Daimler-Schriftzug an der Konzernzentrale der Daimler AG
+
Der Daimler-Konzern geriet durch die Corona-Krise in eine finanzielle Schieflage.

Noch mehr Arbeitsplätze fallen weg

Konzernkreise bestätigen: Deutscher Autobauer will 20.000 Jobs streichen - weit mehr als zuvor geplant

  • vonKai Hartwig
    schließen

Die Daimler AG will Tausende Stellen mehr streichen, als ursprünglich geplant. Der Betriebsrat fordert Klarheit. Die Zukunftsaussichten sind überraschend positiv.

  • Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler will aufgrund der Coronavirus*-Krise seinen geplanten Stellenabbau ausweiten.
  • Offenbar sollen in den kommenden Jahren rund 20.000 Arbeitsplätze wegfallen.
  • Der Betriebsrat des Autobauers sucht das Gespräch mit der Konzernleitung - und hofft auf Klarheit.

Stuttgart - Beim Autobauer Daimler sollen in den kommenden Jahren bis zu 20.000 Stellen abgebaut werden und damit weit mehr, als ursprünglich geplant. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur am Freitag aus Konzernkreisen bestätigt. 

Laut einem Bericht der Zeitung Handelsblatt sollen durch diese Maßnahme beim Personal insgesamtzwei Milliarden Euro eingespart werden. Zunächst hatte der Daimler-Vorstand Einsparungen in Höhe von knapp 1,4 Milliarden Euro geplant, da der Konzern in den letzten Monaten durch die Corona-Krise einen Milliardenverlust zu verkraften hatte. 

Vonseiten des Gesamtbetriebsrats von Daimler hieß es gegenüber der dpa, man sei nach wie vor in Gesprächen mit dem Konzern. Die Unterhaltungen würden durchaus kontrovers verlaufen, meinte ein Betriebsratssprecher. 

Die Arbeitnehmervertreter erhoffen sich in erster Linie, dass bald Klarheit über das weitere Vorgehen der Daimler AG herrsche. Dann wüssten die Mitarbeiter wenigstens, woran sie seien. 

Daimler AG in der Corona-Krise: Konzern will Medienberichte über Stellenabbau nicht kommentieren

Unterdessen ließ der Daimler-Konzern am Freitag verlauten, dass man spekulative Medienberichte nicht kommentieren wolle. Dennoch hatte Personalvorstand Wilfried Porth schon vergangenes Wochenende über konkrete Zahlen gesprochen. 

Für Porth reichen die öffentlich diskutierten 10.000 bis 15.000 wegfallenden Stellen nicht aus. „Die neue Zahl ist auf jeden Fall größer als die beiden“, sagte der Personalvorstand der dpa. „Und die bräuchten wir, um betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu verhindern.“

Video: Daimler in der Coronavirus-Krise muss noch mehr Stellen streichen

Dabei verheißt die jüngste Prognose für den Autobauer eine positive Zukunft. Daimler hatte zwar einen operativen Milliardenverlust im zweiten Quartal zu verzeichnen, doch die Fabriken und Autohäuser des Stuttgarter Konzerns erholten sich überraschend gute vom zwischenzeitlichen Corona-Lockdown.

Im Zeitraum April bis Juni schnitten diese deutlich besser ab als befürchtet. Die Entwicklung im Juni sei sogar „stark“ verlaufen, kommunizierte Daimler am Donnerstagabend nach Handelsschluss an der Frankfurter Börse* aus der Zentrale in Stuttgart. Die Daimler-Aktien legten auch am Freitag deutlich zu. (kh)

* Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Auch interessant

Kommentare