Wachstumsprognose angehoben, aber weniger Aufträge

Berlin - Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hat seine Wachstumsprognose 2010 für Deutschland kräftig angehoben. Dagegen brachen in der deutschen Industrie im Juli die Aufträge ein.

Grund waren vor allem große Nachfrageschwankungen bei Investitionsgütern.

Die deutsche Wirtschaft dürfte im laufenden Jahr um 3,4 Prozent wachsen, teilte das HWWI am Dienstag in Hamburg mit. Im Juni waren die Forscher noch von einem Wachstum von lediglich 1,5 Prozent ausgegangen. Auch für das kommende Jahr wurde die Prognose erhöht. Nach einem bislang veranschlagten Wachstum von 1,6 Prozent rechnet das HWWI nun für 2011 mit einem Zuwachs um 2,5 Prozent.

Das Institut begründet die Korrekturen vor allem mit dem starken Wachstum im zweiten Quartal, als die deutsche Wirtschaft mit einem Rekordwert von 2,2 Prozent zulegte. “Mit dem Wachstumssprung in der ersten Jahreshälfte hat die Wirtschaft nahezu zwei Drittel des Rückgangs in der Krise aufgeholt“, schreibt das HWWI. Die Rückkehr der Wirtschaftsleistung auf das Vorkrisenniveau könne bereits im kommenden Jahr erreicht werden. Gleichwohl sehen die Forscher auch Risiken für das Wachstum, etwa in den angeschlagenen Staatsfinanzen im Euroraum sowie der schwächelnden Konjunktur in den USA und Japan.

Die deutsche Industrie hat im Juli nach dem kräftigen Auftragsschub vom Vormonat einen Dämpfer erhalten. Die Auftragseingänge seien preis- und saisonbereinigt um 2,2 Prozent zum Vormonat gesunken, teilte das Wirtschaftsministerium in Berlin mit. Nach dem Schub im Vormonat ging insbesondere die Zahl der Großaufträge zurück. Der Auftragsanstieg im Vormonat war mit 3,6 Prozent ausgeprägter als zunächst veranschlagt. Im Jahresvergleich ergibt sich im Juli ein bereinigtes Auftragsplus von 17,7 Prozent.

Die derzeit kräftigen Nachfrageschwankungen sind aus Sicht des Ministeriums vor allem auf die Entwicklung der Großaufträge bei Investitionsgütern zurückzuführen. In der Tendenz sei die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen dagegen weiter aufwärts gerichtet. Das Wachstum der Bestellungen habe sich nach der außergewöhnlich starken Bestelldynamik im Frühjahr aber weiter abgeschwächt.

Im Groß- und Außenhandel hellt sich die Stimmung nach einer Umfrage des Branchenverbandes deutlich auf. “Die deutsche Wirtschaft ist in Aufbruchstimmung. Die Unternehmen haben ihre Schockstarre nach dem wirtschaftlichen Absturz im Vorjahr abgeschüttelt“, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) in Berlin. Die Geschäftserwartungen seien nach einer Unternehmensbefragung zum dritten Mal in Folge gestiegen. Die Motoren des Aufschwungs lägen dabei sowohl im Inland als auch im Ausland.

dpa

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