Daimler setzt sich bei Airbus durch: Ein Deutscher wird Chef

- München/Paris - Der Termin spricht Bände: Erst nach dem Referendum zur EU-Verfassung soll der neue Airbus-Chef bekannt gemacht werden. Europa soll - so die Absicht - nicht zu sehr am nationalen Selbstverständnis der Franzosen kratzen. Dass, wie das "Handelsblatt" berichtet, mit Gustav Humbert ein Deutscher Airbus-Chef werden würde, brächte Europa in Frankreich in Misskredit. Denn in der von der Regierung genährten französischen Wahrnehmung ist Airbus (neben Ariane und Eurocopter) ein nationales Projekt, in dem die britischen, deutschen und spanischen Partner allenfalls Nebenrollen spielen dürfen.

<P class=MsoNormal>Das wirtschaftliche Gewicht in der EADS und damit bei Airbus sieht anders aus: Nur gemeinsam halten der französische Staat und der Mischkonzern Lagardè`re so viele Anteile wie der größte Aktionär Daimler-Chrysler. Auch die Standorte sind gerecht verteilt.</P><P class=MsoNormal></P><P class=MsoNormal>Doch technologisch haben sich die Franzosen von Anfang an die Führerschaft gesichert. Das hat politische Ursachen, an denen man in Paris nicht schuld ist. Denn während man in Deutschland in den frühen 90er-Jahren vor allem Wert darauf legte, "Friedensdividende" einzufahren und die Mittel für Forschungsprojekte mit Rüstungsnutzen dramatisch zusammenzustreichen, setzte Frankreich weiter auf nationale Souveränität. Aussichtsreiche Versuchsanlagen in München landeten bereits während der Umformung von MBB zunächst zur Daimler-Chrysler-Tochter DASA in der Schrottpresse. Deshalb betrachten viele altgediente MBB-Mitarbeiter die Entwicklung hin zur EADS heute noch mit großen Vorbehalten. Deren Groll wird immer dann deutlich hörbar, wenn US-Unternehmen Erfolge auf Gebieten feiern, auf denen der Münchner Technologiekonzern MBB schon einmal uneinholbar vorn lag.</P><P class=MsoNormal>Nun hat Daimler-Chrysler zweimal Zähne gezeigt. Zunächst beim Versuch der alleinigen Machtübernahme des bisherigen Airbus-Chefs Noë¨l Forgeard in der EADS. Forgeard bekam den Deutschen Tom Enders als gleichberechtigen Co-Chef an die Seite gestellt. Nun beim gescheiterten Versuch Forgeards, ein Aufrücken des Airbus-Vize Humbert an die Spitze des Flugzeugbauers zu verhindern. </P><P class=MsoNormal>Kein nationales Projekt: Beim Militär-Transporter A400M haben Spanier die Federführung. Die Leitung des Konzerns teilen sich Noë¨l Forgeard (M.) und Tom Enders (l.). Neuer Airbus-Chef wird Gustav Humbert.</P>

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