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Adidas, Puma und Co. schreiben offenen Brief an Merkel - und fordern Sport-Öffnungen „zum Wohle aller“

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Von: Bettina Menzel, Lena Bammert

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Ein Fitnessstudio mit zahlreichen Geräten, in dem Menschen mit Maske und Abstand Sport treiben.
Offener Brief an Merkel: Adidas, Puma, Rebook und Co. fordern jetzt konkrete Maßnahmen von der Bundesregierung. © Márcio Pannunzio/Imago

Der Sportartikelverband sieht die Gesundheit der Bevölkerung im Lockdown gefährdet. Puma, Reebok, Adidas und Co. fordern jetzt konkrete Maßnahmen von Merkel.

Bonn - Der Bundesverband Deutsche Sportartikel-Industrie (BSI) hat am Freitag einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel veröffentlicht. In dem Schreiben äußert der Verband Sorgen um die Gesundheit der Bevölkerung und fordert konkrete Maßnahmen, um das Sportdefizit der Menschen zu beheben.

„Wir vom Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. stehen hinter einem Großteil der Beschlüsse der Bundesregierung als unverzichtbare Elemente zur Bekämpfung der Corona-Pandemie“, beginnt der Brief zunächst versöhnlich. Doch schon der zweite Satz enthält Kritik. In der Bevölkerung seien mentale und körperliche Beschwerden festzustellen – mit jedem Lockdown wachse die Problematik. Diese Entwicklung sieht der Sportartikelverband nach eigenen Angaben mit Sorge. Sport solle deshalb als Teil der Lösung zur Pandemie-Bewältigung begriffen werden, fordert der Verband stellvertretend für seine Mitglieder, unter ihnen Größen wie Adidas, Deuter, Puma, Reebok und Vaude.

Sportartikelverband will „Sport wieder in die Köpfe der Menschen zurückbringen“

Der Anlass für den offenen Brief sei das neue Infektionsschutzgesetz, erklärt BSI-Geschäftsführer Stefan Rosenkranz auf Anfrage von Merkur.de. „Wir wünschen uns eine differenzierte Betrachtung im Rahmen der Gesetzgebung. Vor allem beim Kinder- und Jugendsport“, so Rosenkranz. „Es geht darum, das Thema Sport wieder in die Köpfe der Menschen zurückzubringen.“ Das sei vor allem mit Blick auf die Zukunft wichtig. „Wenn alle durchgeimpft sind, müssen wir schauen, wie wir sportliche Aktivitäten wieder an die Menschen heranführen können. Das muss über Begeisterung und Emotionen laufen, Sport ist Spaß, Sport ist etwas Gemeinsames.“

Der Verband verweist zudem auf Studien von Aerosol-Forschern, die die Gefahr der Virenübertragung im Freien als gering einstufen. „Regelmäßige, sportliche Betätigung fördert Körper und Geist“, ergänzt der BSI in seinem Schreiben. Das Sportdefizit durch den Lockdown will der Sportartikelverband mit einem konkreten Maßnahmenkatalog bekämpfen.

„Nicht jeder kann Joggen gehen“: Sportartikelverband fordert Öffnung aller Sportstätten

Die wichtigste Forderung des BSI ist die Öffnung aller Sportstätten. Genau wie im Einzelhandel sollen Menschen mit negativem Corona-Test und vorherigem Termin in Fitness-Studios, Reitschulen, Sport- oder Schwimmhallen aktiv sein können. BSI-Chef Thomas Rosenkranz gibt zu bedenken, dass aus gesundheitlichen Gründen nicht jeder joggen gehen kann. „Schwimmen geht wenig auf die Gelenke“, so Rosenkranz. Deshalb seien etwa Schwimmhallen für die Menschen so wichtig. Sport im Freien - wie etwa Joggen oder Radfahren - soll aus Sicht des BSI auch in kleineren Gruppen von mindestens zwei Haushalten möglich sein.

Das Wort des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie hat durchaus Gewicht. Der Verband vertritt rund 150 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von insgesamt 35 Milliarden Euro. Bekannte Marken wie Puma, Adidas, Deuter und Reebok gehören dazu.

Mit Sport gegen Corona kämpfen: „Sport hat positiven Einfluss auf die Psyche“

Von der Politik fordert der Sportartikelverband eine langfristige Strategie, um das Sportdefizit in der Bevölkerung auszugleichen. Das solle Volkskrankheiten wie Übergewicht und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sowie psychischen Erkrankungen entgegenwirken. „Sportliche Betätigungen haben immer einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit und die Psyche, unabhängig von Corona“, betont Rosenkranz gegenüber Merkur.de. Eine Studie aus England habe darüber hinaus jetzt sogar einen Hinweis darauf gegeben, dass Bewegung Schutz vor schweren Corona-Verläufen bieten kann.

Der BSI sieht die Zeit gekommen, gemeinsam mit den Sportverbänden und der Regierung eine bundesweite, medienwirksame Kampagne für mehr Bewegung zu starten. „Mit konkreten Plänen und medienwirksamen Kampagnen wirken wir den langfristigen Schäden zum Wohle aller entgegen“, so der BSI. Zwar arbeite der Verband bereits an einem Konzept, doch die Regierung muss mit ins Boot, wenn es funktionieren soll.

Kritik des Sportartikelverbandes: Antwort der Bundesregierung steht noch aus

„Immer wenn ich Sport machen will, setz‘ ich mich 5 Minuten hin und warte bis der Anfall vorbeigeht“, soll Al Pacino einmal gesagt haben. Tatsächlich treibt etwa jeder Vierte (26 Prozent) während der Corona-Pandemie weniger Sport als vorher. Das zumindest geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse vom August 2020 hervor. 13 Prozent der Befragten gaben allerdings an, seit Corona sogar sportlich aktiver zu sein. Fast jeder Zweite der 1.000 Befragten geht in der Pandemie häufiger spazieren als vorher. 60 Prozent stellten keine Veränderung fest. Beim Sport gab es schon vor Corona ein Generationenproblem, findet auch BSI-Chef Thomas Rosenkranz. „Junge Menschen treiben tendenziell weniger Sport“, sagte er Merkur.de.

Sportmuffel hatten in letzter Zeit jedenfalls immer die Ausrede geschlossener Fitnessstudios und Sportstätten. Wird sich das bald ändern? Bislang äußerte sich die Bundesregierung nicht zum offenen Brief. Doch wie wichtig sind Sportstätten für die Gesundheit der Bevölkerung? Wir freuen uns, es von Ihnen zu erfahren:

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