Daimler-Aktionäre fordern schnelle Trennung vom ,Mühlstein Chrysler

Berlin: - Berlin - Dieter Zetsches Strahlemann-Image hat an Glanz verloren. Auf der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler am Mittwoch in Berlin zeigte sich, dass die Misere der US-Tochter Chrysler auch an dem Optimisten mit dem Schnauzbart nicht spurlos vorübergegangen ist. Über weite Strecken wirkte der Daimler-Chrysler-Chef, der seit 15 Monaten an der Spitze des Konzerns steht, ernst und angespannt. "Zetsche hat mit Sicherheit ein paar Kratzer abgekriegt", sagt Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Aus Daimler-Chrysler könnte nach Zetsches Ankündigung über offizielle Gespräche mit potenziellen Interessenten bald wieder Daimler und Chrysler werden. Das Aus der "himmlischen Ehe" wäre auch eine persönliche Niederlage für den Top-Manager. Schließlich verdankt er seinen jetzigen Posten auch seinem Ruf als Chrysler-Sanierer. Ihre Gunst entzogen die Aktionäre Zetsche trotz teilweise ätzender Kritik dennoch nicht - oder zumindest noch nicht.

Zetsche habe deutlichen Willen erkennen lassen, die Probleme anzupacken, sagt Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Dies sorge für einen Vertrauensvorschuss bei den Aktionären. Mussten Vorstand und Aufsichtsrat in den vergangenen Jahren wegen einer Vielzahl von Problemen den Zorn der Anleger über sich ergehen lassen, drehte es sich dieses Jahr vorrangig um die Frage, wie es bei der dauerkriselnden US-Tochter weitergeht.

Der Gegenwind auf dem Aktionärstreffen hatte demzufolge auch Sturmstärke: "Scherbenhaufen", "Fehlentscheidung", "Mühlstein am Hals des Konzerns". Die Forderung der Aktionäre war klar: Eine Trennung von der ungeliebten Tochter. "Die letzten Jahre liegen uns Aktionären immer noch schwer im Magen. Das Gericht aus Burger mit Spätzle hat uns überhaupt nicht geschmeckt. Fish and Chips und Weißwurst haben sich in der Vergangenheit auch nicht bewährt", zog Henning Gebhardt, Vertreter der Fondsgesellschaft DWS, einen Vergleich zum Debakel von BMW mit der britischen Rover-Gruppe.

Dr. Z, wie der Spitzname von Zetsche ist, trat vor rund 8000 Aktionären die Flucht nach vorne an: Erstmals bestätigte der Chef des größten Industriekonzerns der Welt, was die Spatzen seit Wochen von den Dächern pfeifen: Es gibt offizielle Gespräche mit potenziellen Chrysler-Käufern. Als möglicher Verkaufspreis für die US-Tochter werden bis zu neun Milliarden Dollar (rund 6,7 Mrd Euro) genannt.

Trotz mehrerer Anläufe hat der Konzern die Probleme bei Chrysler nicht in den Griff bekommen. Hohe Spritpreise, ein rabiater Preiskampf und eine immer noch als nicht zeitgemäß geltende Modellpalette haben dazu geführt, dass die US-Autobauer vor allem von den Japanern abgehängt wurden. Hinzu kommen hohe Gesundheits- und Pensionsverpflichtungen bei Chrysler. Doch Zetsches Bilanz nach etwas mehr als einem Jahr fällt trotz der offensichtlichen Managementfehler nicht so schlecht aus, wie es der Blick auf die Lage bei Chrysler vermuten ließe. "Die anderen Sparten sind ja zum Teil überraschend gut gelaufen", sagt Aktionärsschützer Labryga.

So knüpfte die Kernmarke Mercedes wieder an alte Erfolge an und verfünffachte 2006 ihren operativen Gewinn. Die Absatzzahlen sollen 2007 auf Rekordniveau klettern. Das Lastwagengeschäft brummte zuletzt und das langjährige Sorgenkind smart soll in diesem Jahr mit dem überarbeiteten Zweisitzer laut Zetsche endlich in die schwarzen Zahlen fahren. Und auch der Aktienkurs entwickelte sich recht erfreulich. Seit Zetsches Amtsantritt kletterte er von gut 40 auf mehr als 60 Euro.

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