Daimler-Zentrale in Stuttgart: Der Autobauer will profitabler werden und Tausende Arbeitsplätze abbauen.
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Daimler-Zentrale in Stuttgart: Der Autobauer will profitabler werden und Tausende Arbeitsplätze abbauen.

Üppige Abfindungen

Daimler zahlt Mitarbeitern bis zu 400.000 Euro, damit sie gehen

  • Thomas Schmidtutz
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Daimler-Chef Ola Källenius trimmt den Konzern auf Profitabilität und will dazu auch Personal abbauen. Um Mitarbeitern den Abschied zu versüßen, lockt der Konzern mit üppigen Abfindungen.

Stuttgart – Beim Stuttgarter Autobauer Daimler geht es im laufenden Jahr wieder richtig rund. Am Mittwochabend setzten die Schwaben das nächste Ausrufezeichen. Im zweiten Quartal verdienten die Schwaben trotz des grassierenden Halbleitermangels und der Pandemie nach vorläufigen Eckzahlen operativ 5,18 Milliarden Euro. Das war rund eine Milliarde mehr als Analysten erwartet hatten. Noch im Vorjahr hatte das Unternehmen wegen Corona unter dem Strich 1,9 Milliarden Euro versenkt.

Entsprechend groß war am Donnerstag die Verzückung. Es erstaune, resümierte etwa NordLB-Analyst Frank Schwope in einer ersten Einschätzung, dass „nach Jahren des Klagens über hohe Transformationskosten plötzlich fast Traum-Renditen erzielt werden“.

Daimler: Konzern-Chef Ola Källenius trimmt den Konzern auf Profitabilität

Die starken Quartalszahlen sollen längst nicht das Ende sein. Um den Konzern trotz des Milliarden-schweren Umbaus Richtung E-Mobilität dauerhaft profitabler zu machen, setzt Daimler-Chef Ola Källenius auch beim Personal an. Alleine am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim sollen bis 2025 rund 4000 Stellen und damit jeder fünfte Arbeitsplatz wegfallen. Auch in Berlin, wo das Unternehmen sein ältestes Produktionswerk unterhält, sollen 1000 der zuletzt 2500 Jobs gestrichen werden. Konzernzweit stehen Berichten zufolge insgesamt gut 10.000 bis 15.000 Stellen zur Disposition.

Damit der Stellenabbau möglichst geräuschlos geht, hat Daimler ein Abfindungsprogramm aufgelegt. Und das hat es in sich. Nach einem Bericht von Business Insider darf etwa ein Ingenieur, der nach dem Studium zu Daimler gekommen ist und inzwischen Anfang 40, auf eine Abfindung von bis zu 400.000 Euro hoffen.

Daimler: Prinzip der doppelten Freiwilligkeit

Zwar gilt beim vergoldeten Abgang das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit, weshalb nicht nur der Mitarbeiter zustimmen muss, sondern auch sein Vorgesetzter. Aber in der Praxis lässt sich erfahrungsgemäß kaum jemand halten, der der Verlockung des schnellen Gelds erliegt. Laut BI sollen inzwischen über 3500 Mitarbeiter das Angebot angenommen haben.

Viele jüngere und hochqualifizierte Mitarbeiter, heißt es aus der Branche, dürften das Geld nehmen und anschließend beim Wettbewerb anheuern. Vor allem Tesla* sucht für seine neue Gigafactory in Grünheide bei Berlin händeringend nach Top-Ingenieuren. Auch BMW* oder Volkswagen* freuen sich über gutes Personal. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.DIGITAL.

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