Studie der neuen Elektro-Limousine Mercedes EQS auf einer Automesse 2020 - In Kürze feiert die Serienversion Premiere
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Studie der neuen Elektro-Limousine Mercedes EQS auf einer Automesse 2020 - In Kürze feiert die Serienversion Premiere.

Konzern erhöht Druck auf Kalifornier

Daimler stellt neue Super-Limousine vor - Jetzt muss sich Tesla warm anziehen

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Auto-Neuheiten hat Daimler schon viele vorgestellt, aber kaum eine von dieser Bedeutung: Die Elektro-S-Klasse Mercedes EQS wird zum Gradmesser für die Zeitenwende im Konzern.

Stuttgart - Am 15. April steht für Daimler eine außergewöhnliche Fahrzeugpremiere an: Ein elektrisches Pendant zur Mercedes S-Klasse wird beim schwäbischen Autokonzern ein neues Zeitalter einläuten - die futuristisch anmutende Elektro-Limousine trägt den Namen EQS. Das stromernde Luxusklasse-Modell ist zugleich Technologieträger und Symbol der Innovationsfähigkeit der Premiummarke. Bislang trat Daimler mit Mercedes kaum als E-Auto-Vorreiter in Erscheinung, das soll sich wie bei Erzrivale BMW jedoch ändern:

Konzernchef Ola Källenius hat wortgewaltig die Aufholjagd eingeläutet: Daimler strebe nicht weniger als „die führende Position“ bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software“ an, ließ der Schwede im Herbst wissen. Ob das angesichts des technologischen Vorsprungs der Konkurrenten realistisch ist? Nicht nur in den USA (Tesla*) und China (Nio, Baidu), sondern auch in Europa ist die Elektroauto-Konkurrenz inzwischen groß.

Mercedes EQS: Daimler misst sich nicht mehr nur mit konventionellen Autoherstellern

Etablierte Hersteller wie Mercedes müssen sich im Zeitalter der Elektromobilität einerseits weiter mit langjährigen Konkurrenten wie BMW*, VW* und Co. messen, sich aber auch gegen Digitalkonzerne wie Google, Apple* oder Alibaba wappnen. Die Konzerne aus den USA und Asien bewegten sich immer stärker in das Feld der Automobilbauer hinein, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Instituts Center of Automotive Management. Es handle sich um „einen Kampf der Welten“ zwischen etablierten Autobauern und modernen Technologiekonzernen. Bei E-Autos sei die Bedeutung von Softwarekompetenz inzwischen noch wichtiger als die reine Automotive-Erfahrung.

Kein Wunder, dass auch Daimler große Summen investiert, um einen konkurrenzfähigen E-Softwarebaukasten für seine Elektromodelle bauen zu können. Technologisch basiert der EQS auf einer neuen reinen Elektroauto-Architektur namens EVA, die in Kürze auch in weiteren Elektromodellen verbaut sein soll. Zudem ist eine zweite E-Fahrzeugplattform namens MMA in Planung, diese soll ab 2025 bereitstehen.

Mercedes: Elektro-Limousine EQS mit beeindruckender Reichweite - fast 800 km

Beim Mercedes EQS 2021 handle es sich um die „bedeutendste Mercedes-Neuvorstellung der letzten zehn Jahre“, urteilt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer*. Das neue Flagschiff fällt optisch durch rahmenlosen Türen, eine nahtlos in die Motorhaube übergehende Frontscheibe und ein 1,41 Meter breites Display im Cockpit auf. Wahrlich beeindruckend: Daimler sichert den Kunden der Mercedes-Neuheit eine elektrische Reichweite von bis zu 770 Kilometern nach dem neuen WLTP-Verfahren zu.

„Wenn der EQS die versprochene WLTP-Norm auch bei Alltagsbelastung ungefähr einhält, würde Mercedes tatsächlich das Model S von Tesla* schlagen, das mehrere Jahre in Folge der Verkaufsschlager des E-Pioniers war“, sagt Mobilitätsforscherin Ellen Enkel. Dass der EQS ebenso wie die herkömmliche Verbrenner-S-Klasse als Luxus-Limousine kein Modell für den Durchschnittsbürger ist, sei erstmal zweitrangig. Zum Fahrzeugpreis macht das Unternehmen noch keine Angaben. „Die S-Klasse diente bei Mercedes immer als Vorreiter für neue Technologien, die dann im Laufe der Zeit in die unteren Fahrzeugklassen vererbt wurden“, unterstreicht Enkel die Bedeutung als Technologieträger.

Ob das auch im Elektro-Zeitalter gelingt? Die Hoffnung der Anleger ist an der Börse bereits zu spüren. Der Skandal um vermeintlich manipulierte Diesel-Fahrzeuge und eine in Expertenaugen lange Jahre fehlende Innovationskraft ließen den Aktienkurs* zwischenzeitlich abstürzen, doch seit Herbst geht es deutlich bergauf, zusätzlich beflügelt durch die geplante Abspaltung der Truck-Sparte. Auch die E-Auto-Verkäufe steigen, allerdings noch auf sehr niedrigem Niveau. Im ersten Quartal waren 2,8 Prozent aller weltweit verkauften Mercedes-Pkw reine Elektroautos. (PF/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN-MEDIA

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