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Druck auf Ungeimpfte: Bayerisches Handwerk warnt vor einer Spaltung am Arbeitsplatz

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Von: Corinna Maier

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Hauptgeschäftsführer vom Bayerischen Handwerkstag Frank Hüpers und Präsident vom Bayerischen  Handwerkstag Xaver Peteranderl zu Gast in der MM-Redaktion
Frank Hüpers warnt vor einer Spaltung am Arbeitsplatz. (Archivbild) © Oliver Bodmer

Das bayerische Handwerk befürchtet eine Spaltung am Arbeitsplatz sollte der Druck auf Nicht-Geimpfte über die Betriebe weiter erhöht werden.

München – Das bayerische Handwerk warnt davor, mehr Druck auf Nicht-Geimpfte über die Betriebe aufzubauen. Die Politik spielt hier über Bande, meint Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkskammertages. Zudem würde über weiter verschärfte Regelungen der Betriebsfrieden gefährdet.

Am Arbeitsplatz kommt es womöglich zu einer 3G-Regelung. Wirtschaftsverbände haben auch schon von 2G im Betrieb gesprochen. Wie steht das bayerische Handwerk dazu?

Eine 3G-Regel halten wir für praktikabel, dass ein Mitarbeiter also geimpft, genesen oder nachweislich negativ getestet sein muss. Mit einer 2G-Regelung hingegen wird der Betriebsfrieden auf eine arge Probe gestellt.

Was befürchten Sie?

Eine nicht geimpfte Mitarbeiterin oder ein nicht geimpfter Mitarbeiter hätten ja keine Möglichkeit mehr, ihrer geregelten beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Da sehe ich auch arbeitsrechtliche Probleme. Gerät der Arbeitgeber in Annahmeverzug? Muss er den Lohn fortzahlen? Wird der Beschäftigte nach Hause geschickt? Das scheint mir auch aus sozialen Gründen eine schwierige Sache zu sein. Homeoffice ist im Handwerk ja eher keine Option.

Die gesellschaftliche Spaltung würde an den Arbeitsplatz getragen.

Ja. Eine derartige Verschärfung in der Pandemie-Bekämpfung – dass nämlich der Impfdruck so massiv verstärkt wird – finde ich auch deswegen nicht richtig, weil hier über Bande gespielt wird.

Wie meinen Sie das?

Die Politik agiert nicht direkt, sondern spannt dafür die Unternehmen und Arbeitgeber ein. Ehrlicher wäre der direkte Weg: Wenn der Gesetzgeber erkennt, dass die Pandemie* derart gefährlich ist, dass der einzige Ausweg die Impfung ist, dann spricht doch aus meiner Sicht sehr viel für eine gesetzliche Impfpflicht. Die gibt es schließlich auch für andere Krankheiten. Also: Ich halte weitere Verschärfungen, die über die Betriebe laufen sollen, für schwierig. Das war auch der Tenor auf dem jüngsten bayerischen Handwerkstag am Freitag in Augsburg*.

Gerade im Handwerk arbeitet man – je nach Branche – durchaus auch in körperlicher Nähe zusammen. Ist es da nicht besonders notwendig, zu wissen, wer geimpft ist und wer nicht?

Für die Umsetzung von Einsatz- und Hygieneplänen ist es meiner Ansicht nach schon notwendig, dass der Arbeitgeber weiß, wie der Impfstatus seiner Belegschaft ist. Dieses Recht sollten Arbeitgeber in dieser Ausnahmesituation haben. Eine 3G-Regel ist dann durchaus geeignet. Denn Nicht-Geimpfte können mit einem Test*, den ihnen der Arbeitgeber ohnehin zwei Mal in der Woche anbieten muss, weiter arbeiten.

Freiwillige 2G- oder 3G-Plus-Regelungen sind ja möglich. Wenn ein Friseurbetrieb mit drei geimpften Mitarbeiterinnen das machen möchte, kann er das ja tun und hat dafür Vergünstigungen, wie zum Beispiel die, dass im Salon keine Maske getragen werden muss – vorausgesetzt natürlich, auch die Kundschaft ist geimpft oder genesen, beziehungsweise PCR-getestet.

Die Betonung liegt bei Ihnen aber auf „freiwillig“?

Genau. Schon eine verpflichtende 3G-Plus-Regelung würde das Geschäft vieler Handwerksbetriebe aus Kostengründen massiv belasten. Wer bezahlt denn 75 bis 100 Euro für einen PCR-Test, nur um zum Friseur oder zur Kosmetikerin zu gehen? Solche Regelungen hielte ich nicht für zielführend.

Video: Merkel: Einschränkungen für Ungeimpfte

(com) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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