Daimler und die Deutsche Bank: Zwei alte Freunde trennen sich

- Frankfurt - Als Symbole der deutschen Wirtschaft haben sie Weltruf erlangt: Daimler-Benz und die Deutsche Bank. Den Autobauer und das Geldinstitut verbindet eine Jahrzehnte lange Partnerschaft. Doch seit dem Zusammenschluss von Daimler-Benz und Chrysler 1998 scheinen die alten Freunde getrennte Wege einzuschlagen. Ursache ist die Globalisierung und die damit verbundene Auflösung der Deutschland AG, eines Netzwerks aus Beteiligungen zwischen Banken und Industrie-Unternehmen.

<P>In den vergangenen drei Monaten verkaufte die Deutsche Bank erstmals seit der Fusion auch einen größeren Batzen ihres Aktienpakets an dem Autokonzern. Die Bank bestätigte erst am Freitag, dass sie ihren Anteil von zuletzt 11,5 Prozent auf 10,4 Prozent reduziert hat.</P><P>Die Beziehungen zwischen den beiden Unternehmen reichen weit zurück. Der Deutsche-Bank-Manager und spätere Nazi Emil Georg von Stauß war Motor des Zusammenschlusses von Daimler und Benz im Jahr 1926. Fast 50 Jahre später erwarb das Kreditinstitut zusätzlich 29 Prozent der Aktien an Daimler-Benz von dem Industriellen Friedrich Karl Flick, um einem Verkauf des Pakets an den Iran zuvorzukommen. Wenige Monate vorher hatte der Unternehmer Herbert Quandt seine Daimler-Aktien (14 Prozent) an Kuwait verkauft. Vorübergehend war die Deutsche Bank damit sogar Mehrheitsaktionär bei Daimler.</P><P>Aufsichtsräte mit unterschiedlichem Ehrgeiz</P><P>Traditionell stellte das Kreditinstitut auch den Aufsichtsratsvorsitzenden bei Daimler-Benz. Mit großem Ehrgeiz füllte der 1989 von Terroristen ermordete Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen diese Aufgabe aus. Er galt bisweilen als heimlicher Daimler-Chef. Herrhausen unterstützte die Neuausrichtung des Unternehmens als Technologie- und Rüstungskonzern unter Vorstandschef Edzard Reuter, die in den 90er-Jahren dann wieder rückgängig gemacht wurde.</P><P>Bei der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler spielte die Deutsche Bank keine federführende Rolle. Der Aufsichtsratschef Hilmar Kopper wurde erst zwei Wochen vor der Ankündigung der Fusion über die Details informiert. Er fand die Idee "absolut fabelhaft".</P><P>Verkauf kein automatischer Gewinn</P><P>In dem neuen Unternehmen war die Deutsche Bank mit 12,2 Prozent größter Aktionär vor Kuwait mit sieben Prozent. In den folgenden Jahren trennte sich das Kreditinstitut von den meisten seiner Beteiligungen. Dahinter steckte die Strategie, sich auf das Bankgeschäft zu konzentrieren. Doch der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie sackte von Höchstständen um die 90 Euro auf unter 30 Euro ab. Nur bei einem Kurs von 38,50 Euro konnte das Finanzhaus mit Verkäufen einen Gewinn erzielen. Experten rechnen damit, dass die restliche Beteiligung von 10,4 Prozent nach und nach "marktschonend" - wie es im Fachjargon heißt - abgestoßen wird.</P><P>Die Loyalität der Deutschen Bank gegenüber dem größten deutschen Konzern hat nachgelassen. Der frühere Vorstandssprecher der Bank, Rolf Breuer, und sein Nachfolger Josef Ackermann zeigten kein Interesse, in den Aufsichtsrat des Autokonzerns einzurücken. Kopper, der noch bis mindestens 2007 als Chef des Gremiums amtiert, hat keine offizielle Funktion mehr bei der Bank. Denkbar wäre, dass er an der Spitze des Aufsichtsrates eines Tages Platz für den heutigen Daimler-Chrysler-Chef Schrempp macht, hieß es. Dann hätten sich die beiden Unternehmen wohl endgültig auseinander gelebt.</P>

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