wieder spürbar bessert.“

Deutschland könnte nach der Pandemie „triumphieren“

In Berufung auf einen Gastbeitrag in der New York Times berichtet Spiegel darüber, dass Deutschland dennoch im internationalen Vergleich in der „Post-Pandemie-Welt triumphieren“ wird. Deutschland habe unter der Regierung von Kanzlerin Merkel vieles richtig gemacht. Die Regierung sei effizient, die Staatsschulden seien niedrig. Auch dass die deutsche Industrie hohes internationales Ansehen genieße und die Zahl heimischer Techunternehmen wachse, könnte dazu beitragen, dass Deutschland stärker aus der Krise gehe, als andere Staaten.

Für die Autoren sei das durch soziale Sicherheitsnetze geprägte Europa zum Gegenentwurf von Trumps Amerika geworden. Das Kurzarbeitssystem, das Arbeitslosigkeit verhindert und somit den Arbeitsmarkt vor heftigen Erschütterungen bewahrt, gelte als Musterrezept. Auch die europäischen Bemühungen in der Corona-Krise werden Deutschland weiter stützen.

Corona-Pleitewelle in Deutschland? Experten mit bitterer Prognose - „Stunde der Wahrheit“

Erstmeldung vom 21. Juli:

München - Die Schließungen aufgrund der Coronavirus*-Pandemie haben die Wirtschaft stark belastet. Im ersten Halbjahr haben bereits mehrere größere Firmen Insolvenz angemeldet, etwa suchten Galeria Karstadt Kaufhof und das Modeunternehmen Hallhuber Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Die Damenmode-Kette Appelrath Cüpper beantragte Insolvenz in Eigenverwaltung.

Weltweit erwarten die Experten aktuell für 2020 und 2021 einen kumulierten Anstieg der Insolvenzen um insgesamt 35 Prozent. „Wenn die jeweiligen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zu früh beendet werden, dürfte der Anstieg sogar noch um 5 bis 10 Prozentpunkte höher ausfallen“, befürchtet Maxime Lemerle, Chef der Insolvenz- und Branchenanalysen bei der Euler Hermes Gruppe.

Einen dramatischen Anstieg der Unternehmenspleiten aufgrund der Corona-Pandemie erwartet der Kreditversicherer in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr unter den größeren Ländern vor allem in den USA (plus 47 Prozent), in Brasilien (plus 32 Prozent) und China (plus 21 Prozent). Auch viele europäische Staaten wie etwa Portugal (plus 30 Prozent), die Niederlande (plus 29 Prozent), Spanien (plus 20 Prozent) oder Italien (plus 18 Prozent) seien massiv betroffen.

Coronavirus-Pleitewelle: Experten sicher - „Stunde der Wahrheit im Herbst“

Deutschland kommt im weltweiten Vergleich mit einem „blauen Auge davon“. „Gründe dafür sind neben der besseren Ausgangssituation und dem kürzeren, weniger strikten Lockdown vor allem die schnellen und sehr umfangreichen Sofortmaßnahmen der Regierung“, argumentiert Ron van het Hof, Chef von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Trotzdem hat die Corona-Pandemie* Folgen für die Wirtschaft*. Für Deutschland sagen die Experten einen Anstieg der Insolvenzen in den Jahren 2020 und 2021 um insgesamt zwölf Prozent im Vergleich zu 2019 voraus - auf dann etwa 21.000 Fälle, wie aus Daten von Euler Hermes hervorgeht. Der größte Anteil dürfte mit 8 Prozent auf 2021 entfallen. Für dieses Jahr wird ein Zuwachs um vier Prozent erwartet.

Bisher ist von der Insolvenzwelle in Deutschland noch nicht allzu viel zu spüren. „Unternehmen in Schieflage müssen dies aktuell erst im Herbst bei einem Insolvenzgericht anzeigen“, erläuterte Van het Hof. Deshalb gebe es aktuell noch eher wenige Fälle in Deutschland. „Aber der Schein trügt, und im Herbst schlägt für viele die Stunde der Wahrheit.“ In einer neuen Umfrage des Ifo-Instituts kam heraus, dass die deutschen Unternehmen noch lange Einschränkungen durch das Coronavirus auf die Wirtschaft befürchten. (dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Martin Gerten

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Porsche Taycan: Tesla-Fahrer lachen sich über Update für Sportwagen schlapp - „Witz des Tages“
Porsche hat vor gut einem halben Jahr mit dem Taycan das erste reine E-Auto auf den Markt gebracht. Doch ausgerechnet der E-Flitzer bringt jetzt Ärger mit der Kundschaft.
Porsche Taycan: Tesla-Fahrer lachen sich über Update für Sportwagen schlapp - „Witz des Tages“
VW-Chef Diess fährt mit E-Auto und E-Bike in Urlaub: Ein Bild-Detail irritiert - „ganz anders als das Werbefoto“
VW-Chef Herbert Diess hat mit seiner E-Auto-Aktion für weltweites Aufsehen gesorgt. Jetzt nimmt sich der Ingenieur das nächste Produkt aus dem Konzern vor. 
VW-Chef Diess fährt mit E-Auto und E-Bike in Urlaub: Ein Bild-Detail irritiert - „ganz anders als das Werbefoto“
Aus der Traum vom Spanien-Urlaub in Corona-Zeiten
Spanien hatte sich trotz Corona als sicheres Urlaubsziel angepriesen. Jetzt erklärt die Bundesregierung fast das ganze Land einschließlich Mallorca zum Risikogebiet - …
Aus der Traum vom Spanien-Urlaub in Corona-Zeiten
Commerzbank will 200 geschlossene Filialen nicht mehr öffnen
Frankfurt/Main (dpa) - Die Commerzbank beschleunigt noch vor dem Wechsel an der Vorstandsspitze die Verkleinerung ihres Filialnetzes. Das Geldhaus werde 200 …
Commerzbank will 200 geschlossene Filialen nicht mehr öffnen

Kommentare