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Andreas Krengel von Dermalog Identification Systems GmbH. Beim Einlass der baldigen Reifenmesse wird bei jedem Besucher per elektronischem Screening die Temperatur gemessen. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Weltgrößte Industrieschau

Coronavirus: Hannover Messe wartet erst ab

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Ausbreitung zeigen sich immer deutlicher. In Hannover hat die Deutsche Messe AG bei einer Reifenausstellung schon spezielle Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Aber was passiert bei der weltgrößten Industrieschau Ende April?

Hannover (dpa) - Die Veranstalter der Hannover Messe wollen sich mit der Entscheidung über eine mögliche Verschiebung der weltgrößten Industrieschau wegen des neuartigen Coronavirus noch Zeit lassen.

Man stimme sich mit den Gesundheitsbehörden, dem Beirat der Aussteller und Verbänden ab, teilte die Deutsche Messe AG mit. "Alle Teilnehmer sind sich einig, dass es zum jetzigen Zeitpunkt zu früh ist, um über eine Verschiebung der Hannover Messe zu entscheiden", hieß es.

Die Ausbreitung des Erregers und die Verschiebung anderer Messen machten aber deutlich, "dass sich die Situation tagtäglich ändern kann". Mitte März wolle man die Lage dann erneut bewerten.

"Die Entwicklungen rund um das Coronavirus nehmen wir sehr ernst", betonten die Organisatoren. Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) seien in die Beratungen einbezogen. Bisher gebe es von den teilnehmenden Firmen "keine nennenswerten Absagen".

Das Branchentreffen soll vom 20. bis 24. April stattfinden. Bisher erwarten die Veranstalter mehr als 6000 Aussteller aus 70 Staaten. Partnerland ist Indonesien, dessen Präsident Joko Widodo sich zu einem Besuch in Hannover angesagt hat.

Ob der Zeitplan zu halten ist, hängt vom weiteren Verlauf ab. Die Organisatoren versicherten: "Auf der Messe werden wir einen höchstmöglichen Standard an Hygiene, Sicherheit und medizinischer Versorgung sicherstellen." Mit den Gesundheitsbehörden sind weitere Gespräche angesetzt.

Bei der derzeit in Hannover laufenden Reifenmesse Tire Technology Expo wurden aus Sorge vor der weiteren Ausbreitung der Epidemie bereits strenge Sicherheitsvorkehrungen eingeführt. Besucher oder Mitarbeiter müssen beim Einlass etwa ihre Körpertemperatur mit einem elektronischen Screening messen lassen. Die Messegäste müssten zudem schriftlich bestätigen, in den 17 Tagen vor ihrer Ankunft nicht in China gewesen zu sein, keine Grippe oder Lungenentzündung zu haben und kein Träger des Coronavirus zu sein.

Nach der schriftlichen Bestätigung der Besucher würden Reisepässe und Visa allerdings nicht überprüft, hieß es: "Wir verlassen uns auf die Teilnehmer, das ehrlich zu beantworten." Ein Arzt sei ebenfalls im Einsatz, außerdem gebe es überall Spender mit Desinfektionsspray. Sicherheitsleute öffneten die Türen, damit es möglichst selten Kontakt mit Türklinken geben müsse. Chinesische Unternehmen hätten beschlossen, Mitarbeiter von anderen Standorten zu schicken. Einige Firmen wollten erst im nächsten Jahr auf der Messe ausstellen. Zu möglichen Maßnahmen für Gäste aus Italien gab es noch keine Angaben.

Zuletzt waren in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg weitere Coronavirus-Fälle nachgewiesen worden. In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, entdeckt worden: vor allem bei einer Firma in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus Wuhan in China. Diese Fälle führten jedoch bisher nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen. Der Ursprung des neuartigen Virus liegt in der zentralchinesischen Provinz Hubei.

Andere internationale Messen wie der Mobile World Congress in Barcelona oder die Automesse in Peking waren aufgrund der Ansteckungsgefahr schon gestrichen oder verschoben worden. Allein wegen der Reisebeschränkungen in China rechnet die Deutsche Messe AG diesmal bereits mit deutlich weniger Gästen aus der Volksrepublik.

Insgesamt erreiche die Unsicherheit durch das Virus auch in der deutschen Wirtschaft inzwischen ein empfindliches Ausmaß, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher: "Lieferketten sind schon jetzt gefährdet, und größere Probleme werden unabwendbar sein, so dass Produktionsprozesse und damit die Wirtschaftsleistung leiden werden."

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