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Wegen Corona: Kreditversicherer Euler Hermes sieht 40000 Firmen in Gefahr - Prekäre Lage im Einzelhandel

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Von: Thomas Schmidtutz

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„Küche durchgehend geschlossen“ prangt im Schaufenster eines Restaurants in der berühmten Rüdesheimer Drosselgasse. In ganz Deutschland gilt ein vierwöchiger Teil-Lockdown, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.
Corona-Pause: Wegen des Teil-Lockdowns müssen Restaurants und Bars im November schließen. © Arne Dedert/dpa

Corona bringt viele Unternehmen in akute Bedrängnis. Das kommende Jahr dürften viele Betriebe wohl nicht mehr überleben, warnt der Kreditversicherer Euler Hermes.

München – Der Kreditversicherer Euler Hermes erwartet angesichts des Corona*-Krise einen steilen Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen. Bis Ende kommenden Jahres dürften bundesweit „rund 40.000 Unternehmen“ den Gang zum Amtsgericht antreten, sagte Maxime Lemerle, Leiter für Insolvenz- und Branchenprognosen gegenüber Merkur.de*.

Bereits im laufenden vierten Quartal dürfte es zu einer spürbaren Zunahme der Insolvenzen kommen, sagte Lemerle. Der Löwenanteil der Firmenpleiten dürfte aber auf das kommende Jahr entfallen.

Wegen der Corona-Pandemie sei die Schuldenlast bei vielen Unternehmen zuletzt „stark gestiegen“. Vor allem in der Hotellerie, der Gastronomie sowie im stationären Einzelhandel sei die Lage angespannt. Dagegen gehörten der Online-Handel, der Lebensmitteleinzelhandel oder Essenlieferdienste zu den „eindeutigen Gewinnern der Covid-19*-bedingten Einschränkungen“.

Euler Hermes für 2021 weniger zuversichtlich als die Bundesregierung

Insgesamt rechnet die Tochter des Versicherungskonzerns Allianz für 2020 beim Brutto-Inlandsprodukt (BIP) – also der Summe aller produzierten Güter, Waren und Dienstleistungen - mit einem Minus von sechs Prozent. Im nächsten Jahr erwartet Euler Hermes dann einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 3,5 Prozent.

Damit ist das Unternehmen deutlich vorsichtiger als die Bundesregierung. Nach der Ende Oktober veröffentlichten Prognose erwartet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für 2020 ein Minus von 5,5 Prozent, gefolgt von einem Anstieg um 4,4 Prozent im kommenden Jahr.

Allerdings hatten sich viele Ökonomen angesichts des seit Monatsanfang geltenden Teil-Lockdowns zuletzt vorsichtiger gezeigt. Man könne „froh sein, wenn das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal nicht unter die Null-Linie fällt“, hatte etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer Ende Oktober erklärt. Auch andere Ökonomen warnten, steigende Corona-Neuinfektionen und die zum 1. November in Kraft getretenen Einschränkungen könnten den Aufschwung zum Jahresende abbremsen.

Auch bei den Unternehmen hat sich die Stimmung zuletzt spürbar eingetrübt. „Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten“, hatte der Chef des Münchner ifo-Instituts, Prof. Clemens Fuest, bei der Vorlage des viel beachteten ifo-Geschäftsklima-Index Ende Oktober gesagt. Auch das Konsumklima hatte sich zuletzt eingetrübt.

Nach Kneipen und Restaurants könnte es nun auch für den stationären Handel eng werden. Viele Spielwaren-Geschäfte oder Juweliere machen gut ein Viertel ihres Jahresumsatzes in der Weihnachtssaison. Wegen der Corona-Pandemie dürften viele Verbraucher ihre Geschenke jetzt im Internet shoppen statt in der Innenstadt. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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