Curevac: Ein Mitarbeiter pipettiert eine Flüssigkeit. Das Tübinger Biotech-Unternehmen arbeitet mit Hochdruck an einem Corona-Impfstoff.
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Curevac: Das Tübinger Biotech-Unternehmen droht, bei der Einführung seines Corona-Impfstoffs gegenüber der Konkurrenz noch weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Rückschlag

Curevac: „Daten abwarten“ - Biotech-Unternehmen rudert bei Zeitplan für Corona-Impfstoff zurück

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Im Rennen um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs ist Curevac spät dran. Jetzt droht das Tübinger Biotech-Unternehmen noch weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Tübingen – Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac hat Hoffnungen auf eine Zulassung seines Corona-Impfstoffs im Juni gedämpft. Man müsse zunächst abwarten, bis die fehlenden Daten aus der laufenden Feldstudie vorlägen, sagte ein Curevac-Sprecher am Mittwoch gegenüber Merkur.de*. Danach würden die Daten intern geprüft und dann zeitnah zur weiteren Prüfung an die europäische Arzneimittelbehörde EMA weitergeleitet. Der Entscheidung der EMA wolle man nicht vorgreifen. Trotz der möglichen Verschiebung hält das Unternehmen aber an seinen Produktionszielen fest. Curevac bekräftige „seine Produktionsprognose von 300 Millionen Dosen im Jahr 2021 und bis zu einer Milliarde produzierten Impfstoffdosen im Jahr 2022“, erklärte der Sprecher.

Um die Zulassung zu beschleunigen, hatte sich Curevac bei der geplanten Zulassung seines Impfstoffkandidaten für CVnCoV für ein rollendes Verfahren entschieden. Dabei liefert das Unternehmen noch während der Erprobung an Studienteilnehmern Daten an die EMA. Die abschließende Prüfung durch die Amsterdamer Behörde dauert üblicherweise drei bis vier Wochen. Früheren Angaben zufolge wird CVnCoV inzwischen an rund 40.000 Probanden getestet.

Curevac: Unternehmen rückt von früheren Aussagen ab

Mit seinen Aussagen rückt Curevac von früheren Aussagen zum Zeitplan ab. Erst Mitte April hatte Curevac-Chef Franz Werner Haas in einem Interview bekräftigt, man rechne damit, „dass im Juni die Genehmigung von der EMA kommt, eher Anfang als Ende Juni“. Nun verweigert das Unternehmen eine klare Aussage zu dem Termin.

Die Diskussion um mögliche Verzögerungen bei der Zulassung des Curevac-Impfstoffes hatte am Montag neue Fahrt aufgenommen. Auslöser waren entsprechende Aussagen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Während einer Sitzung der Gesundheitsminister soll Spahn Teilnehmern zufolge erklärt haben, mit einer Freigabe des Curevac-Impfstoffes durch die EMA sei „nicht vor August“ zu rechnen. Spahn berief sich dabei auf die Einschätzung der EMA.

Branchenexperten hatten bereits Ende Mai Zweifel am Zeitplan geäußert. Auslöser war eine kompliziert gehaltene Pressemitteilung des Unternehmens. Darin hatte es unter anderem geheißen, man werde die Studie fortsetzen, „um genügend Daten für die Durchführung einer statistisch signifikanten Wirksamkeitsanalyse zu sammeln“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Curevac 59 Personen in seinem Panel, die mit Covid-19 infiziert waren. Nötig sind aber offenbar deutlich mehr Erkrankte, um valide vergleichen zu können, wie häufig die Erkrankung bei Geimpften im Vergleich zu den Studienteilnehmern auftritt, die ein wirkungsloses Mittel gespritzt bekamen.

Curevac: Mutanten erschweren Zulassung

Die Ausgangslage wird für Curevac auch dadurch erschwert, dass die Anzahl der Inzidenzen in vielen Ländern zurückgeht. Damit sinkt die Bereitschaft vieler Menschen, überhaupt an der Erprobung eines neuen Wirkstoffs teilzunehmen. Außerdem könnte die auch Wirksamkeit des Wirkstoffs während der Erprobung sinken, weil CVnCoV auf die Ursprungsvariante des Virus abgestimmt ist, sich inzwischen aber zahlreiche Mutanten gebildet haben.

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