Dänischer Optimismus: Was die deutsche Wirtschaft lernen kann

- Kopenhagen - Kaufrausch bei den Konsumenten, wenig Arbeitslosigkeit und prall gefüllte Staatskassen: Kurz vor der dänischen Parlamentswahl nächste Woche kann sich Regierungschef Anders Fogh Rasmussen über geradezu traumhaft klingende Wirtschaftsnachrichten freuen. Seit 20 Jahren, so ermittelte das Konjunkturforschungsinstitut IFKA, sind die Verbraucher im südlichsten Land Skandinaviens nicht so glänzend aufgelegt, optimistisch und zahlungsbereit gewesen wie gerade jetzt.

Mitten im Wahlkampf meldete das Arbeitsamt einen überraschend kräftigen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 5,2 Prozent (nach EU-Zahlen). Finanzminister Thor Pedersen freut sich vernehmlich über einen satten Überschuss der Staatskasse auch im Jahr 2005 und wiederholt als Wahlkämpfer immer wieder gern sein Mantra: Dänemarks Wirtschaft ist stark und gesund. Weit bemerkenswerter als die aus deutscher Sicht beneidenswerten wirtschaftlichen Eckdaten finden Beobachter in Kopenhagen die psychologisch positive Grundstimmung bei Dänemarks Wirtschaftsakteuren. Schon im letzten Jahr stieg der Absatz von Neuwagen gegenüber 2003 um 33,6 Prozent. Umso mehr ein Indiz für die Stimmung, als Autos in Dänemark wegen der astronomisch hohen Besteuerung doppelt so teuer sind wie in Deutschland.<BR><BR>Steuersenkungen im vorigen Jahr, das extrem niedrige Zinsniveau und die günstigere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nennt Steen Bocian, Chefökonom bei Danske Bank, als wichtigste Gründe für das in Zeitungen immer wieder besungene Verbrauchsfest dieser Monate. Alle Experten sind sich einig, dass die Konjunktur insgesamt vom Privatkonsum nach oben gebracht worden ist. 50 Prozent der Dänen wohnen in eigenen vier Wänden und machen mit ihrem Haus als Sicherheit frohgemut von günstigen Kreditmöglichkeiten Gebrauch. "Natürlich spielt der allgemeine Glauben an eine positive Zukunft dabei eine sehr wichtige Rolle. Die Leute fürchten nicht, dass unser Wohlfahrtsstaat demnächst zusammenkracht", meint Bocian.<BR><BR>An der deutsch-dänischen Handelskammer bestätigt Gerhard Glaser diese optimistische Grundhaltung auch für Dänemarks Industrie: "Es wird hier nicht herumgejammert. Sattdessen traut man sich selbst viel zu." Dabei haben Bauwirtschaft und Industrie im vergangenen Jahr keineswegs steile Wachstumskurven nach oben produziert. Die oppositionellen Sozialdemokraten bemühten sich im Wahlkampf, die zunehmende Auslagerung von Jobs etwa aus Dänemarks Fleisch-Industrie oder beim Spielzeugkonzern Lego ins billige Osteuropa zum Thema zu machen. Aber das gelang nur beschränkt, wie auch die verheerend niedrigen Umfragezahlen für Oppositionschef Mogens Lykketoft zeigen.<BR><BR>Und so konkurriert der Sozialdemokrat bei der Jagd auf Wählerstimmen jetzt mit dem rechtsliberalen Regierungschef doch lieber um die schönsten Zukunftsversprechungen an die gut gelaunte Bevölkerung: Mehr Geld für die Älteren, mehr Geld für Familien mit Kleinkindern, für die Schulen und für das Gesundheitswesen. Alles ist möglich. Die Staatskasse ist ja gut gefüllt.<BR> 

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