"Crash reißt Wirtschaft nicht nach unten"

Frankfurt - Das Beben an den Aktienmärkten schürt die Sorgen um die Konjunktur. Die Angst geht um, dass der Kurseinbruch an der Börse die deutsche Wirtschaft infizieren und nach unten reißen könnte. Doch während Börsianer Schweißperlen auf der Stirn haben, bleiben die Volkswirte gelassen.

Zwischen den Aktienkursen und der Realwirtschaft besteht kein direkter Zusammenhang. An der Börse werden Erwartungen gehandelt - ob diese sich realisieren, ist offen. Laut Ökonomen droht erst dann die Gefahr einer Ansteckung der Konjunktur, wenn die Aktienkurse über Wochen in den Keller gehen. Das ist aber nicht zu erwarten.

Die Talfahrt an den Börsen könnte durchaus Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen - aber die Sorgen vor einer Rezession halten Ökonomen für völlig überzogen. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Konjunktur abstürzen wird", sagt Frank Roselieb vom Institut für Krisenforschung Kiel. "Am Ende des Jahres wird die Wirtschaft besser rauskommen als gedacht." Nach der Absenkung ihrer Prognosen erwarten die Bundesregierung und die meisten Ökonomen 1,8 Prozent Wachstum für dieses Jahr.

Der Optimismus gründet auf den guten Gewinnen der Unternehmen. Viele Firmen haben volle Auftragsbücher und können von diesem Puffer über Monate leben. Die Rezessionsängste lassen die hohen Ölpreise sinken, weil bei einer schwächeren Konjunktur weniger Öl nachgefragt wird. Das entlastet die Wirtschaft. Die Firmen kommen immer noch an genügend Geld für Investitionen, die Gefahr einer Kreditklemme besteht laut Bundesbank-Präsident Axel Weber nicht. "Auch wird der Wettbewerb dafür sorgen, dass die Unternehmen weiterhin Kredite zu vernünftigen Zinssätzen bekommen."

Erst wenn die Aktienkurse über Wochen abstürzen, dann verschlechtert sich die Stimmung der Unternehmen und sie schieben ihre Investitionen auf. Die Faustregel lautet: wenn der Dax dauerhaft um zehn Prozent fällt, wird das Deutschland 2008 ein Viertelprozentpunkt Wachstum kosten. Die rund zehn Millionen Anleger in Deutschland würden sich bei anhaltenden Kursverlusten ärmer fühlen. "Größere Anschaffungen werden dann zurückgestellt", sagt Prof. Dirk Schiereck von der European Business School in Oestrich- Winkel. Der private Verbrauch soll in diesem Jahr aber zum Motor des Aufschwungs werden. Steigende Löhne und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit werden voraussichtlich den Haushalten mehr Geld für den Konsum übrig lassen.

Auch wenn sich Charttechniker bei der Betrachtung der S &P-500-Kurve "in fataler Weise an Ende 2000" erinnert fühlen, sind die Befürchtungen fundamental kaum begründet. Trotz der Schwäche in den USA erwarten die Volkswirte keine Weltwirtschaftskrise. "Diese Wahrscheinlichkeit ist sehr gering", sagt Schiereck. Die US-Konjunktur habe sich von allen Krisen wie zum Beispiel den Terroranschlägen vom 11. September 2001 schnell wieder erholt. Zur Stabilisierung der Konjunktur senkte die US-Notenbank am Dienstag die Zinsen überraschend deutlich um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent.

Wenn der US-Konjunktur die Puste ausginge, würden einige Probleme zwar nach Europa überschwappen. Aber es haben sich neue Abnehmer und Märkte in den Schwellenländern wie Russland und China etabliert. Der Aufschwung dort ist nach Ansicht der Ökonomen ein Aufholprozess, den auch eine Rezession in den USA nicht aufhalten kann. "Die Schwellenländer sind ein Airbag für die deutsche Wirtschaft", sagt der Deutschland-Chefvolkswirt der Unicredit, Andreas Rees.

Die wichtigsten Aktienindizes der Welt

Aktienindizes dienen Börsenprofis wie Kleinanlegern rund um den Globus als unverzichtbares Instrument zur Darstellung der Markttendenzen. Die Indizes an den weltweiten Börsen sind allerdings kaum vergleichbar, weil sie sich in ihrer Zusammensetzung und Berechnung unterscheiden. Wichtige Indizes:

Dow Jones Industrial Average: Das weltweit bekannteste Börsenbarometer besteht aus Aktien von 30 US-Großunternehmen. Sein Debüt feierte der älteste amerikanische Index im Mai 1896.

Deutscher Aktienindex (Dax): Im Dax sind die Werte der 30 führenden deutschen Aktiengesellschaften zusammengefasst. Seit Juli 1988 soll er den heimischen Aktienmarkt in einer handlichen Kennzahl abbilden. Der Index-Stand wird von der Deutschen Börse jede Sekunde neu berechnet.

Financial Times Stock Exchange 100: Der FTSE-Index der Londoner Börse wird seit 1984 geführt. Er umfasst die Aktien der 100 größten britischen Unternehmen.

Nikkei 225: Der führende Index der Aktienkurse an der Wertpapierbörse in Tokio basiert auf den Durchschnittskursen von 225 Titeln. Er umfasst Aktien der größten japanischen Unternehmen.

Nasdaq-Index: In dem Sammelindex sind alle an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Werte enthalten. Dazu gehören Aktien von kleinen Unternehmen bis hin zu Weltkonzernen. Die elektronische Börse sowie der Index wurden 1971 gegründet.

Euro-Stoxx 50: In dem Index sind die Aktien der 50 wichtigsten Unternehmen aus den Euroländern enthalten. Er gilt als zentraler Indikator für die Entwicklung der Börsen in Europa.

Hang-Seng-Index: Der Index der Börse von Hongkong umfasst Aktienwerte der 33 stärksten chinesischen Unternehmen. Der HSI wird seit 1969 veröffentlicht.

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